Archiv der Kategorie: Fortschrittliche Architektur

Tschechoslowakische Bahnhöfe: Bystřice pod Hostýnem

Dieser Text könnte auch heißen: „Der Bahnhof des Partisanen“. Einen solchen Bahnhof nämlich findet man Bystřice pod Hostýnem im östlichen Mähren.

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Zu den Gleisen hin hat die Bahnhofanlage ein langes blaues Vordach, das auf mittigen runden Stützen ruht und von diesen kurz nach außen und länger nach innen zu den Gebäuden ansteigt. Es wirkt, wiewohl aus Stahl und Blech, eher leicht, schwerelos, vielleicht auch, weil die Stützen sehr dünn und mit ihrer braunen Farbe um Unsichtbarkeit bemüht sind. Links steht dahinter zuerst ein kleiner Flachbau mit technischen Räumen. Nach einer kurzen Lücke beginnt der eigentliche zweigeschossige Bahnhofsbau, der teils grauen Putz und teils rotbraune Kacheln hat, vor dem Flachdach aber wieder einen blauen Streifen. Auch er zieht sich langgestreckt parallel der Gleise hin. Der Großteil der Länge wird von verschiedenen Betriebsräumen für Güter- und Personenverkehr eingenommen.

Erst ganz rechts öffnet sich das Gebäude mit großen Glasflächen und -türen, die in die Halle führen, ganz dem Reisenden. Aber das Vordach endet noch nicht mit dem Gebäude, sondern setzt sich, nun an der gleisabgewandten Seite zusätzlich von drei dünnen runden Stützen getragen, noch etwas fort und verwandelt sich am Bahnsteigende sogar. Es wird zu einem dickeren Betondach mit blauem Rand, das den Reisenden alternativ oder ergänzend zur Halle hinausgeleitet.

Der sich rampenartig absenkende Bahnsteig verläuft ein Stück zwischen eckigen Stahlstützen und Glasflächen. Während links der offene Ausgang folgt, verläuft das Glas rechs weiter und noch um die Ecke der abschließenden Wand, die danach aus Beton besteht.

Die Bahnhofshalle ist dann quer zu den Gleisen, fast von ihnen wegstrebend, angeordnet.

Auf ihrer linken Seite ist im unteren Teil schwarz-grau-weiß gemaserte glatte Steinverkleidung, was man aber kaum merkt, da ein so großer Teil von den Fenstern der Schalter und den Eingänge des Restaurants und der Toiletten eingenommen wird. Rechts sind unten erst die Eingänge, dann wird die Wand auf ihrer gesamtem Höhe in eine durchgehende Glasfläche aufgelöst. Der obere Teil der Halle hat ansonsten weiße Wandflächen, auf denen nur an der Gleisseite eine ziffernlose goldene Uhr hängt.

Beim Beginn der Glaswand dienen sieben dünne Stangen, die vom Boden bis zur Decke reichen, als Raumteiler. Unten sind die durch den hellbraunen Holzkasten einer Heizung zusammengefaßt, darüber sind an ihnen je zwei vertikale drehbare Metallwalzen für Fahrplainformationen aufgehängt, bevor nach quadratischen Holzelementen nur noch das bloße Metall aufragt. So wird die Halle subtil in einen kleineren Durchgangsbereich zwischen den Ausgängen und einen größeren Aufenthaltsbereich mit hölzernen Sitzbänken aufgeteilt.

Zu diesem, aber auch in die übrige Halle, zeigt ein abstraktes Kunstwerk von Jaroslav Blažek, das raumhoch die Mitte der rückwärtigen Wand einnimmt. Auf rechteckigen vertikalen Tonplatten sind allerlei Vertiefungen und eingelassene Steine, aber am Auffälligsten sind die vertikale Rille in der Mitte, die an einen Schnitt erinnert, und der blau glasierte Fleck unten rechts (einige Bilder aus der Entstehungszeit findet man auf der Seite des Künstlers).

Von der Stadt her kommt man direkt auf die Bahnhofshalle zu. Rechts ist teilweise verdeckt von einem Baum die Glasfläche, links ist über den Eingängen ein blaues Vordach und noch darüber ein Wabenmuster im Beton der Wand. Nicht in der Mitte über dem Eingang, sondern deutlich am rechten Rand sind auf dem Vorach eine aufgestütze quadratische Uhr und auf dem Dach ein geflügeltes Rad als blau-weißes Leuchtsymbol.

Links ergänzt der Abschluß des Bahnsteigsdachs die Halle. Zwischen den Eingängen und dem dickeren Dach stehen vor den drei runden Stützen niedrige Nadelsträuche, wodurch diese fast die Anmutung von Säulen bekommen und ein kurzer antiker, tempelartiger Eindruck entstehen kann. Wie ein L legt sich die Bahnhofsanlage so um einen Wendekreis für Busse.

Der Bahnhof wird zu einer Art Schleuße zwischen der Stadt und den Gleisen, das heißt dem Rest der Welt, offen, einladend, funktional und schön.

Eine Gedenktafel am Bahnsteig neben den Eingängen zur Halle erdet dieses neue Gebäude schließlich in der nicht fernen Vergangenheit. Üblicherweise wird an solchen Stellen an Eisenbahner, die in den Besatzungsjahren 1938 bis 1945 umkamen, erinnert, aber hier ist es etwas anders. Unter fünfzackigem Stern mit Hammer und Sichel, gekreuzten Maschinenpistolen und Lindenlaub als Symbol der 1. československá partyzánska brigáda Jana Žižky (1. Tschechoslowakischen Partisanenbrigade „Jan Žižka“) wird auf der glatten schwarzen Steinplatte in weißen Buchstaben vom Tod eines Partisanen erzählt:

„Dem Andenken des Helden Leutnant der Infanterie Jan Marek, Kommandant der Geheimorganisation [ziviler Unterstützer der Partisanen] in der Gegend von Bystřice, der an diesem Ort am 4. Januar 1945 auf heimtückische Weise von der Gestapo getötet wurde. Ehre seinem Andenken.“

„An diesem Ort“, ja, aber nichts an diesem Ort sieht mehr aus wie im Januar 1945. Leutnant Marek würde nichts wiedererkennen, wenn ein gütiger kommunistischer Gott ihn wieder zum Leben erweckte. Und genau so muß das sein, so würde er das gewollt haben. „Er kämpfte für uns, damit wir leben können…“, steht oben auf der Tafel. Der ganze Bahnhof ist ein Beweis dieses Lebens und das schönste Denkmal, das einem Partisanen errichtet werden könnte.

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Ein Kleinod in Bergen

An der südlichen Seite des Hafens von Bergen steht ein Kleinod:

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Auf einem großen quadratischen Grundriß mit abgerundeten Ecken hat es zwei Geschosse, das untere mit einigen großen Toren und wenigen Fenstern, das obere mit vielen Fenstern zwischen vertikalen Streben. Und zwischen beiden Geschossen verläuft ringsum ein enorm weit freischwebendes Vordach mit ebenso abgerundeten Ecken. Seine dünne Betonkonstruktion verdoppelt die vom Gebäude eingenommene Fläche beinahe, aber sie ist ja nicht eingenommen, sondern nur überdacht.

Alles erklärt sich aus diesem Vordach. Daß es da ist, ergibt sich aus der Funktion des auf einem rechteckig in den Hafen ragenden Pier gelegenen Gebäudes, in dem Werkstätten für Schiffe waren und teils noch immer sind. Einen möglichst großen geschützten, aber allseitig zugänglichen Bereich zu haben, ist hier gerade angesichts des unberechenbaren, meist regnerischen Bergener Wetters äußerst nützlich. Das ließe sich auch auf viele andere Arten erreichen, wie etwa das flügelartige Betondach des Gebäudes auf dem nächsten Pier zeigt,

aber nicht leicht in solcher Leichtigkeit und Eleganz. Aus seiner Funktion hervorgehend, bestimmt das Vordach auch die gesamte Form des Gebäudes. Es ist die Horizontale, die die beiden Geschosse teilt, und zugleich der Grund für die vertikalen Streben des Obergeschosses, da sie sich auf ihm fortsetzen, um es in seiner spektakulären Schwebe zu halten.

Wie so viele andere ist auch dieses Kleinod eher unauffällig und isoliert. Das Gebäude steht recht verloren zwischen aller möglichen vermischten Bebauung. Erst gegenüber der schmalen Hafenbucht, der Bergen alles verdankt, sind berühmtere Teile der Stadt: das hanseatische Viertel Bryggen und die Festung Bergenhus. Daß sie einmal ganz ähnlich funktional waren, bemerkt heute niemand mehr; sie sind Denkmäler geworden. Dieses Kleinod aber erfüllt bislang einfach nur seine Funktion.

Das neue Hradec Králové

Es beginnt gleich dort, wo das neualte Hradec Králové endet, gleich hinter dem Ulrichovo náměstí (Ulrich-Platz). Schon das diesen prägende lange sachliche ČSD-Gebäude ist nicht mehr völlig Blockrandbebauung.

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Nur in der Mitte sind hinter ihm zwei sechsgeschossige Querflügel, die mit einem weiteren Teil einen Hinterhof umschließen, aber die Seiten sind frei, wenn auch umzäunt. Offen ist der Stadtraum noch nicht, aber auch nicht mehr allein vom zugebauten Blockrand bestimmt.

In den folgenden Straßen scheint die Blockrandbebauung sich fortzusetzen, bloß haben die fünfgeschossigen Gebäude nun fast durchweg sachliche Formen. Statt Schmuck und Pilaster gliedert der Wechsel von offenen und geschlossenen Flächen die Fassaden – typische tschechoslowakische Architektur der Zwischenkriegszeit. Auch, wenn man von den Straßen Nerudova und Na lípkách, die beinahe parallel ins Stadtzentrum führen, auf die Gebäude blickt, sieht man nichts anderes als diese sachliche Blockrandbebauung.

Erst in den Querstraßen öffnen sich die Blocks plötzlich.

Ein Blick ins Blockinnere tut sich auf und man sieht Grün.

Statt Hinterhöfen, von denen nurmehr kleine private Flächen hinter den Gebäuden bleiben, erstreckt sich da eine große öffentliche Parkfläche. Diese vorsichtige, halb versteckte Öffnung ist ein enorm wichtiger Schritt. Hier ist die Blockrandbebauung aufgebrochen. Hier beginnt die neue Stadt. Hier verläßt Hradec Králové auch städtebaulich das 19. Jahrhundert.

Zwei Blocks sind auf diese Art geöffnet und zugleich zu einer neuartigen Achse zusammengefaßt, die an der großen Straße Střelecká, die zum Schnellstraßenring der Stadt gehört, beginnt. Beidseits der Öffnung zum Park stehen Villen, ein Bezug auch zum Villenviertel auf der anderen Straßenseite.

Sie sind beide ähnlich, aber nicht identisch. Nachdem die fünfgeschossige Umbauung der Blocks schon auf vier Geschosse abgefallen ist, beginnen die Villen jeweils mit einem schmalen dreigeschossigen Trakt mit brauner Kachelverkleidung, in dem das Treppenhaus ist. Ihre eigentlichen Baukörper sind dann deutlich zurückgesetzt und zweigeschossig.

Sie sind strukturiert durch horizontale weiße Putzbänder unter dem Dach und zwischen den Geschossen und durch die erst durch schmale braune Kachelflächen verbundenen, dann durchgängig verglasten Fensterbänder. In der Ecke zum Treppenhaus ist vor dem Obergeschoß jeweils ein großer Balkon. Zur Öffnung des Parks steht das Obergeschoß, dessen Ecke die Fensterbänder umlaufen, jeweils leicht über. Auf dem Dach sind Aufbauten mit horizontalen Streben, die auf Dachterrassen hindeuten. Die Eingänge sind am Rande neben dem Treppenhaus, während an den Schmalseiten Garageneinfahrten sind. Rückwärtig sind tiefergelegte Gärten.

Hübsche Villen also, typisch für die Moden ihrer Zeit. Das Außergewöhnliche, vielleicht Einmalige an ihnen ist, daß sie nicht freistehen, sondern Teil einer umfassenden Planung sind.

Durch diesen Eingang tritt man in den Parkstreifen, der sich durch die beiden Blocks zieht.

Am Ende der Achse steht ein schmaler weißer Turm mit zwei durchgehenden vertikalen Lamellenöffnungen, aber der ist vom üppigen Grün zuerst fast verdeckt. Erst, wenn man die erste Querstraße passiert hat und näherkommt, sieht man ihn besser. Eine schmucklose weiße Form, die zu einer Feuerwache oder zu einer Fabrik gehören könnte. Wenn man schon nahe ist, sieht man im Hintergrund rechts von ihm die Türme der Altstadt auf dem Hügel.

Der Kontrast ist groß, aber nur oberflächlich; auch der weiße Turm ist ein Kirchturm. Nach der zweiten Querstraße stehen links und rechts dreigeschossige Backsteinbauten und zwischen ihnen geht es in den Kirchhof.

Vor ihm ist ein wirkliches Tor, wenn auch niedrig und nicht monumental. Im ornamentalen Gitter ist ein goldener Kelch – es ist eine hussitische Kirche. Der Kirchhof ist ein weder großes noch kleines Dreieck.

Spätestens hier merkt man, daß die Straßen Nerudova und Na lípkách nicht parallel, sondern aufeinander zu verlaufen. Nach einem Vorhof, von dem die Gebäude erschlossen sind, legen sich Kolonnaden um eine abgesenkte Wiese, deren einziger Schmuck ein kleines Beet und ein Stein mit Bibelzitat sind, während links und rechts vor den umgebenden Mauern Kolumbarien, transparente Urnenfächer, sind. Hinter der Wiese erhebt sich der Turm. Etwas hinter ihm sind an den Seiten zwei weitere Eingänge. Rückwärtig schließt er mit einem Brückentrakt an die eigentliche Kirche an, deren weißer Baukörper an den Seiten die Spitze des Dreiecks einnimmt.

Aus Autorenkollektiv: Hradec Králové, Praha 1970

Diese Kirchenanlage ist zweifelsohne großartig, ja, auf ihre Art vollkommen. Ohne jegliche historistischen Formen schafft sie doch die Atmosphäre mittelalterlicher Bauten. Von außen wirkt sie durch den roten Stein der Gebäude und die Mauer fast abweisend und die Kirche mit ihren großen runden Fenstern zwischen vertikalen Streben fast gotisierend, doch im Hof ist alles weiß und sachlich und auch die Kirche hat horizontale Fensterbänder.

Der Kirchhof ist zugleich Kreuzgang als auch Begräbnisstätte, zugleich abgeschlossen als auch geöffnet, zugleich als Endpunkt der Parkachse Teil der Stadt als auch außerhalb von ihr. Hier entstand so etwas wie ein antikatholisches Kloster, aber ohne Nonnen oder Mönche, ein demokratisches Kloster, so wie die hussitische Kirche als Religion für die demokratische tschechoslowakische Republik geschaffen worden war. Diese Kirche ist einer der gelungensten neuen Sakralbauten der Tschechoslowakei. Welten trennen sie von dem unentschlossen monumentalen Stil üblicher hussitischer Kirchen. Dennoch wäre es besser, wenn es sie nicht gäbe.

Denn ganz wie Religion in welcher Form auch immer den Fortschritt stört, stört die Kirche auch in ihrer architektonischen Großartigkeit den fortschrittlichen Städtebau. Die Parkachse wäre besser, wenn sie mit einem freien Blick über den weiten Park am Ufer der Labe (Elbe) und die Altstadt darüber endete. Das brächte auch die beiden Gebäude besser zur Geltung, die an dieser Seite als Gegenstücke zu den Villen die Öffnung des Parks flankieren.

An Nerudova und Na lípkách fallen sie auf vier Geschosse ab, um sich dann dreigeschossig zum Park zu wenden. Auf beiden dieser Stufen sind Dachterrassen, stattlich schon auf der höheren, riesig auf der niedrigeren, so daß man von Terrassenhäusern sprechen kann. Wieder sind beide Gebäude nicht identisch, etwa hat das rechte abgerundete Ecken mit Balkonen.

Hier ensteht ein Gebäudetyp, der mehr als die sachlichen Mietshäuser, mehr als die hübschen Villen und sicherlich viel mehr als der großartige Kirchenkomplex zur Parkachse und zu einer neuen Art von Stadt passen. Und Hradec Králové begann diese neue Stadt zu bauen.

Przymorze – Der Falowiec

Der Falowiec in Gdańsk sollte eines der berühmtesten Gebäude in Polen sein. Als achthundert Meter langes Wellenhaus, wie die annähernde Übersetzung lautet, ist er das längste Gebäude des Landes und eines der längsten Europas.

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Er ist so etwas wie das horizontale Gegenstück zum Pałac Kultury (Kulturpalast) in Warschau, der lange das höchste Gebäude Polens war. So wie an den Pałac Kultury denkt, wer an Warschau denkt, sollte an den Falowiec denken, wer an Gdańsk denkt. Da der Falowiec aber nicht im Stadtzentrum, sondern im Wohngebiet Przymorze im Norden steht, ist er nicht so berühmt wie er sein sollte. Während der Pałac Kultury noch heute ein vielleicht ungeliebtes, aber unübersehbares Wahrzeichen Warschaus ist, ist der Falowiec, immerhin oder sogar, das Wahrzeichen eines anderen Gdańsk.

Denn architektonisch könnten die Unterschiede nicht größer sein. Der Pałac Kultury ist bloß ein riesiges Beispiel des stalinistischen Irrwegs in der Architektur des Sozialismus, der Falowiec jedoch ein Beispiel ihrer kühnsten und fortschrittlichsten Leistungen. Entsprechend ist er auch nicht nur einer, sondern viele, nicht nur ein Gebäude, sondern ein Gebäudetyp. Zum längsten Falowiec an der Obrońców Wybrzeża (Straße der Verteidiger der Küste) kommen noch sechs weitere kürzere. Gemeinsam bilden sie das Grundgerüst von Przymorze.

Seinen Namen hat der Falowiec, das heißt ein Gebäude dieses Typs, dadurch, daß er nicht einfach gerade ist, sondern seine elfgeschossigen Teilstücke leicht schräg aneinandergesetzt sind, so daß sich eine Wellenform ergibt. Er zeichnet sich durch zwei sehr verschiedene Breitseiten aus.

Die eine Seite besteht ganz aus offenen Laubengängen, von denen die Wohnungen erschlossen sind. Durch die breiten Betonbrüstungen wirkt diese Seite vlig horizontal, wie aufeinandergeschichtete Bänder, während die vertikalen Streben des tragenden Betongerüsts fasst unsichtbar schmal sind. Einzige Vertikalen sind die vollständig verglasten Treppenhäuser, die unten bei den überdachten Eingängen beginnen und oben mit den Aufbauten der Aufzüge enden.

Die andere Seite besteht ganz aus den vorragenden Balkonen der Wohnungen. Hier sieht man, daß sich das Wellenhafte des Wellenhauses nicht in der Anordnung seiner Baukörper erschöpft. Denn die Balkone ragen als kleinere und größere Dreiecke leicht hervor, kein Geschoß gleicht dem anderen, die Fassade scheint in ständiger Bewegung.

Dies wird noch dadurch unterstützt, daß manche der Balkone Geländer aus Beton haben, andere aber aus Metallgittern. Von der Laubengangseite ist der Falowiec somit sachlich und nüchtern, beinahe kahl, von der Balkonseite aber lebhaft und verspielt, ein Mosaik unzähliger Wohnungen, in denen unzählige Menschen leben. Die äußere Form entspricht der inneren Funktion. Von der Nüchternheit des halböffentlichen Laubengangs tritt man in die Individualität des privaten Wohnraums.

Doch das deutet auch auf ein Problem des Falowiec hin. Zum Laubengang nämlich zeigen die Küchen und teilweise sogar Zimmer, was die Privatsphäre der Wohnungen beeinträchtig. Das ist allerdings ein Problem aller Laubenganggebäude und ein nur schwer zu lösendes. Und entschädigt wird man in jeder Wohnung durch großartige Ausblicke, die oft bis zum Meer auf der einen

und zu den Hügeln auf der anderen Seite reichen.

Der Falowiec ist, wenn er schon nicht berühmt ist, zumindest das angemessen besondere Gebäude für den besonderen Ort, der Przymorze ist. Und wer ihn gesehen hat, wird ihn vielleicht bemerkenswerter als alles andere in Gdańsk finden.

Zwei Arten von Stadt

Es gibt nur zwei Arten von Stadt, grundsätzlich. Zwischen den Straßen Bolesława Krzywoustego und Piastowska in Przymorze im Norden von Gdańsk sind sie nebeneinander zu betrachten.

Die erste Art von Stadt wird hier vertreten von „Oliwa Park“. Der Name ist bezeichnend, weil an ihm nichts stimmt: diese Wohnanlage ist nicht in Oliwa und sie ist ganz bestimmt kein Park.

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Sie besteht aus grau-weißen fünfgeschossigen Gebäuden in irgendwelchen modisch minimalen Formen, die irgendwie um Parkplätze und private Gärten angeordnet sind. Um sie herum ist ein Zaun. Nichts gibt sie der umliegenden Stadt, niemand kann sie durchqueren.

Die zweite Art von Stadt wird hier vertreten von einem namenslosem kleinen Wohngebiet, das schon nicht nur administrativ Teil von Przymorze ist. Es besteht aus längeren fünfgeschossigen Gebäuden und sechsgeschossigen Punkthäusern, zwischen denen öffentliche Grünflächen und Parkplätze sind.

Direkt nach dem Zaun von „Oliwa Park“ führt ein Weg von der Bolesława Krzywoustego zur Piastowska. Von diesem Weg zweigt ein anderer ab und führt durch eine Grünfläche auf einen Durchgang im längsten Gebäude des Wohngebiets zu.

Danach setzt er sich fort als leichter Bogen entlang der Schmalseiten links aufgereihter Gebäude, während die Parkplätze rechts durch Bäume und eine niedrige Steinmauer abgetrennt sind.

Er endet zwischen den Punkthäusern an der Ecke Piastowska/Chłopska, wo eine Ladenzeile ein winziges, aber wertvolles Zentrum bildet.

Der Bezug dieses Wohngebiets zur umliegenden Stadt ist voller Zärtlichkeit. Es nimmt den Fußgänger auf und leitet ihn sanft durch sich hindurch. Für ein Stück seines Wegs behütet es ihn liebevoll, ohne sich ihm je aufzuzwingen. Der Durchgang durch das Gebäude hat dabei etwas geradezu Erotisches. Er ist genau dort, wo er sein muß, und läßt einen ungehindert ins weitere Wohngebiet eindringen.

Das Ladengebäude an seinem anderen Ende verbindet zwei der Punkthäuser und hat einen Durchgang, durch den man von der großen Chłopska kommend genauso selbstverständlich tritt.

So bilden die Durchgänge die beiden Enden oder Anfänge des Wohngebiets und der Weg zwischen ihnen ist klar definiert. Aber er ist zugleich nur einer von vielen möglichen Wegen. Immer kann man auch anders gehen, der Raum zwischen den Gebäuden ist offen.

Auf seine Art ist das Wohngebiet perfekt. Für sich selbst genommen ein harmonisches Ganzes, tut es doch alles, wertvoller Teil eines größeren Ganzen, der Stadt, zu sein und es liegt an dieser, ebenso harmonisch zu werden. In „Oliwa Park“ gibt es von all dem keine Spur. Auch, wenn man seinen Zaun wegrisse, bliebe es noch ein Hindernis, da es ohne jeden Bezug auf die umliegende Stadt gebaut ist.

Die beiden grundsätzlichen Arten von Stadt sind absolute Gegensätze. Die erste ist schlecht, die zweite ist gut. Die erste ist die kapitalistische Stadt, die zweite ist die sozialistische Stadt.

Das neualte Hradec Králové

Die eigentümlichsten Gebäude in Hradec Králové stammen aus einer Zwischenzeit: den frühen zwanziger Jahren. Sie füllen einige Straßenzüge jenseits der Elbe gegenüber der Altstadt. Was genau an ihnen so eigentümlich ist, läßt sich zuerst kaum sagen. Es ist Blockrandbebauung, die Formen sind mit allerlei reduzierten Streben und Pilastern an historischen Mustern orientiert, ohne direkt historistisch zu sein – das sieht man häufig.

Plötzlich aber merkt man, was nicht stimmt: die Bebauung ist zu einheitlich, zu gleichmäßig. Eine ganze Straßenseite, noch eine Querstraße, vielleicht sogar die gegenüberliegende Seite können von Gebäuden mit den gleichen Schmuckformen eingenommen werden. Vielleicht gibt es Variationen, doch die bemerkt man kaum. Diese Einheitlichkeit paßt nicht in die kapitalistische Stadt, wo üblicherweise kein Gebäudes dem daneben gleicht, da jedes entsprechend den Wünschen eines privaten Eigentümers gestaltet wurde.

Die Erklärung dafür, daß es in diesem Teil von Hradec Králové anders ist, liegt eben in der Zwischenzeit, in der er entstand. Die Stadterweiterung von der Altstadt in Richtung der Arbeitervorstadt beim Bahnhof hatte in der österreichischen Zeit nur zaghaft begonnen, wie etwa die Jugendstilbauten in der Straße Havlíčková zeigen. Die sehr junge Tschechoslowakei forcierte sie dann. Die Entstehung dieses neues bürgerlich-demokratischen Staates aus den Resten der alten Monarchie erweckte Hradec Králové, sie war sogar wichtiger als es die nicht lange zurückliegende Schleifung der Festungsmauern. Vielleicht wegen Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen, sicher aber auch durch massive Förderung durch Stadt und Staat, galten dabei für eine Weile die üblichen kapitalistischen Gesetze nicht mehr und es entstanden diese großen einheitlichen Straßenzüge.

Was so in sehr kurzer Zeit entstand, war jedoch keineswegs eine neue Architektur oder Stadtplanung. Die Blockrandbebauung, die Straßenstruktur und der Masarykovo náměstí (Masaryk-Platz) in der Mitte wären auch zehn Jahr zuvor unter österreichischen Bedingungen nicht anders geworden. Bloß hätte der Platz schon zu dessen Lebzeiten nach dem Kaiser gehießen statt nach dem ersten tschechoslowakischen Präsidenten Masaryk – ebenfalls zu dessen Lebzeiten.

Auch die Formen der Gebäude sind nicht eigentlich neu. Die einzige Sorge der Architekten scheint die Anordnung der Ornamente und Skulpturen zu sein. Sie finden dabei auch interessante Lösungen, wie etwa bei dem genannten großen Gebäude an den Straßen Klumparová und Střelecká. Seine Fassade ist von horizontalen und vertikalen dreieckig vorragenden Streben strukturiert und in einigen der dazwischen entstehenden Flächen sind Skulpturen, durchaus aber nicht in allen.

So haben die Skulpturen hier keine herausgehobenen Plätze, sondern müssen sie sich in der Fassadenstruktur gleichsam erst suchen. Ähnlich ist es bei einem anderen Gebäude, wo die angedeuteten Pilaster Vertiefungen sind, in denen Fruchtkörbe und nackte Frauen aus Stein stehen wie auch wirkliche Frauen oder Körbe stehen könnten.

Es ist, als würde hier ein Realismus in der Fassadengestaltung gesucht, den nie jemand vermißt hatte.

Letztlich ist dieser Teil damit eine bruchlose Fortführung des in den österreichischen Ländern so starken Postjugendstils der Vorkriegsjahre. Aber eben nicht von dessen fortschrittlichsten Aspekten. Er ist nicht Otto Wagner oder jedenfalls nicht Otto Wagner von 1910, sondern bestenfalls einer seiner mediokreren Schüler von 1890. Er ist eine verpaßte Gelegenheit, eine verspätete Fortführung des 19. Jahrhunderts in Städtebau wie Gebäudeformen. Doch die Zwischenzeit, in der er entstand, dauerte auch in Hradec Králové nicht lange, es wurde in ihr bloß ungewöhnlich viel gebaut.

Direkt an diese Bebauungt angrenzend, gar nicht weit vom Masarykovo náměstí, entstand ein weiterer Platz. Er bildet ein langgestrecktes Rechteck entlang einer großen Straße, die auf die Altstadt zuführt.

Die Eckbauten beidseits der Straße sind jeweils besonders hervorgehoben. An der näher bei der Altstadt liegenden Seite sind es mächtige sechsgeschossige Gebäude, die mit ihrer schnörkellosen kubischen Form, ihrem weißen Putz und ihren großen quadratischen Fenstern schon ein enormer Kontrast zur vorigen Bebauung sind.

An der anderen Seite sind es Hochhäuser oder wären das gerne.

Nach einem zweigeschossigen Sockel mit heller Steinverkleidung und großen Glasflächen markiert ein umlaufendes Vordach den Übergang zu fünf weißgetünchten Geschossen. Die Ecken des ansonsten kubischen Baukörpers sind dadurch betont, daß im dritten bis fünften Geschoß zur Straße hin ein abgerundeter Erker vorgesetzt ist, auf dem oben eine kleine Terrasse ist.

Diese Eckbauten sind Tore, durch die man die Vergangenheit verlässt und in die kapitalistische tschechoslowakische Gegenwart tritt.

Der Platz ist dann geprägt von nur zwei weiteren Gebäuden. Das erste steht in der Mitte der Seite, wo die Straße verläuft. Eine Verkleidung aus Sandsteinplatten, die Seiten satteldächig an die unscheinbaren Nachbarbauten anschließend, in der breiten Mitte ein vorgesetzter Erdgeschoßteil mit Balkon, der zwar stark verglast ist, aber eher durch den ihn rahmenden glatten Sandstein wirkt, darüber hohe vertikale und ebenfalls von glattem Sandstein gerahmte Fenster, zwei weitere Geschosse, die schon über den Beginn der Satteldächer hinausragen, und eine große horizontale Giebelfläche, in deren Mitte ein großes Sandsteinrelief hängt. Es zeigt allerlei Geschäftigkeit, die die Textilproduktion darstellen soll, unter dem Schutz von Merkur, dem Gott des Kapitalismus.

In dem Gebäude saß die Verwaltung des Textilunternehmens Steinský-Sehnoutka und es ist auch ein recht typisches tschechoslowakisches Bürogebäude seiner Zeit. Sein reduziert monumentaler Stil ist einer, mit dem sich konservative Teile des Kapitals immer gern schmücken.

Das wichtigste Gebäude des Platzes steht an seiner anderen Seite und es nimmt sie vollständig ein. Auf einem Sockel aus einem Erdgeschoß mit Geschäften, Vordächern aus Beton und Glasbausteinen und einem gänzlich verglasten zweiten Geschoß sitzen drei Geschosse mit horizontalen, fast schon als Bändern wirkenden Fenstern.

Es ist ein äußerst sachlicher und schlichter Bau, der in vielem das Gegenteil des Textilpalasts gegenüber ist. Vertikales fehlt hier völlig. Wollte man Ansätze von klassischer Monumentalität, so vielleicht darin, daß es symmetrisch aufgeteilt ist, ein weiter Teil des Obergeschosses leicht vorgesetzt ist, das Dach dort leicht übersteht und über dem in der Mitte liegenden Eingang ein großes Steinrelief ist.

Aber gerade die Eingangssituation zeigt den Kontrast zum gegenüberliegenden Bau. Glasflächen in einem mit glattem schwarzen Stein verkleideten Rahmen, darüber das Relief mit sechs allegorischen Figuren, darunter wieder Merkur, die teils Atlanten für den überstehenden Teil eher zu spielen scheinen, wie eine der beiden Frauen in der Mitte spielerisch mit einem geflügelten Rad über den halben Erdball zwischen ihnen zu fahren scheint. Während man hier noch aufblicken muß, hat man im Foyer direkt vor sich ein großes Glasbild, das in unaufdringlichem Realismus Szenen des Reisens mit der Eisenbahn, aber auch mit dem Schiff und sogar dem Flugzeug zeigt.

Monumental ist dieses Gebäude nur durch seine schlichte Länge und seine dominante Position auf dem Platz. Als eine Art horizontales Hochhaus ist es untrennbar mit der Platzfläche verbunden, beinahe ist es der Platz.

Kein Privatunternehmen, sondern die ČSD (Československé státní dráhy – Tschechoslowakischen Staatsbahnen), also der Staat selbst repräsentierten sich so. Der Platz hieß und heißt wieder Ulrichovo námestí (Ulrich-Platz) nach dem Bürgermeister František Ulrich, der über die Systeme hinweg von 1895 bis 1929 amtierte und entscheidend für die rasante Entwicklung der Stadt in der jungen Republik verantwortlich zeichnete.

Zwischen den beiden Plätzen, dem aus der Zwischenzeit und dem aus der reifen tschechoslowakischen Republik, liegen keine zehn Jahre. Von der Vergangenheit löste sich Hradec Králové was die Gebäudeformen anging also schnell. Noch immer aber blieb es der Blockrandbebauung verhaftet. Es entstand eine bemerkenswerte neualte Stadt. Und nur wenig später begann Hradec Králové gar, wahrhaft neu zu werden.

Wrocławs Kampf gegen die Mietskaserne

Breslau war eine der schlimmsten preußischen Mietskasernenstädte, manchmal heißt es, schlimmer als Berlin selbst. Trotz den enormen Kriegszerstörungen blieben auch Wrocław nach 1945 viele dieser Mietskasernen. Wie die Stadt mit diesem schweren Erbe umging, zeigt beispielhaft der Block zwischen den Straßen Tomaszweska, Przestrenna, Kamienna und Łódzka.

An der Ecke Tomaszewska/Przestrenna scheint die Mietskasernenstadt noch heil. Fünfgeschossige Mietskasernen in irgendwelchen historistischen Formen, irgendwelche Balkone, irgendwelche Giebel, an der Ecke ein Türmchen. Hier noch das preußische 19. Jahrhundert.

An der Ecke Przestrenna/Łódzka treffen Alt und Neu aufeinander, ohne sich zu berühren. Mietskasernen entlang ersterer, ein fortschrittliches Wohngebäude entlang zweiterer Straße. Es ist schmucklos eckig und, obwohl es ebenfalls fünf Geschosse hat, niedriger. Dazwischen ist ein Durchgang.

An der Ecke Łódzka/Kamienna ist die fortschrittliche Bebauung dann geschlossen. Zwei fünfgeschossige Gebäude, das eine höher als das andere, schließen ohne besondere Betonung die Ecke und es gibt einen aufgestützten Durchgang.

An der Ecke Kamienna/Tomaszewska ist es fast genauso wie an der vorigen, doch hier steht eine einzelne Mietskaserne mit etwas Abstand zwischen den fortschrittlichen Gebäuden.

Vier deutlich unterschiedliche Ecken also, von denen man nicht unbedingt denken würde, daß sie zu ein und demselben Straßenblock gehören. Doch sobald man das Blockinnere betritt, sind alle Unterschiede verschwunden.

Es ist unabhängig von der umgrenzenden Bebauung ein einziger zusammenhängender Raum mit Bäumen, Wiesen, Bänken, Spielgeräten, auch Parkplätzen. Und obwohl in letzter Zeit die Parkplätze auf die Wiese ausgegriffen haben, ist es ein angenehmer und wohlgestalteter, ein schöner Raum. Es ist ein Raum, der zu der fortschrittlichen Bebauung gehört: öffentlich zugänglich, als differenzierte Einheit geplant, großzügig.

Was völlig fehlt ist der Raum, der zu den Mietskasernen gehörte: die Hinterhoflandschaft. Egal, ob diese aus Hinterhäusern oder Schuppen bestände, sie zeichnete sich aus durch die Zersplitterung des Raums in private voneinander abgeschottete Parzellen. Dieser Raum des 19. Jahrhunderts ist hier restlos zerstört. Die Mietskasernen sind verwandelt durch den fortschrittlichen Raum, sie sind aufgehoben. Statt auf Hinterhöfe blickt man von ihren Wohnungen in einen Park.

Besonders gut läßt sich die Verwandlung an der einzelnen Mietskaserne an der Ecke Kamienna/Tomaszewska aufzeigen. Sie steht frei, wie sie nie gedacht war. Fenster, die auf dunkle Lichtschächte hätten gehen sollen, öffnen sich zum Grün. Und da die Mietskaserne höher ist als die fortschrittlichen Gebäude daneben, wirkt sie wie ein absichtlich hervorgehobenes Punkthaus.

Der Kampf gegen die Mietskaserne ist in diesem Block gewonnen, ohne daß es nötig gewesen wäre, alle Mietskasernen abzureißen. Diese Art des Umgangs mit dem Mietskasernenerbe ist typisch für Wrocław. Nicht immer ist das Ergebnis so lehrbuchhaft klar wie in diesem Block, aber das Grundprinzip, die alten Gebäude durch neue zu ergänzen und insbesondere einen neuen Raum zu schaffen, ist dasselbe. Es ist wohlgemerkt kein radikales Vorgehen, da die überkommene Straßenstruktur erhalten bleibt. Aber die starre Monotonie der Mietskasernen wird aufgebrochen. Grün mischt sich ins Grau.

Interessant ist, daß es Vergleichbares in Berlin, Hauptstadt der DDR, weit seltener und erst spät gab. Jede Stadt hatte ihre eigenen Taktiken im Kampf gegen die Mietskaserne. Daß der Kampf weiterzuführen sein wird, zeigen Neomietskasernen aus jüngerer Zeit, die einst freie Ecken zubauen und dort Neohinterhöfe entstehen lassen, oder Abzäunungen, die einst zusammenhängenden öffentlichen Raum privatisieren.