Archiv für den Monat Oktober 2017

Merkur über Bergen

Wenn man in Bergen vom Ufer des Lille Lungegårdsvannet, einem achteckigen Weiher, über Festplassen (Festplatz) und Byparken (Stadtpark) auf das engere Stadtzentrum blickt, sieht man aus dem Häusermeer eine einsame weiße Stele aufragen.

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Auf ihr steht, aber das erkennt man eher nicht genau, ein bronzener Merkur.

Auch wenn man vom Hafen die breite Straße Torgallmenningen hinaufkommt, sieht man vor sich die hohe weiße Merkurstele.

Aber man sieht sie nicht mehr einsam, man sieht sie nicht einmal mehr zuerst, denn sie gehört zu einem Kaufhausbau aus den dreißiger Jahren.

Sachlichkeit, Glas und weißer Putz verwendet zu Werbezwecken – das Kaufhaus Sundt ist durchaus typisch für seine Funktion in seiner Zeit. Seine zur Torgallmenningen zeigende längste Seite hat ein verglastes Erdgeschoß, ein dünnes kupferumrandetes Vordach und fünf Geschosse mit weißen Putzbändern und transparenten Fensterbändern. Sie sind vor der noch ein Geschoß höheren und an den Seiten etwas längeren weißen Fassade wie auf einer Leinwand vorgesetzt, damit sie ihren horizontalen Bandcharakter durch unverändert verglaste Ecken noch betonen können.

Am zum Park führenden Nedre Ole Bulls plass rechts ist die Fassade identisch, aber kürzer und ob des leichten Höhenunterschieds nur bis zum fünften Geschoß der anderen Seite reichend. Auch zur Starvhusgaten links ist die Fassade, nun mit vier Bandgeschossen über dem Erdgeschoß, erst einmal identisch. Doch rechts bei der Ecke über dem Eingang wird das Weiß unterbrochen von einer leicht vorgesetzten durchgängig verglasten Fläche, die noch etwas höher als die Geschosse führt. Und ganz in der Ecke wächst aus dem sachlich weißen Baukörper schließlich die schmale rechteckige Stele, wächst immer höher, höher als alles in der Umgebung und oben steht die Bronzeplastik des Merkur.

Die Verbindung des sachlichen Kaufhausbaus mit der bieder realistischen Plastik, die auch dreißig, ach, fünfzig Jahre zuvor hätte entstehen können, ist absolut nicht naheliegend, aber sie funktioniert. Das liegt wohl an der erstaunlich hohen Stele, durch die ein großer Abstand zwischen Gebäude und Plastik geschaffen wird. Fast wirkt es so, als gehöre der Merkur gar nicht mehr zum Kaufhaus Sundt, sondern schwebe, Gott des Kapitalismus, der er ist, über ihm, der ganzen Einkaufsstraße, der ganzen Handelsstadt Bergen.

Wie gesagt war diese Architektur in den dreißiger Jahren für Firmen, die sich modern geben wollten, gerade also für die Kaufhäuser, gang und gäbe. Angemessen, sollte man meine, daß das Kaufhaus Sundt laut einer Plakette den Preis des A.C. Houens fond (A.C.-Houen-Fond) für gute Architektur bekam.

Doch soweit war Norwegen damals offenbar nicht, denn es bekam ihn nicht etwa 1938, als es eröffnet wurde, sondern – 1961 (pünktlich übrigens kurz vor dem Tod seines Architekten). Nicht erst gleichermaßen posthum, sondern kurz nach seiner Erbauung im Jahre 1929 hatte das historistische Telegrafenamtsgebäude am Park denselben Preis erhalten.

Der Vergleich zwischen beiden Gebäuden zeigt zum einen, wie weit die Architektur in Norwegen in weniger als zehn Jahren gekommen war, aber zum anderen, wie weit sie zurück gelegen hatte. In einem reicheren und entwickelteren Land wie der Tschechoslowakei waren Kaufhäuser wie dieses schon weit früher gebaut worden und bis 1938 hatten sie jede Kleinstadt erreicht.

Ihre Bedeutung aber hatte diese Architektur nicht im Vergleich zum internationalen Standard, sondern zu ihrer Umgebung. Ringsum an der Torgallmenningen sind sonst nur Gebäude mit brutalen historistischen Säulen im Erdgeschoß und erdfarbenem Putz. Ihre Einheitlichkeit wurde durch einen großen Stadtbrand im Jahre 1916 ermöglicht, ihre Formen von einer reaktionären neoklassizistischen Doktrin bestimmt, die schon einiges von der Architektur des deutschen Faschismus oder auch, wie zuzugeben ist, der des späten Stalinismus vorwegnahm.

Wie neu, wie radikal wirkte vor diesem Hintergrund das weiße Kaufhaus Sundt. Durch sein Glas schaut man noch heute wie aus einem Raumschiff auf die Umgebung.

Und es war ja neu und radikal, wenigstens für Bergen. Daran konnte auch der Merkur, mit dem es zur Sicherheit bekrönt wurde, nichts ändern.

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Fischerhäuser in Jelitkowo

Jedem sei verziehen, wenn er beim Gdańsker Stadtteil Jelitkowo zuerst an den Strand und den Park denkt. Das ist das heutige Jelitkowo eben. Aber direkt neben dem Park und nur eine Reihe hinter dem Strand verläuft ein stilles Sträßchen, in dem man noch Spuren eines anderen Jelitkowo findet. Dort stehen noch einige Fischerhäuser.

Es sind langgestreckte Reihenhäuser mit einem sehr niedrigen, teils in den Boden versenkten Erdgeschoß und einem umso höheren Satteldach. Die individuellen Häuser mögen nicht einmal sehr alt sein, aus dem späten 19. oder sogar frühen 20. Jahrhundert, doch es ist offenkundig, daß es sich hier um einen einfachen volkstümlichen Gebäudetyp handelt, der auch hunderte Jahre zuvor nicht anders ausgesehen hätte. Diese übriggebliebenen Fischerhäuser erzählen davon, wie die Menschen in Jelitkowo vor gar nicht langer Zeit lebten. Sie waren arme Fischer, die nah am Meer und vom Meer lebten. Ihre Häuser vergraben sich fast, um den Elementen weniger Angriffsfläche zu geben.  Die hohen Dächer dienten, wie die Klappen an den Giebelseiten andeuten, wohl als Lagerräume.

Die Straße zeigt zugleich eine Veränderung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor sich ging. Denn der Großteil der übrigen Bebauung besteht aus freistehenden kaiserzeitlichen Mietshäusern, die für sich genommen bloß klein, aber im Vergleich zu den Fischerhäuern riesig sind. Sie erzählen davon, wie sich Jelitkowo vor gar nicht so kurzer Zeit vom Fischerdorf zum Ausflugsort wandelte. Schon vor über hundert Jahren begann Jelitkowo das zu sein, was es heute ist. Die neuen Häuser wurden gebaut, der Park angelegt. Auch die Straßenbahn, die seit 1908 und noch heute nach Jelitkowo fährt, gehört zu dieser touristischen Infrastruktur, da es erst so möglich wurde, daß nicht nur einzelne Privilegierte, sondern die Masse der städtischen Bevölkerung ans Meer fahren konnte.

Anders als die Fischerhäuser boten die neuen Häuser eine Aussicht auf Strand und Meer. Den Fischern wäre es, auch wenn sie die ökonomischen Möglichkeiten dazu gehabt hätte, anders zu bauen, wohl nie eingefallen, darauf wert zu legen, hatten sie doch mit dem Meer bei ihrer Arbeit mehr als genug zu tun. So wurde auch der Strand in gewisser Weise erst damals erfunden.

Erkundungen auf Friedhöfen: Jüdisches Mosaik in Kraków

Wie die Deutschen das jüdische Leben im Krakówer Stadtteil Kazimierz vernichteten, so zerstörten sie auch den größten jüdischen Friedhof der Stadt in der Straße Miodowa. Als die nunmehr kleine jüdische Gemeinde ihn in den frühen Sechzigern wieder herstellte, machte sie ihn zum Mosaik: Die Stücke der zerschlagenen Grabsteine wurden neu zusammengefügt.

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Dieses Mosaik bedeckt nun ein großes quaderförmiges Mahnmal beim Eingang sowie einige Mauern dort und in einer hinteren Ecke. Hebräische, polnische und deutsche Inschrifts- und Namensfetzen und figürliche Ornamente verbinden sich zu etwas Neuem.

Einerseits entspricht das dem Eindruck, den auch der Gang zwischen den erhaltenen Gräbern dieses Friedhofs, jedes Friedhofs erweckt. Denn vom Friedhofsbesuch bleibt immer ein Mosaik von Eindrücken, hier eine Inschrift, dort ein Name, dort ein Ornament, die auf irgendeine Art, vielleicht nur durch Zufall, aus der Menge der Gräber herausstechen. Andererseits aber verschwindet so das wichtige Element der Erinnerung an ein Individuum. Die einzelnen Grabsteine verschwimmen zum diffusen Ganzen des Mosaiks so wie die Deutschen die einzelnen Juden in ihrer Vernichtung auf die Zugehörigkeit zu einer diffusen Masse reduzierten.

Dabei zeigt der Friedhof gerade die Unterschiede bei den Juden von Kazimierz, am deutlichsten in der Vielfalt der Sprachen. Unter den Gräbern aus der österreichischen Zeit vor 1918 finden sich etwa einige mit deutschen Inschriften, obwohl auch schon hier die polnischen  zahlreicher sind. Zeugt das von der politischen Entscheidung, sich entweder an den Deutschen, die den Gesamtstaat dominierten, oder an den Polen, die die engere Region dominierten, zu orientieren, so zeugen die vielen ausschließlich hebräisch beschrifteten Grabsteine von einem ganz eigenen, an Assimilation entschieden desinteressierten jüdischen Leben.

Nach dem Krieg, nach der Vernichtung stellten sich solche Fragen nicht mehr. Die wenigen in Polen verbliebenen Juden bildeten eine kleine Minderheit. Doch es ist interessant, daß in dieser Zeit eine neue Sprache auf den Friedhof tritt, die dort vorher vermutlich gefehlt hatte: Jiddisch. An dem Mahnmal beim Eingang und bei anderen im hinteren Teil sind die Inschriften immer polnisch und jiddisch. Die Verwendung des Jiddischen, der Sprache des einfachen Volks, war in den sozialistischen Staaten auch ein bewußter politischer Akt gegen das Hebräische, die Sprache der Religion einerseits und des Zionismus andererseits.

Auch das Schild an der ehemaligen Trauerhalle, das zur Bedeckung des Kopfs auffordert, ist auf Jiddisch und Polnisch geschrieben. Es ist dadurch das vielleicht faszinierendste historische Zeugnis auf dem Friedhof.

Jiddisch:
„Achtung! Auf dem [hebräisches Wort, vermutlich für Friedhof] bloß-köpfig zu gehen ist verboten
Die Verwaltung“
Polnisch:
„Achtung! Auf dem Gelände des Friedhofs gilt Kopfbedeckungspflicht
Die Verwaltung“

Ein schlichtes Blechschild nur, schwarze Schrift auf weißem Grund, gänzlich prosaisch, aber es gehört in eine Zwischenzeit, als es in Kraków noch ein jüdisches Leben gab, dem Jiddisch die Umgangssprache war. Das Schild wird so zu einem weiteren, zum letzten Teil des Mosaiks, das der Friedhof heute leider sein muß.

Der Heilige in der Kiste

Eine beschädigte Skulptur ist traurig, aber eine mit einer Holzkiste ummantelte Skulptur ist noch etwas trauriger. Zwar verspricht die Verhüllung Schutz vor dem Winterwetter oder eine baldige Restauration, aber man kann sie eben nicht sehen, ja, nicht einmal wissen, was sie darstellt.

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Eine solche Kiste steht am Beginn des Wegs hinauf zur Burg Pernštejn im Örtchen Nedvědice nordwestlich von Brno. Es ist ein quälendes Rätsel, was für ein offenbar recht stattliches Kunstwerk sich dort verbirgt. Mähren ist eine von der Gegenreformation geprägte Gegend, also muß es aller Wahrscheinlichkeit nach barock sein und einen Heiligen zeigen, aber ganz sicher kann man nicht sein. Welcher Heilige ist es? Oder vielleicht doch ein antikisierendes Motiv? Die Skulptur aus „L’année dernière à Marienbad“? Die Plastik aus „The Breakfast Club“ gar?

Vor Pernštejn läßt sich das Rätsel glücklicherweise halbwegs befriedigend lösen, da die vorderen Bretter der Kiste etwas verschoben sind und man durch einen Spalt hineinsehen kann. Überraschend ist die Lösung ganz und gar nicht. Man erkennt den verzierten Saum eines Rocks und ein kleines Kruzifix auf Brusthöhe – es ist Johannes von Nepomuk. Aber mehr läßt sich nicht sagen. Wie genau der Johannes von Nepomuk am Fuße von Pernštejn aussieht und wie die Inschrift auf dem großen Sockel lautet, weiß man nicht.

Oben, aber noch im weiten Vorhof unterhalb der eigentlichen Burg, wartet ein weiterer Johannes von Nepomuk.

Die Skulptur ist sehr einfach, aber daß sie in der Mitte eines Brunnens steht, paßt gut, weil Nepomuk in der Vltava ertränkt wurde. Von seinem Platz vor einem abgeflachten Fels mit nach außen zeigendem halben Turm blickt er in Richtung der Burg, ohne sie je wirklich gut sehen zu können.

Für das, was unten das Holz verdeckt, ist der obere Johannes von Nepomuk aber nur eine kleine Entschädigung. Bestimmt, so denkt man, ist diese Skulptur viel besser und interessanter. Ist also auch die größte Qual des Nichtwissens gelindert, bleibt der Heilige in seiner Kiste doch ein trauriger Anblick. Daß auf das Holz schon das gelbe Symbol eines Wanderwegs gemalt wurde, spricht dafür, daß dieser Johannes von Nepomuk noch eine Weile so eingesperrt bleiben wird.

Tschechoslowakische Bahnhöfe: Bystřice pod Hostýnem

Dieser Text könnte auch heißen: „Der Bahnhof des Partisanen“. Einen solchen Bahnhof nämlich findet man Bystřice pod Hostýnem im östlichen Mähren.

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Zu den Gleisen hin hat die Bahnhofanlage ein langes blaues Vordach, das auf mittigen runden Stützen ruht und von diesen kurz nach außen und länger nach innen zu den Gebäuden ansteigt. Es wirkt, wiewohl aus Stahl und Blech, eher leicht, schwerelos, vielleicht auch, weil die Stützen sehr dünn und mit ihrer braunen Farbe um Unsichtbarkeit bemüht sind. Links steht dahinter zuerst ein kleiner Flachbau mit technischen Räumen. Nach einer kurzen Lücke beginnt der eigentliche zweigeschossige Bahnhofsbau, der teils grauen Putz und teils rotbraune Kacheln hat, vor dem Flachdach aber wieder einen blauen Streifen. Auch er zieht sich langgestreckt parallel der Gleise hin. Der Großteil der Länge wird von verschiedenen Betriebsräumen für Güter- und Personenverkehr eingenommen.

Erst ganz rechts öffnet sich das Gebäude mit großen Glasflächen und -türen, die in die Halle führen, ganz dem Reisenden. Aber das Vordach endet noch nicht mit dem Gebäude, sondern setzt sich, nun an der gleisabgewandten Seite zusätzlich von drei dünnen runden Stützen getragen, noch etwas fort und verwandelt sich am Bahnsteigende sogar. Es wird zu einem dickeren Betondach mit blauem Rand, das den Reisenden alternativ oder ergänzend zur Halle hinausgeleitet.

Der sich rampenartig absenkende Bahnsteig verläuft ein Stück zwischen eckigen Stahlstützen und Glasflächen. Während links der offene Ausgang folgt, verläuft das Glas rechs weiter und noch um die Ecke der abschließenden Wand, die danach aus Beton besteht.

Die Bahnhofshalle ist dann quer zu den Gleisen, fast von ihnen wegstrebend, angeordnet.

Auf ihrer linken Seite ist im unteren Teil schwarz-grau-weiß gemaserte glatte Steinverkleidung, was man aber kaum merkt, da ein so großer Teil von den Fenstern der Schalter und den Eingänge des Restaurants und der Toiletten eingenommen wird. Rechts sind unten erst die Eingänge, dann wird die Wand auf ihrer gesamtem Höhe in eine durchgehende Glasfläche aufgelöst. Der obere Teil der Halle hat ansonsten weiße Wandflächen, auf denen nur an der Gleisseite eine ziffernlose goldene Uhr hängt.

Beim Beginn der Glaswand dienen sieben dünne Stangen, die vom Boden bis zur Decke reichen, als Raumteiler. Unten sind die durch den hellbraunen Holzkasten einer Heizung zusammengefaßt, darüber sind an ihnen je zwei vertikale drehbare Metallwalzen für Fahrplainformationen aufgehängt, bevor nach quadratischen Holzelementen nur noch das bloße Metall aufragt. So wird die Halle subtil in einen kleineren Durchgangsbereich zwischen den Ausgängen und einen größeren Aufenthaltsbereich mit hölzernen Sitzbänken aufgeteilt.

Zu diesem, aber auch in die übrige Halle, zeigt ein abstraktes Kunstwerk von Jaroslav Blažek, das raumhoch die Mitte der rückwärtigen Wand einnimmt. Auf rechteckigen vertikalen Tonplatten sind allerlei Vertiefungen und eingelassene Steine, aber am Auffälligsten sind die vertikale Rille in der Mitte, die an einen Schnitt erinnert, und der blau glasierte Fleck unten rechts (einige Bilder aus der Entstehungszeit findet man auf der Seite des Künstlers).

Von der Stadt her kommt man direkt auf die Bahnhofshalle zu. Rechts ist teilweise verdeckt von einem Baum die Glasfläche, links ist über den Eingängen ein blaues Vordach und noch darüber ein Wabenmuster im Beton der Wand. Nicht in der Mitte über dem Eingang, sondern deutlich am rechten Rand sind auf dem Vorach eine aufgestütze quadratische Uhr und auf dem Dach ein geflügeltes Rad als blau-weißes Leuchtsymbol.

Links ergänzt der Abschluß des Bahnsteigsdachs die Halle. Zwischen den Eingängen und dem dickeren Dach stehen vor den drei runden Stützen niedrige Nadelsträuche, wodurch diese fast die Anmutung von Säulen bekommen und ein kurzer antiker, tempelartiger Eindruck entstehen kann. Wie ein L legt sich die Bahnhofsanlage so um einen Wendekreis für Busse.

Der Bahnhof wird zu einer Art Schleuße zwischen der Stadt und den Gleisen, das heißt dem Rest der Welt, offen, einladend, funktional und schön.

Eine Gedenktafel am Bahnsteig neben den Eingängen zur Halle erdet dieses neue Gebäude schließlich in der nicht fernen Vergangenheit. Üblicherweise wird an solchen Stellen an Eisenbahner, die in den Besatzungsjahren 1938 bis 1945 umkamen, erinnert, aber hier ist es etwas anders. Unter fünfzackigem Stern mit Hammer und Sichel, gekreuzten Maschinenpistolen und Lindenlaub als Symbol der 1. československá partyzánska brigáda Jana Žižky (1. Tschechoslowakischen Partisanenbrigade „Jan Žižka“) wird auf der glatten schwarzen Steinplatte in weißen Buchstaben vom Tod eines Partisanen erzählt:

„Dem Andenken des Helden Leutnant der Infanterie Jan Marek, Kommandant der Geheimorganisation [ziviler Unterstützer der Partisanen] in der Gegend von Bystřice, der an diesem Ort am 4. Januar 1945 auf heimtückische Weise von der Gestapo getötet wurde. Ehre seinem Andenken.“

„An diesem Ort“, ja, aber nichts an diesem Ort sieht mehr aus wie im Januar 1945. Leutnant Marek würde nichts wiedererkennen, wenn ein gütiger kommunistischer Gott ihn wieder zum Leben erweckte. Und genau so muß das sein, so würde er das gewollt haben. „Er kämpfte für uns, damit wir leben können…“, steht oben auf der Tafel. Der ganze Bahnhof ist ein Beweis dieses Lebens und das schönste Denkmal, das einem Partisanen errichtet werden könnte.