Archiv der Kategorie: Javorník v Krkonoších

Jesus in Javorník

Jesus gibt es in Javorník viermal, während es Orte dieses Namens, der sich von javor (Ahorn) ableitet, viele gibt. In dem hier gemeinten nordostböhmischen Dorf steht Jesus jeweils an der einen Straße, die zwischen den locker verstreuten, teils noch aus Holz gebauten Häusern verläuft. Dreimal hängt er steinern an einem steinernen Kreuz auf einem mehr oder weniger hohen steinernen Sockel, auf dem noch seine Mutter Maria im Relief und eine deutschsprachige Inschrift sind. Die Denkmäler sind wohl barocker oder nachbarocker Herkunft, aber das ist schwer zu sagen, da sie oft renoviert und umgebaut wurden, was auch oft auf ihnen erwähnt ist.

Das größte ist das erste am Ortseingang an der Ecke zur Landstraße, bei ihm liegt auf einem höheren Teil des Sockels noch ein Lamm und vor dem Kreuz ein Totenkopf, „Es ist vollbracht“.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Das im schlechtesten Zustand ist das mittlere, hier hängt Jesus schon arg verstümmelt da, hat keine Beine mehr.

Das schönste ist das letzte, weil hier das Kreuz im Unterschied zum grauen Sockel aus rotem Stein gefertigt ist.

Der vierte Jesus ist ein Relief, er steht in langem Gewand und mit Heiligenschein über ein kleines Kreuz geneigt, auf dem oben ein Stahlhelm ist. Er gehört zu einem kleinen Denkmal für den ersten Weltkrieg, in dem unter einem gestuften Abschluß „1914-1918“ und auf einem vorgesetzten Quader „Der Heimat Dank ihren Söhnen“ steht.

Man kann vielleicht viel über die Geisteshaltung der örtlichen Deutschen daran erkennen, wie einfach hier Religion und Krieg verbunden sind, aber das war ja nirgendwo schwer. Unverständlich ist, wieso zwar später „1939-1945“ hinzugefügt, aber keine neue Inschrift ergänzt wurde. Ob diese Hinzufügung gar noch von den in den Nachkriegsjahren ausgesiedelten Deutschen stammt, eine Art vergiftetes Abschiedsgeschenk an die Tschechoslowakei, die in den im Münchner Abkommen zwischenzeitlich verlorenen Gegenden sonst „1938-1945“ schrieb?

Auf den Stahlhelmjesus blickt von der anderen Straßenseite Johannes von Nepomuk.

Aber nein, er achtet auf ihn gar nicht, er hat den geneigten Kopf an den Querbalken des Kruzifixes, das er im linken Arm hält, geschmiegt.

Bei ihm ist Jesus domestiziert, abstrahiert, kein Körper am Kreuz mehr, sondern ein Symbol. Johannes von Nepomuk ist Abwechslung vom Einerlei der Jesusse, Marien und Stahlhelme, ein Glück für Javorník wie für jeden Ort.


Ergänzend die Inschriften, die ich mir aus meinen Bildern rekonstruieren kann.

Erster Jesus Vorderseite:

Sieh Mensch wie Kristus
          für dich stirbt
Und liebend dir das Heil erwirbt
O mach dich dieser Liebe werth
Das ist’s was Er von dir begert
Renovirt 1884 A.R.

Erster Jesus Rückseite:

Diese Statua Ließ
Aloisius Rücker Müller
Meister in Mohrn im
Jahr 1816 Errichten.

Renovirt vom Sohn Alois Rücker
1857

Opraveno [ausgebessert, P.E.] 2013

Letzter Jesus:

Durch deinen Schmerz, durch deinen Tod
Hilf Jesu mir in aller Noth,
Lass Deine Marter, Deine Pein
Doch nicht an mir verloren sein !

Nepomuk:

St. 
Johannes 
bitte für uns
___.___
Renovirt
Von
Wohthätern
1880

ANNO 1755
DEN 7 NOVEMBRIS