Archiv des Autors: Philipp Eichhoff

Über Philipp Eichhoff

Autor dieser Texte. Wien, vorher Frankfurt am Main, Berlin und Zittau.

Doppelte Wallfahrt: Kommunistischer Teil

Die seltene Möglichkeit zu zwei Wallfahrten sehr verschiedener Art bietet sich in Bystřice pod Hostýnem. Nach der ersten, der katholischen, ist die zweite die unkonventionellere: die kommunistische.

Sie beginnt direkt am Bahnhof, wo der gelbe Wanderweg ausgeschildert ist. Dieser Cesta bojovníků za mír (Weg der Kämpfer für den Frieden) ist ein etwa zwanzig Kilometer langer Rundweg durch die Hostýnské vrchy (Hostýner Bergen). Von Bystřice führt er um den Hostýn herum und folgt dann ein längeres Stück weitgehend einer Straße durch die Täler zwischen den bewaldeten Bergen. Nach den touristischen Einrichtungen am Tesák, wo es Restaurants, Kneipen und Übernachtungsmöglichkeiten gibt, die in ihrer unprätentiösen säkularen Art völlig anders sind als die auf dem Hostýn, geht es gänzlich in den Wald.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Auf über 850 Metern erreicht der Weg auf dem Jehelník seine höchste Erhebung, was aber, da er zuvor bereits lange zwischen 600 und 800 Metern Höhe verlief, und es dort keine Aussicht gibt, nicht spürbar ist. Von dort geht es wieder zurück und meist hinab gen Bystřice, auf das sich manchmal weite Ausblicke öffnen.

In erster Linie ist der Cesta bojovníků za mír somit ein Wanderweg. Doch nicht nur nebenbei erzählt er die Geschichte der Partisanen, die hier 1944 und 1945 gegen die Deutschen kämpften. Sie sind die namensgebenden bojovníci za mír, Kämpfer für den Frieden. So wie der Weg auf den Hostýn von vielen Marienbildnissen gesäumt war, hat der kommunistische Pilgerweg verschiedene Stationen, die an das Wirken der Partisanen erinnern. Den Anfang macht auch gleich der Bahnhof mit der Gedenktafel für den dort gefallenen Partisanen Jan Marek. Hier wird einem die 1. československá partyzánska brigáda Jana Žižky (1. Tschechoslowakische Partisanenbrigade „Jan Žižka“)  samt ihrem Symbol, gleichsam ihrem Logo, einem fünfzackigem Stern mit Hammer und Sichel, gekreuzten Maschinenpistolen und Lindenlaub, vorgestellt.

„Dem Andenken des Helden Leutnant der Infanterie Jan Marek, Kommandant der Geheimorganisation [ziviler Unterstützer der Partisanen] in der Gegend von Bystřice, der an diesem Ort am 4. Januar 1945 auf heimtückische Weise von der Gestapo getötet wurde. Ehre seinem Andenken.“

Erst tief in den Bergen, am Straßenrand kurz vor dem Tesák, findet sich die nächste Station, das Denkmal für die Partisanin Olga Bardinová. Es besteht aus einem Sockel aus grauem Stein und einem ebensolchen kleinen Obelisken, vor dem ein großes hölzernes Kreuz hängt.

Die Aufschrift auf dem Sockel in erhabenen weißen Buchstaben lautet: „Zde položila život na oltář vlasti partyzánka Olga Bardinová  2.5.1945 Čest její památce!“ (Hier legte die Partisanin Olga Bardinová ihr Leben auf den Altar des Vaterlands 2.5.1945 Ehre ihrem Andenken!).

Kreuz wie Wortwahl zeigen klar, daß es sich um ein Denkmal aus der frühen Nachkriegszeit, von vor dem Siegreichen Februar 1948, der die Kommunisten an die Macht brachte, handeln muß. Aber ganz so eindeutig bürgerlich war es offenbar nicht immer, da über dem Schwarz-Weiß-Photo der jungen Partisanin noch die Reste eines fünfzackigen Sterns zu erkennen sind.

Mitten im Wald, beim Gipfel Čerňava, ist das Denkmal für den Partisanen Ivan Petrovic Stěpanov. Sogar vom Weg sieht man es nicht. Links ist bloß ein Bereich mit vielen mehr oder weniger großen Felsblöcken. Versteckt darin ist an einem der Steine eine einfache Gedenktafel mit den Worten: „Komisař I. čsl. partyzánské brigády „Jana Žizky“ kpt. Ivan Petrovic Stěpanov zde padl 10.4.1945. Na paměť 25. výročí osvobození ČSSR.“ (Der Kommissar der I. tschechoslowakischen Partisanenbrigade „Jan Žizka“ Kapitän Ivan Petrovic Stěpanov fiel hier am 10.4.1945. Zur Erinnerung an den 25. Jahrestag der Befreiung der ČSSR.) Versteckt in den Felsen, vielleicht im Feuergefecht mit den Deutschen, starb der sowjetische Partisan, der zur Unterstützung des tschechischen Widerstands in die Gegend gesandt worden war.

Wo er und seine Genossen wenigstens zeitweise lebten, zeigt die nächste Station des Wegs. „Partizánský bunkr“ (Partisanenbunker) heißt es noch auf der Karte, beim Abzweig aber schon „zemljanka“. Das zweite Wort, eine spezifisch russische Bezeichnung für einen Unterstand in der Erde, paßt besser zu dem, was man weiter unten am Hang findet: einen kleinen rechteckigen Bau aus Holzblöcken, der mehr als zur Hälfte in den Boden versenkt ist und im sichtbaren Teil eine kleine Einstiegsluke hat.

Von der Wehrhaftigkeit eines Bunkers ist da wenig, eher ist es ein Versteck. Außer einem großen Topf und einem kaum mehr lesbaren Metallschild mit Informationen ist weit und breit nur Wald, nunmehr ohne auch nur angedeutete Wege.

Auf dem Jehelník schließlich befindet sich das Denkmal für Ladislav Jaroš. Obwohl es bereits am Bahnhof auf dem Wegweiser genannt war, ist es nicht der Höhepunkt der Cesta bojovníků za mír, sondern bloß eine weitere seiner Stationen. Seine Gestaltung ist sogar eher unschön, ein Sockel aus zusammengeklebten Steinbrocken und einer schrägen glatten Steinplatte mit der Inschrift: „Vzpomeňte bratra Ladislava Jaroše starosty Sokola Holešov, ředitele reál. gymnasia, turisty, lyžaře a milovníka tohoto kraje  Byl zavražděn Němci 18.6.1942 v Brně  Sokol Holešov“ (Gedenkt Bruder Ladislav Jaroš, Direktor des Realgymnasiums, Wanderer, Skifahrer und Freund dieser Region  Er wurde von den Deutschen am 18.6.1942 in Brno ermordet  Sokol Holešov)

Dafür wird hier an jemanden erinnert, der die Gegend selbst als Wanderer, nicht als Partisan kannte, und es entsteht eine Verbindung zwischen der Enge des Walds und der weiteren Welt, da er in Brno ermordet wurde.

Bald darauf verläßt der Weg den Wald wieder. Der Ort Chvalčov, der sich vom Waldrand bis an den Stadtrand von Bystřice erstreckt, gibt es vor allem viele kleinere religiöse Denkmäler. Gleich das erste von ihnen, ein Kruzifix neben einer winzigen Kapelle aus den dreißiger Jahren, trägt jedoch die Zahl 1945 und die Inschrift: „K té svobodě osvobodil nás Kristus. Stůjte pevně tedy a nepodávejte se opět pode jho služebnost. Z epištoly sv. Pavla ke Gal.“ (Zu dieser Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und begebt euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft. Aus der Epistel des hl. Paulus an die Gal. [Galater 5.1]).

Es ist ein überraschendes und zwiespältiges Denkmal. Der gar nicht würdevoll, sondern einfach tot an seinem Kreuz hängende Jesus ist künstlerisch durchaus gelungen, mehr jedenfalls als alles auf dem Hostýn, aber die Aussage ist recht gewagt, insbesondere angesichts der Tatsache, daß in der nahen Slowakei ein katholischer Priester als Staatschef die Kollaboration mit den Deutschen übernommen hatte.

Im weiteren Verlauf von Chvalčov erinnert ein kleines Denkmal auf der großen Wiese vor der Grundschule wieder an die Partisanen, nun wieder mit dem vom Bahnhof bekannten Logo.

„Zur Erinnerung an die gefallenen Mitglieder der I. tschl. Partisanenbrigade ‚Jan Žižka‘ 1939-1945“

Es folgt noch eine Gedenktafel an einem Haus an der Grenze zu Bystřice.

Es sieht nicht anders aus als all die anderen dörflich-vorstädtischen Häuser, aber „Na těchto místech položili svůj život za nás a naši svobodu rotný Jan Bučák  vojín R.A. Peter Ivanovič  partyzán Josef Borák  5.5.1945“ (An diesem Ort gaben ihr Leben für uns und unsere Freiheit Korporal Jan Bučák  Soldat der Roten Armee Peter Ivanovič  Partisan Josef Borák  5.5.1945).

Die Erinnerung an diese Opfer von Kämpfen in den letzten Tagen des Kriegs ist zugleich die letzte Station des Wegs.

Ob die Wallfahrt auf dem Cesta bojovníků za mír lohnt, ist  nicht einfach zu beantworten. Man erlebt auf ihr die ganze Breite des Widerstands gegen die Deutschen. Obwohl die kommunistisch geführten und von der Sowjetunion mit Ausrüstung und Personal unterstützten Partisanen im Vordergrund stehen, kommt auch das bürgerliche Sokol-Mitglied nicht zu kurz. Und neben der Partisanin, für die oder deren Angehörige roter Stern und Kreuz keinen Widerspruch darstellten, findet man sogar einen Versuch des Katholizismus, sich zur Befreiung vom Faschismus zu positionieren. Der Höhepunkt der Wallfahrt ist jedoch auch ihr Ausgangs- und Endpunkt: der Bahnhof, der als funktionale Kapelle für den Partisanen Jan Marek verstanden werden kann. An ihn zu glauben, ist nicht schwer, da es ihn wirklich gab, und auch sonst bleibt die Schönheit der Architektur. Eine kommunistische Wallfahrt kann man also ebensogut mit dem Zug unternehmen.

Advertisements

Liebenserklärungen an Bänke(n)

Manchmal findet man auf Bänken kleine Plaketten mit Widmungen. Meist sind es Liebeserklärungen älterer Menschen an ihre Partner. Mögen die gewählten Wort auch trivial bis kitschig sein, so ist die Verbindung von etwas offenkundig Nützlichem wie einer Bank mit einer romantischen Geste doch hübsch. Wenn dann, wie an einer Bank im Gdańsker Park Oliwski (Oliwaer Park), der Text doch einmal interessanter ist oder die Bank am Lieblingsort einer genannten Person steht, kommt zum Ausblick, den man sitzend hat, noch ein kleiner Einblick in ein fremdes Leben.

„Dem Schmetterling, zur Erinnerung an gemeinsame Reisen und das Überschreiten vieler Grenzen. Danke!“

Und wenn, wie in den Dünen bei Schoorl im Norden Hollands, auf einer Bank nicht nur eine Plakette ist, sondern durch ein kreisrundes Loch an ihrem Rande noch ein Baum wächst, entsteht vielleicht so etwas wie Kunst und sicher ein schöner neuer Ort als Erinnerung an „Pim Zwart (1946-2015)“.

Eine andere Art von Plakette findet sich an einer Bank in einer stillen Allee am Rande von Oliwa, wo es schon beinahe in die Hügel übergangen ist.

Sie informiert neben dem Stadtwappen und dem Schriftzug des Straßen- und Grünflächenamts darüber, daß die Bank 2017 für 947,10 Złoty (223,31 Euro nach dem Kurs vom 1.8.2017) gekauft wurde.

Das ist etwas prosaischer als die romantischen Bankplaketten, aber in ein paar tausend Jahren wird es für unsere Nachfahren vielleicht so interessant sein wie für uns Keilschrifttexte über Kaufverträge, interessanter vielleicht noch als die Liebeserklärungen. In Anbetracht dessen hätte die Stadt die Plakette prominent vorne statt verschämt hinten anbringen sollen.

Doppelte Wallfahrt: Katholischer Teil

Die seltene Möglichkeit zu zwei Wallfahrten sehr verschiedener Art bietet sich in Bystřice pod Hostýnem. Die erste ist die konventionellere, katholische.

Wenn man sich der Stadt nähert, sieht man auf einem der niedrigen Berge einen riesigen Kuppelbau mit zwei Türmen. Der erste Gedanke ist selbstverständlich, daß es sich um eine Wallfahrtskirche handeln muß und, obwohl das Grau dieses Gebäudes und ein nahes Windrad kurz an ein unkonventionell plaziertes Kraftwerk denken lassen, ist der erste Gedanke richtig: es ist die Kirche Nanebevzetí Panny Marie (Mariä Himmelfahrt) und der Berg ist der Hostýn, an (wörtlich: unter) dem Bystřice liegt.

Am Bahnhof sind die Gedanken an Kirchen und katholische Wallfahrten erst einmal fern. Auch im Stadtzentrum ändert sich das kaum; der Hostýn oder seine Kirche sind von hier nicht zu sehen. Bloß auf dem Sockel der Johannes von Nepomuk-Statue neben der Stadtkirche ist ein eigenartiges Relief: es zeigt eine Maria mit einem Jesuskind im Arm, das mit der ausgestreckten Hand Blitze auf die Umgebung herunterschießt.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Das, wird man später herausfinden, ist die Maria, die auf dem Hostýn verehrt wird.

Hinauf auf den Berg führen der blaue und der rote Wanderweg. Man passiert noch einige Darstellungen der nämlichen Maria, die allesamt neuer und kitschiger sind. Nach den letzten Häusern folgt Wald, die Wege werden steiler und beschwerlicher als man das beim nur 734 Meter hohen Hostýn erwarten würde, aber so muß das vielleicht sein. Denn was ist eine Wallfahrt, wenn nicht ein anstrengender Weg zu einem Ort, der einen in seinem Glauben bestärkt? Zuerst erreicht man die kleine barocke Vodní kaple (Wasserkapelle), dann, endlich, hat man am Ende einer langen Treppe die große Kirche vor sich.

Man befindet sich nun in einer Parallelwelt des tschechischen Katholizismus.

Bemerkenswert ist, wie wenig hier bemerkenswert ist. Die Kirche ist selbstverständlich barocken Ursprungs, hat ihre heutigen Formen, vor allem das große Marienmosaik über dem Eingang, jedoch aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert.

Weniger Jugendstil als leblosester Historismus prägen alles, wobei die Skulpturen sogar noch ein wenig schlechter als das Mosaik sind. Als der tschechische Katholizismus das gestaltete, war er offensichtlich schon im Abstieg. Er konnte keine wirklich großen Künstler mehr für sich gewinnen und wenn er es gekonnt hätte, hätte er sie nicht gewollt.

Um die Wiesen links der Kirche im Schatten des Windrads gibt es gleich zwei Kreuzwege.

Während der eine neobarock ist, hat der zweite in einem eigentümlichen Stil, der durch die Verwendung von bunt bemaltem Holz an die Kunst nordamerikanischer Ureinwohner erinnert.

In einem letzten Aufbäumen des Katholizismus wurde die große Treppe zur Kirche in den frühen Fünfzigern von Studenten des Olomoucer Priesterseminars neu errichtet. Man kann sich vorstellen, wie sie im Aufbaufieber der Zeit zeigen wollten, daß auch sie, nicht nur die Kommunisten, anpacken können. Aber das sie das zeigen wollten, zeigte nur, daß sie verloren hatten.

Heute ist der Katholizismus in Tschechien eine eher marginale Subkultur. Die geringe Bedeutung von organisierter Religion in dem Land verleitet manche dazu, es atheistisch zu nennen, doch das ist leider keineswegs wahr. An die Stelle des Christentums traten bloß allerlei esoterische Gruppierungen, die das Bedürfnis nach Aberglauben auf unkonventionellere Art stillen. Es bleibt abzuwarten, ob die Kirchenrestitution, in der die tschechische Regierung der katholischen Kirche eine Unmenge zuvor verstaatlichter Immobilien schenkte, zu einem Wiedererstarken des Katholizismus führen wird. Das große Poutní dům (Pilgerheim) vermag er immerhin noch zu füllen und auch in den vielen beidseits der Treppe angeordneten Ladenbuden mag manchmal mehr als nur die obligatorische Kneipe geöffnet sein.

In Ermangelung irgendwelcher künstlerisch oder architektonisch wertvollen Element lohnt eine Wallfahrt auf den Hostýn letztlich nur, wenn man an eine Maria mit blitzewerfendem Jesus glauben kann oder eine billige Übernachtungsmöglichkeit sucht. Aber Bystřice bietet eben noch die Möglichkeit zu einer zweiten Wallfahrt: einer kommunistischen.

„Nauwelijks te lessen de dorst naar nieuwe oevers“

Im südniederländischen Eindhoven steht auf dem Boden vor der Einfahrt zum Wasserwerk in der Anton Coolenlaan (Anton-Coolen-Straße): „Nauwelijks te lessen de dorst naar nieuwe oevers“ (Kaum zu löschen der Durst nach neuen Ufern“).

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Das sind die richtigen Worte an der richtigen Stelle und darin, diese Worte an diese Stelle zu bringen, liegt die Kunst. Daß das 1987 geschaffene Kunstprojekt „Vijf situaties in Eindhoven“ (Fünf Situationen in Eindhoven) der Künstlerin Marjan Barnier noch andere Teile und vielleicht tiefere Bedeutungen hat, kann man dabei getrost ignorieren.

Der konkrete Nutzen der technischen Einrichtung wird durch die Worte mit einer abstrakten Sehnsucht verbunden, das durstlöschende Wasser mit dem kaum löschbaren Durst nach dem Neuen. Das Wasserwerk selbst ist ein Ausdruck dieses Dursts. Seinem sichtbarsten Gebäude auf dem großen Gelände, einer langgestreckten Halle mit Seiten aus dunklem Backstein, verglaster Front, überstehendem Dach, zwei vertikalen blauen Rohrenpaaren davor, sähe man es vielleicht nicht an, seinem 1970 errichteten Turm aber sofort.

Ganz in Weiß erhebt er sich hinter den Bäumen weiter rechts. Drei hohe Rohre, in denen oben auf jeweils verschiedenen Höhen drei große Kugeln so sitzen, daß jeweils ein mehr oder weniger langes Stück Rohr übersteht.

Sie stehen im Dreieck zueinander und zwischen ihnen ist ein dreieckiges dünnes Stahlgerüst. In ihm führen Leitern nach oben zu Plattformen, von denen die Kugeln jeweils auf ihrer halben Höhe, bei ihrer Äquatorlinie sozusagen, zu erreichen sind. Das Gerüst ist außerdem durch verschiedene gerade und schräge Streben mit den dreieckigen Stützkonstruktionen um jedes der Rohre verbunden.

All das ist zweifelsohne völlig funktional und eben dadurch von großer Schönheit. Die runden und dreieckigen Formen, die massiven Kugeln im filigranen Gerüst verbinden sich zu einem unverkennbaren Gebäude, Eindhovens Wasserturm. Man könnte seine Wirkung in der Stadt skulptural nennen, aber das wäre kein Lob, denn jede abstrakte Skulptur müßte sich angesichts dieser funktionalen Konstruktion, die nur nebenbei schön und doch schöner als alle von ihnen ist, schamvoll verstecken. Dieser Wasserturm löscht so nicht nur den konkreten, sondern auch ein wenig des abstrakten Dursts. Im Süden der Niederlande, weit vom Meer, können die neuen Ufer in der Höhe liegen.

Freiestadtarchitektur

Eine eigene Architektur bildete die Freie Stadt Danzig/Wolne Miasto Gdańsk der Zwischenkriegszeit nie heraus. Das liegt weniger an den bloß zwanzig Jahren ihres Bestehens (1919-1939), als daran, daß beinahe alle politischen Kräfte gegen ihre Unabhängigkeit waren (erst nach der Machtübernahme der Nazis im angrenzenden Deutschland erkannten die örtlichen Kommunisten und Sozialdemokraten deren Wert, was aber die Wahlsiege der örtlichen Nazis auch nicht mehr verhinderte). Während es politisch einen starken polnischen Einfluß gab, ist er in der Architektur nicht zu erkennen, obwohl zeitgleich im nahen polnischen Gdynia eine ganze kapitalistische Stadt in modernistischen Formen entstand.

So gleicht die architektonische Entwicklung der Freien Stadt in den zwanziger Jahren ganz der in bürgerlich regierten Städten in Deutschland. Eher als repräsentative Gebäude, von denen ja die Kaiserzeit mehr als genug geschaffen hatte, entstanden Wohnsiedlungen. Die größte von diesen befindet sich in Wrzeszcz, dem damaligen Langfuhr. Auf ehemaligen Kasernengelände ist dort viel dreigeschossige Blockrandbebauung, bloß mit offenen Gärten statt mit Hinterhöfen und manchmal offenen Ecken, ausgerichtet vor allem an der geraden Aleja Legionów (Allee der Legionen), damals Heeresanger, und der sie geschwungen kreuzenden Tadeusza Kościuszki (Tadeusz-Kościuszko-Straße), damals Ringstraße. Den Mittelpunkt bildet ein keilförmiger Platz, der noch an kaiserzeitliche Bebauung anschließt. Städtebaulich ist daran nichts erwähnenswert und an den Bauformen letztlich auch nicht.

Bloß eine Veränderung, ein Fortschritt ist an der Kreuzung der beiden Straßen gut zu beobachten.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

An der einen Ecke sind die älteren Teile von Mitte der Zwanziger, einfache dreigeschossige Gebäudezeilen mit Satteldächern und Treppengiebeln. An der anderen Ecke und entlang eines großen Teils der Ringstraße verlaufen einfache dreigeschossige Gebäudezeilen mit Walmdächern, die aber nicht bis zur Trauflinie reichen, sondern hinter höhergeführten Wänden gleichsam versteckt sind, so daß man sie aus vielen Positionen nicht sieht.

Während erstere Gebäude verputzte Fassaden haben, sind die der zweiteren aus blankem roten Backstein. Wie sehr diese Gebäude von Ende der Zwanziger schon eine inzwischen modisch gewordene Sachlichkeit anstreben, sieht man etwa an den Brückentrakten über den Durchgängen in die rückwärtig angrenzenden Straßen. Diese haben Flachdächer, die Fenster sind durch schmale graue Betonelemente zu Bändern zusammengefaßt und die Horizontalität des Bodens und des Dachs wird noch durch weitere grauen Linien betont.

Noch deutlicher ist es bei den Eckbauten beidseits des Heeresangers. Sie sind vier Geschosse hoch, doch nicht die Höhe ist betont, sondern die horizontalen Elemente und die optische Auflösung der Ecke. Wieder laufen graue Linien zu den Eckfenstern hin, die nur durch ein schmales Betonelement ganz in der Ecke separiert, aber zugleich auch zusammengefaßt sind.

Diese Gebäude wollen transparent, modern, bauhausstilig sein, schaffen es aber noch nicht ganz.

Auf der einen Seite hat man also die Giebel, die einen Bezug auf das alte Danzig behaupten, aber überall anders auch hätten gebaut werden können und gebaut wurden, auf der anderen das Bestreben um von historischen Vorbildern freie Sachlichkeit. Diesen Fortschritt, das Abkommen vom Giebel, betont Martin Kießling im Jahre 1929 in seinem Text „Neue Baugedanken im alten Danzig“ voller Stolz. Er, als Stadtbaurat und teils auch als Architekt verantworlich, hatte dazu sicher alles Recht und sein Text ist zudem ein faszinierender Einblick in die Gedankenwelt eines weder jungen noch radikalen, aber dem Neuen aufgeschlossenen preußischen Architekturfunktionärs.

Interessanterweise nehmen die sachlichen Gebäude jedoch auf eine subtile Art durchaus Bezug auf alte Gdańsker Architektur. Noch mehr als durch den Backstein geschieht das durch die Dächer. Solchermaßen versenkte Walmdächer hat auch das Rathaus der Stare Miasto (Altstadt),

während es beim Dwór Bratctwa św. Jerzego (Hof der Sankt-Georg-Bruderschaft) ein Zeltdach ist.

Bei allen Unterschieden sind beide Beispiele einer noch das Beste der Gotik nutzenden Renaissance mit starker lokaler Prägung. Und beide verstecken ihre Dächer geradezu. Statt mit Vordergründigem wie Giebeln beziehen sich die Gebäude in der Kościuszki also mit einem weit spezifischer mit Gdańsk verbundenen Element auf das Alte.

Möglich, daß dies ein Ansatzpunkt für eine genuin freiestädtische Architektur gewesen wäre. Aber eine solche entwickelte sich wie gesagt nie und wäre auch nicht mehr als eine Kuriosität geblieben, denn die Zeit brauchte keine neuen Lokalstile, sondern fortschrittliche Architektur. Etwas, das über die Freie Stadt hinausgehen und auch mit Gdynia hätte konkurrieren könnnen, ist das weiße Gebäudeensemble am Beginn der nahen Aleja Hallera (Haller-Allee), damals Ostseeallee.

Ein großer Platz in Nyköping

Nyköpings Stora Torget (Großer Platz) ist erstaunlicherweise genau das: ein wahrhaft großer Platz. Er ist groß, größer vielleicht, als man es in diesem Städtchen im Südosten Schwedens erwarten würde, und wird fast ausschließlich von großen Gebäuden gebildet. Ursprünglich war er vielleicht nicht mehr als eine rechteckige Verbreiterung der langen und geraden Storgatan (Großen Straße), die an seiner einen Schmalseite als Västra Storgatan (Westliche große Straße) auf ihn stößt und ihn auf der anderen als Östra Storgatan (Östliche große Straße) wieder verläßt, aber heute ist er groß.

Der Bau der Länsresidenset (Sitz der Provinzverwaltung) von 1806 nimmt die gesamte Nordwestseite des Platzes ein, ohne dabei dominant zu wirken. Das gelingt ihm dadurch, daß er bei zwei Geschossen an den Seiten, drei in der Mitte und niedrigen Walmdächern fast zeitlos schlicht mit nur einigen klassizierenden Elementen ist.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Nur an der Südwestseite stehen um die Einmündung der Västra Storgatan vermischte historistische Mietshäuser, wie es sie überall in Schweden und anderswo gibt.

Zwischen ihnen und der Länsresidenset blickt man entlang einer kleinen Straße auf den Västra Klockstapeln (Westlichen Glockenturm). Dieser einfache Turm aus vertikalen roten Holzbrettern mit in mehreren Stufen ansteigender barocker Haube steht auf einem ortstypischen Felsenhügel, dem wenig hohen höchsten Punkt der Stadt.

Wiewohl nicht unmittelbar Teil des Platzes, wirkt er deutlich in ihn hinein.

An der Südostseite steht das Rathaus von 1723, ebenfalls ein ganz schlichter zweigeschossiger Bau mit Walmdach. In anderen Gegenden hätte er barocke Formen, hier aber legen sich über die gelbe Fassade weiße Rundbögen aus imitiertem Stein, in denen auch ein markanter Schlußstein nicht fehlt. In der Mitte, die ansonsten nicht besonders betont ist, sitzt auf dem Dach ein kleines Türmchen. Sein quadratischer gemauerter Teil hat an den Ecken Voluten, die wie angeklebt wirken und das auch nicht zu verbergen suchen, und oben überstehende Rundbögen, die sich vorne um eine Uhr und hinten um ein rundes Fenster legen. Die kupferne Haube ist rund und beginnt mit einem offenen säulenumstandenen Teil.

Angrenzend steht an der Nordostseite an der Ecke zur Östra Storgatan ein stattliches barockes Bürgerhaus mit Mansarddach, das ohne jeden Schmuck auskommt. Jenseits der Östra Storgatan ist die Kirche, doch nicht etwa direkt an ihr, sondern schräg zurückgesetzt, so daß an der Ecke eine dreieckige Grünfläche mit alten Bäumen entsteht. Die exzentrische Lage der Kirche hat ihren Grund sicher darin, daß ihr gotischer Backsteinbau viel älter als alles ringsherum ist und gleichsam noch in eine völlig andere Stadtplanung – oder gar keine – gehört. Was anderswo ein Problem sein könnte, ist in Nyköping ein Glück, da so nicht nur eine Grünfläche gebildet wird, sondern auch eine wertvolle Öffnung des Platzes, die weiter in die Östra Storgatan hineinweist, wo dann bald der Nyköpingså (Nyköpingfluß) folgt.

Der Kirchturm hat eine klassizistische Haube von 1797, die wenig mehr als ein kupferummantelter Klotz mit rundbögigen, von dorischen Säulen gerahmten Öffnungen, Uhren und abschließendem Kreuz ist. Gerade im Vergleich zu den fließenden Formen auf dem roten Turm wirkt das Kupfer hier verschwendet.

Sitzt diese Haube also etwas schwer und schwerfällig über der Kirche und scheint auch den Platz bedrücken zu wollen, so öffnet sie sich ihm unten mit zwei umso leichteren Renaissanceportalen. Sie machen das, was eigentlich nur eine Seite des Kirchenschiffs ist, zur dem Platz zugewandten Hauptseite. Beide künden von der Großzügigkeit bürgerlicher Spender und das erste hat eine reiche Frucht-, ja, Gemüseornamentik, die ebensogut zu einem wichtigeren Gebäude, etwa einem Lagerhaus dieser Bürger, gepaßt hätte.

Das entscheidende Bauwerk auf dem Stora Torget von Nyköping, dasjenige, das ihn recht eigentlich erst erschafft und seine Größe ausmacht, ist das Stadshus (Sitz der Stadtverwaltung) von 1969. Zwischen den Mietshäusern der Storgatan und dem Rathaus vervollständigt es die südöstliche Seite des Platzes.

Ihm wendet es seine repräsentative Fassade zu. Auf einer Treppenanlage ist das Erdgeschoß weit zurückgesetzt, so daß recht lange und flache abgerundete Stützen aus weißem Beton mit schwarzen Metalltafeln, die teils längs, teils quer, einmal auch doppelt gesetzt sind, die oberen Geschosse tragen. Die fensterlose Fläche darüber und überhaupt der Hauptteil des Gebäudes hat eine Verkleidung aus glattem weißen Stein, die durch deutliche vertikale und weniger deutliche horizontale Streifen in Quadratflächen aufgeteilt ist. Über dem aufgestützen Erdgeschoß sind auf dem Stein links ein Emailleschild mit dem Stadtwappen, einem roten Turm auf weißem Grund, und das Wort Stadshus in kupfernen Großbuchstaben, während rechts ein ganz normales Straßenschild hängt.

Oben ist ein Aufbau mit einer hohen Front aus Glas und vertikalen braunen Holzstreben, dessen kupferverkleidetes Dach von hinten erst schräg ansteigt, dann gerade verläuft und leicht übersteht.

Nach links führt das Stadshus schräg hinter das Rathaus, wobei es mehrere Zacken bildet.  Das Erdgeschoß ist hier verglast, das etwas überstehende zweite Geschoß und die Seiten des dritten haben die Steinverkleidung, während im dritten Geschoß zum Platz hin Balkone und wieder Glas mit Holzstreben unter einem kupfernen Dachstreifen sind.

Parallel zum Rathaus und links auch auf dessen Höhe endend verläuft ein wiederum dreigeschossiger Bürotrakt, der jedoch aus weißgetünchtem Backstein und durch Holz zusammengefaßten Fensterbändern besteht. Vor seinem Ende ist ein verglaster Flachbau mit einem Restaurant. Mit entsprechenden schlichten Fassaden zeigt sich das Stadshus auch zu den angrenzenden Straßen.

Zur Architektur kommt die Gestaltung des öffentlichen Raums, da die Fläche im Winkel der beiden Teile des Stadshus‘ zu einem großen Teil von einer geschwungenem Stufenanlage aus Beton eingenommen wird. Gleich dem Segment eines Amphitheaters hat sie an den Seiten Treppen und auf jeder der vier Stufen zwischen Flächen zum Gehen und Sitzen auch Beete, in denen vielerlei teils exotische Blumen, Sträucher und auf der obersten Stufe auch kleine Bäume wachsen.

War die Vorderseite noch streng und repräsentativ, wenn auch nie monumental, ist dieser Stufengarten eine spielerische und fließende Verbindung zwischen Platz und Gebäude.

So legt sich das Stadshus um das alte Rathaus herum und erweitert den Platz, macht ihn größer. Die Öffnung des Platzes, die durch seinen ältesten Bau, die Kirche, zufällig geschah, geschieht mit seinem neuesten Gebäude, dem Stadshus, bewußt und geplant. Es entsteht ein Raum mit deutlich eigenem Charakter, der aber zugleich eng mit dem eigentlichen Platz verbunden ist. Dasselbe gilt für das gesamte Stadshus. Es ist ein selbstbewußtes fortschrittliches Gebäude, das nicht im geringsten versucht, die Formen seiner älteren Nachbarn am Stora Torget aufzunehmen. In dessen Höhenverhältnisse paßt es sich geschickt ein, ohne sich unterzuordnen. Sein vorderer Teil ist fast so hoch wie das Rathaustürmchen und damit nach dem Kirchturm das höchste und neben ihm am stärksten vertikale Element des Platzes. Wo die Haube des Kirchturms mit ihren Portalen einen Raum bloß nachahmt, setzt das Stadshus einen wirklichen Versammlungssaal ganz nach oben, über alles andere auf dem Platz. Es macht den Menschen zum Größten.

Zugleich ist das Stadshus voller Respekt und Liebenswürdigkeit für seine Umgebung. Dank ihm erst steht das Rathaus frei und kann seine eigenartigen Formen zu allen Seiten zeigen. Und was die älteren Gebäude vielleicht allzu protestantisch Starres hatten, wird spätestens durch die Blumenpracht des Stufengartens gemildert.

Es paßt, daß auf der weiten Platzfläche neben einer Baumgruppe und dem Brunnen einige Schlüssel aus Beton mit Löchern in Form des Turms vom Stadtwappen stehen, denn der Beton, die fortschrittliche Architektur, war tatsächlich der Schlüssel zum Platz.

Auch ohne das Stadshus wäre Nyköpings Stora Torget ein glücklich gelungener kleiner Platz, doch mit ihm wird er zum großen Platz.

Erkundungen auf Friedhöfen: Józef Dlouhy

Ein kurzweiliges, wenn auch etwas deprimierendes Spiel auf polnischen Friedhöfen ist es, die Gräber ohne religiösen Bezug zu suchen. Fündig wird man, zumindest auf größeren Friedhöfen, sicherlich, aber nicht oft. Vielleicht sind die betreffenden Gräber und die in ihnen Begrabenen dafür umso interessanter.

Das Grab des Józef Dlouhy auf dem großen Friedhof Witomino in Gdynia etwa fällt schon auf, bevor man merkt, daß es von Kreuzen oder religiösen Formeln frei ist. Hinter einem großen Grab am Hauptweg, das von den drei leichten Stufen in der Grabplatte bis zu den vier Grabsteinen, die abwechselnd konkav und konvex gewölbt eine Welle bilden, perfekt ist, ragt eine eigentümliche rote Betonkonstruktion hervor.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Von links nach rechts geschwungen aufsteigend, mit großer ovaler Öffnung und voller abgerundeter Formen ist sie recht eindeutig kein Kreuz, kein Engel, keine Maria, kein Jesus.

Vor der großen grauen Grabplatte ist zudem ebenfalls aus rotem Beton ein von einer schmalen Basis anwachsendes ovales Hochbeet.

Solcherlei von fließenden roten Betongebilden gerahmt, steht Józef Dlouhys Grab in Witomino so fremd wie es wohl auf jedem anderen Friedhof der Welt stände. Den Namen kann man dabei gar nicht so gut lesen. Im niedrigen linken Teil der Grabskulptur, wo auch eine Vase in den Beton integriert ist, sind die Buchstaben erhaben herausgearbeitet und mit goldener Farbe bemalt:

„Oficer PMH/Józef Dlouhy/28.XI.1905 – 27.III.1972“ und kleiner „oraz syn Andrzej“ (sowie Sohn Andrzej), was für diesen nicht so nett ist. Erst jetzt, ob der Berufsbezeichnung Oficer PMH (Offizier der polnischen Handelsmarine) fängt man an, in der Betonform einen Bug, eine Schiffsschraube, eine Welle erkennen zu wollen. Gräber von Seeleuten, Admirälen, Kapitänen, tragisch in Bangkok Verunglückten, gibt es auf diesem größten Friedhof der Hafenstadt Gdynia viele, doch kein anderes schafft es, schon ohne diesen Bezug so interessant zu sein und es durch ihn noch mehr zu werden.

Dazu der tschechische Nachname (dlouhý heißt lang, polnisch wäre es długi) zum polnisch geschriebenen Vornamen, der eine faszinierende Lebensgeschichte ahnen läßt und vielleicht auch das Desinteresse an Religion erklärt. Viele weitere Informationen über Józef Dlouhy findet man im Internet nicht. Laut einem Adreßbuch war er 1937 in Gdynia gemeldet, von Beruf Seemann und wohnhaft auf dem Schiff „Robur IV“ der Polskarob (Polsko-Skandynawskie Towarzystwo Transportowe – Polnisch-Skandinavischen Transportgesellschaft). Laut dem Archiv der Akten des Staatssicherheitsdiensts der Volksrepublik Polen arbeitete er von 1945 bis zu seinem Tode mit diesem zusammen. Ein vorbildliches Leben also offenbar, von dem man gerne mehr wüßte. Und ein wenig wird die Skulptur auch zur roten Fahne.

Seine Witwe Emilia hat auf einer kleinen Platte schon die konventionellen religiösen Formeln und angesichts der Jahre zwischen 1972 und 1995 kann man es ihr vielleicht nicht verdenken.