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D‘Ieteren

Im Brüsseler Stadtteil Ixelles steht ein Autohaus, das diesen Namen verdient hat.

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Es ist ein langgezogener Bau in der schwer zu übersetzenden Rue du Mail (etwa: Straße eines Ballspiels aus dem 17. Jahrhundert) zwischen der unkomplizierten Rue Américaine (Amerikanischen Straße) und der wiederum schwierigen Rue du Prévôt (etwa: Straße eines belgisch-französischen Beamtentitels). Auf zwei Sockelgeschossen ragen hohe schwarze Stützen und zwei dickere Erschließungstrakte auf, die fünf weitere Geschosse tragen. Mit dunkelgolden verspiegelten Fenstern und ähnlicher Verkleidung, schmalen vertikalen Streben aus silbernem Stahl und vor den zurückgesetzten Fenstern bei den beiden Treppenhäusern zusätzlichen horizontalen Lamellen wirkt der aufgestützte Teil wie ein schwebender Goldbarren.

Die Unterseite dieses Teils, gleichsam die Decke des freien Bereichs, ist mit einem regelmäßigen Kreismuster gestaltet. Selbstverständlich ist hier eine Parkfläche, zu der von rechts nach links parallel zur Straße eine prominente Rampe hinaufführt.

Die beiden Sockelgeschosse werden von außenliegenden Stahlpfeilern und -trägern gehalten, was rechts, wo eine Tankstelle ist, noch sinnlos zu sein scheint. Links jedoch dient es dazu, die gesamte Ecke zur Rue Américaine in Glas aufzulösen.

In den zwei oberirdischen und einem zusätzlichen unterirdischen Geschoß ist ein einziger großer Saal, in dem auf Plattformen, die an Stahlseilen von der Decke hängen und Marmorböden haben, die Autos stehen. Es sind Volkswagen, denn dieses Autohaus gehört dem VW-Händler D’Ieteren. Statt Autos nur zu verkaufen, ist es ein Tempel für Autos. Selbstverständlich hängt an einer Wand ein abstraktes Kunstwerk aus Stahl.

Heute werden hier auch VW-Derivate von Škoda und Seat verkauft und der Eingang, der nur ein schlichtes Vordach zwischen den Stahlpfeilern hatte, wurde durch eine weiße Torkonstruktion unnötig betont.

Aber insgesamt ist das Autohaus D’Ieteren seit seiner Erbauung im Jahre 1967 gänzlich unverändert und dient auch noch seinem ursprünglichen Zweck. Seine Architektur könnte ebensogut an eine Ausfallstraße passen, frühere und luxuriösere Version eines dieser beliebigen Autohäuser wie am Rande von Altenburg, doch hier steht es inmitten der Blockrandbebauung von Ixelles. Anders als etwa Autopon in Amsterdam versucht es nicht, durch besonders auffällige Architektur Werbewirkung zu erzielen, sondern konzentriert sich auf die Präsentation der Autos. Da es aber freisteht, wirkt es innerhalb der geschlossenen Brüsseler Straßenzüge umso auffälliger. Man merkt an ihm, wie selten solche Auflockerungen, solche winzigen Öffnungen in der alten Stadt sind. Hinter ihm ist heute fast der gesamte Block frei, ein unglaublicher Luxus scheinbar. Jedoch – dort sind bloß Parkdecks. Für die Stadt wäre es besser, wenn die Autos in ihrem Haus blieben.