Fürnberg in Weimar

Louis Fürnberg, der größte deutschsprachige Dichter, den die Tschechoslowakei hervorbrachte, der große Kommunist und Schöpfer etwa des wundervoll zärtlichen „Lieds der Partei“, verbrachte die letzten Jahre seines kurzen Lebens (1909-1957) in Weimar.

Seine Wahlheimat DDR versäumte es auch nicht, ihn nach seinem Tode gebührend zu ehren. Sichtbarstes Zeichen davon ist sein Denkmal am Schloß, das trotz der darum gepflanzten Nadelsträucher noch heute sogar Touristen auffallen könnte.

LouisFürnbergDenkmalWeimar

Leider ist dieses 1960 vom tschechoslowakischen Bildhauer Martin Reiner geschaffene Werk recht mißlungen. Die Bronzebüste hat zu idealisierte Züge und wirkt auf der schmalen Stele durch ihre enorme Größe recht bizarr. Auch das Denkmal des polnischen Dichters Adam Mickiewicz, über den Fürnberg seine „Begegnung in Weimar“ schrieb, steht zu weit entfernt, um ihm zur Hilfe zu kommen.

Angemessen, wenn auch weit weniger prominent plaziert, ist Fürnbergs Grab auf dem alten Teil des Hauptfriedhof, nicht weit hinter der orthodoxen Kirche.

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Es hat einen unebenen horizontal gelagerten Stein, auf dem in bronzenen Buchstaben seiner und seiner viel später gestorbenen Frau Lotte Namen, ihre Lebensdaten und ein bronzener Abguß seiner Todesmaske sind. Davor erinnern kleine Steine an Mitglieder seiner und ihrer Familie, die größtenteils in Auschwitz, Terezín (Theresienstadt) und im nahen Buchenwald ermordet wurden.

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Die schönste Weimarer Spur Fürnbergs aber findet sich dort, wo der Sozialismus der DDR am stärksten er selbst war und Fürnberg am besten hinpaßt: im Wohngebiet Dichterweg. Dessen sechsgeschossigen Gebäude verteilen sich locker am Hang oberhalb des Ilmparks und in der Mitte öffnet sich ein Grünbereich zu einem zweigeschossigen Dienstleistungsgebäude, das wie eine Membran zur Bodelschwinghstraße mit ihren Einfamilienhäusern, zu der es flach ist, wirkt.

Aus Autorenkollektiv: Architekturführer DDR - Bezirk Erfurt, Berlin 1979

Aus Autorenkollektiv: Architekturführer DDR – Bezirk Erfurt, Berlin 1979

Dort steht die „Hommage à Louis Fürnberg“ von Lutz Hellmuth und Dietmar Lenz, deren prätentiöser Name ihr einziges Problem ist.

HommageÀLouisFürnbergWohngebiet

Auf einer glatten quadratischen Stele türmen sich rohe eckige Steine auf, aus denen auf beiden Seiten je eine große Platte herausgearbeitet ist.

HommageÀLouisFürnbergGesamt

Die eine ist vertikal, die andere horizontal angeordnet und beide zeigen sie einen nackten Menschen von hinten.

HommageÀLouisFürnbergHorizontal

Für sich genommen sagen diese Darstellungen nichts. Doch auf der Stele stehen die Worte von Fürnbergs Gedicht „Epilog“:

HommageÀLouisFürnbergEpilog

Man liest sie und der Stein erwacht zum Leben. Man sieht in der nackten Gestalt nun den Menschen, der mit dem Staub kämpft, den an seinem Ursprung Fremden, und sein nach oben gestreckter Arm bekommt die Bewegung des Maulwurfs, der die Erde über sich aufbrechen will. Mitten im vom Sozialismus geschaffenen neuen Leben des Wohngebiets das Kunstwerk mit dem Gedicht, das ein einziger Protest gegen den Tod und die Natur ist – so und nur so ist es Louis Fürnberg und Weimar angemessen.

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