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Nové Zámky und sein Wald

Das Schloß Nové Zámky ist ein riesiger klassizistischer Bau, wie man ihn in Tschechien gar nicht erwartet. Dreieinhalb hohe Geschosse, flache Walmdächer, der mittige Eingangsbereich zur Straße hin zurückgesetzt,

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der Mittelteil zum Park hin vorgesetzt und mit riesiger Tempelfassade aus Pilastern und Dreiecksgiebel.

Ein maßstabloses und unschönes Gebäude, das auch nicht besser wäre, wenn sich darin keine psychiatrische Anstalt befände, nie Schreie hinausdrängen und der Park zugänglich wäre. Doch wichtiger als das Schloß selbst ist seine Lage inmitten eines großen Waldgebiets an der Morava. Es hat wohl Nebengebäude, aber die nächsten Orte sind mehrere Kilometer entfernt.

Schloß und Wald nun gehörten der Adelsfamilie Liechtenstein. Was das heißt, wenn ein Wald in Privatbesitz ist, können wir uns kaum mehr vorstellen, aber bis 1918 war das normal. Niemand durfte unerlaubt hinein. Wer dort Beeren pflückte oder Pilze sammelte, geschweige denn einen Hasen fing, beging eine Straftat. Der Wald diente ganz dem Privatvergnügen der Liechtensteins. Zu ihrem Vergnügen auch legten sie einige Wiesen an, die offene Blicke erlauben, und setzten einige Attraktionen hinein.

An einer Stelle steht am anderen Ufer der Morava ein hoher steinerner Obelisk, den man heute aber nur noch von Nahem sieht.

An einer anderen Stelle steht auf einem Fels über einer Flußbiegung ein kleiner runder Tempel mit ionischen Pilastern und Kuppeldach.

Seine Wand hat nur von der flußabgewandten Seite einen Eingang und zum Fluß hin drei Fenster, von denen zumindest das rechte noch einen überraschenden Ausblick aufs Wasser bietet.

Die Ausnutzung der Landschaft zur Schaffung malerischer architektonischer Effekte gelingt dem Klassizismus gut.

Aber der Wald von Nové Zámky ist wohlgemerkt kein Landschaftspark. Die Wege sind zu weit, sie spazierend zu erkunden, die Attraktionen zu weit voneinander entfernt. Der Wald sollte vielmehr zu Pferde oder in der Kutsche erlebt werden und davon zeugt sein Wegenetz noch heute. Unabdingbar für das Schloß ist daher das riesige Stallgebäude, das jenseits der Straße steht.

Es ist ebenso lang ist wie das Schloß, um nach hinten eine annähernde Hufeisen-, mit neueren Anbauten sogar Rechteckform zu bekommen.

Zu einem hohen Stallgeschoß und Walmdächern hat es in der Mitte ein Tor, das mit je zwei seitlichen Säulen, Dreiecksgiebeln und Uhr fast noch repräsentativer als der Eingang des Schlosses selbst ist.

Nach langer militärischer Nutzung ist darin heute ein Reiterhof mit Pension, so daß es teils noch immer Ställe und teils Zimmer enthält. Wer reitet, dem sei sie empfohlen, allen anderen sei empfohlen, reiten zu lernen, denn einfacher und günstiger als hier wird man nie nachempfinden können, was adliges Leben einst hieß. Das Erschreckende, mehr als die Architektur und die Geisteskranken des Schlosses Nové Zámky, ist, daß es dieses adlige Leben in privaten Wäldern mancherorts noch immer gibt.