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Strom in Tczew

In Tczew, einem Städtchen südlich von Gdańsk, sieht man noch oft die Befestigungen alter überirdischer Stromleitungen an den Gebäuden.

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So altmodisch wirkt das heute, daß man leicht vergißt, wie kurz eigentlich die allgemeine Elektrifizierung der Städte zurückliegt. Sie geschah mit genau solchen Leitungen und Befestigungen, die demnach einmal die Symbole größter Modernität waren. Der ebenfalls symbolische Mittelpunkt des elektrifizierten Tczew ist eine Transformatorenstation unterhalb der Altstadt nahe dem Ufer der Wisła (Weichsel).

Auf quadratischem Grundriß erhebt sie sich turmartig. Um den unteren Teil, in dem vorne eine Metalltür ist, verlaufen auf dem hellen gelben Putz leicht vorstehende horizontale Bänder aus Backstein. Der höhere obere Teil ist durch etwas stärker vorstehende vertikale Streben, die unten und oben abgerundet sind, strukturiert. An den Seiten sind drei dieser Streben, hinten und vorne zwei. Der oberste Teil, das Dach, ist ganz leicht vorgesetzt und wird von einer schmalen horizontalen Bordüre in zwei Hälften zerteilt. Vorne flankieren die Streben mittige Metalllamellen und über ihnen ragt ein schmales und hohes Wappenschild noch höher als das Dach auf, wo neben ihm beidseits zwei schräge Zacken sind.

Es ist eine eigentümliche Architektur, nicht historistisch, aber auch nicht sachlich, sondern um eine Expressivität bemüht, die das Moderne der Elektrizität gleichsam nachzuzeichnen versucht, eine Architektur, die ausnahmsweise Art Déco genannt werden kann. Aus dem eckigen horizontalen Teil erwächst der runde vertikale, bevor Dach und Wappen den Abschluß bilden. Sie wollen das fast Klassische, jedenfalls konventionell Repräsentative dieses Turms sein, sind aber eher eine gewisse Inkonsequenz. Es ist, als traue die Architektur ihren bloßen Formen nicht und meine, noch eine Krone zu brauchen. Dazu paßt, daß sich das, was von vorne ein Dach scheint, von hinten als bloße Blende vor dem eigentlichen Flachdach offenbart.

Obwohl grundsätzlich Zweckbau, ist die unter den wenigen Resten der Stadtmauer gelegene Trafostation dort auch eine neue Art von Wachturm, der alten Stadt zugewandt, sie mit seiner Elektrizität beschützend und verjüngend. Seit circa 1936, als sie gebaut wurde, hat sich die Umgebung verändert. Leerstehende Fabriken, neue Mietshäuser, ein Sportplatz sind nun ihre Nachbarn.

So ist sie zum einen schon Denkmal einer anderen elektrischen Epoche, aber zum anderen auch noch in Benutzung. Noch immer spannen sich sogar überirdische Leitungen nach rechts und verbinden die Zeiten.

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