Archiv für den Monat August 2014

Schwesternwohnheim

Eines der interessantesten Hochhäuser des an Hochhäusern nicht armen Frankfurt ist das Schwesternwohnheim des Hospitals zum Heiligen Geist.

Schwesternwohnheim

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Es ist nur zwanzig Geschosse hoch, aber dennoch kaum zu übersehen. Während all die so viel höheren Bankhochhäuser im Westen vor allem durch ihre Anzahl und Dichte wirken, steht das Schwesternwohnheim völlig frei am Mainufer.

SchwesternwohnheimSkyline

Blickt man vom Sachsenhäuser Ufer dorthin, sieht man es etwas rechts der Achse der Ignaz-Bubis-Brücke, die von der weißen Tempelfassade des Literaturhauses eingenommen wird.

SchwesternwohnheimIgnazBubisBrücke

Als nur diese Fassade stand, befand sich dort der Portikus, eine Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst (der Wechsel vom einen zum anderen bedeutet bloß, daß dort nun gesättigtere Teile der Frankfurter Elite bei andersartigen Veranstaltungen Wein statt Flaschenbier trinken).

Östlich des Doms ist das Schwesternwohnheim der erste höhere Bau, was seine Sichtbarkeit noch einmal vergrößert, und mit dem Dom hat es auch viel gemeinsam. Nicht nur ähnelt der rötliche Beton, der es bestimmt, ein wenig dem typischen roten Backstein des Doms und anderer alter Frankfurter Gebäude, nein, vor allem sind beide Bauten konsequentester Ausdruck ihrer jeweiligen Zeit. Der Dom, insbesondere der Turm, mit dem er über das Häusermeer aufragt, ist ganz die himmelstürmende Vertikalität der Gotik.

DomFrankfurt

Avancierteste Technik, das fein abgestimmte System der Spitzbögen, Strebepfeiler, Fialen, wurde hier zu keinem anderen Zweck als der Mehrung des Ruhms der Kirche und mehr noch der Stadt verwendet. Das Schwesternwohnheim ist dagegen ein Inbegriff der Architektur des westdeutschen Sozialstaats. Entsprechend ist es ein Wohnhaus, ursprünglich eben für die Krankenschwestern des Hospitals, länger schon auch für andere. Alles an ihm ist horizontal, die Fensterbänder, die grauen Brüstungsbänder aus Beton. Ganz wie der Dom zeigt es sein Material und seine Funktion in größter Klarheit.

Anders als andere Hochhäuser in Frankfurt, die oben ohne Not oder nur, weil sie wie der Dom zur Mehrung des Ansehens einer Firma und der Stadt hoch sein wollen, schmaler werden, verbreitert sich das Schwesternwohnheim oben sogar noch, weil die Konstruktion es erlaubt und die Funktion es erfordert. Die drei oberen Geschosse stehen an der monolithisch-fensterlosen Nordseite unregelmäßig hervor,

SchwesternwohnheimRückseite

während sie zu den anderen drei Seiten, zum Fluß hin, stark verglast und von weit vorgesetzten Balkonen oder vielmehr Plattformen mit hohen Geländern umlaufen sind.

SchwesternwohnheimNah

Ganz oben, vor einem zurückgesetzten Geschoß, entsteht so noch eine großzügige Dachterrasse. Ursprünglich gab es dort einen Kindergarten. Kinder also spielten dort und die Stadt lag ihnen zu Füßen. Schöner als es hier vis-à-vis des mittelalterlichen Doms geschieht, könnte die Befreiung des Menschen, die sich mit fortschrittlicher Architektur verbinden kann, kaum ausgedrückt werden. Selbstverständlich ist dieses Nebeneinander dieser beiden so verschiedenen und doch so verbundenen Bauten bloß Zufall, aber es bereichert Frankfurt sehr.

Erkundungen auf Friedhöfen: Görlitzer Nazigrab

Der Görlitzer Hauptfriedhof hat die traurige Besonderheit, einer der wenigen Orte zu sein, wo man ein Nazigrab finden kann. Die Bezeichnung Nazi ist hier keine Verunglimpfung, sondern eine nüchterne Beschreibung. Alle Verunglimpfung übernahm die Familie des Nazis Rolf Pohl selbst, indem sie ihm dieses Grab errichtete:

Nazigrab

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vorgesetzte niedrigere Seitenteile und ein Mittelteil aus grau-gemasertem Stein in Formen, die man als eckig-dorisch bezeichnen kann, darauf der brutale Adler des großdeutschen Reichs mit dem umkränzten Hakenkreuz in den Klauen und die Inschrift „Am [] Mai 1940 erlitt den Heldentod für Führer u. Volk bei Calais Oberleutnant u. Komp.-Chef i. Einer Pz-Div. Rolf Pohl geb. Am 1. Aug. 1909“. Genau so, nur hundertmal größer, hätte ein Grab aussehen können, daß Albert Speer für Hitler gebaut hätte. Bloß das Hakenkreuz und das Wort „Führer“ wurden später herausgemeiselt, während eine sehr umfangreiche weitere Inschrift bloß nicht in Schwarz ausgemalt und daher unleserlich ist. Selbst das Bibelzitat ganz unten, „Unser Glaube ist der Sieg (1. Joh. 5,4)“, ist weniger religiös als nazifaschistisch.

Das Grab selbst steht an der Seite der heute zwischen Rhododendron versteckten und mit Efeu bewachsenen Grabstätte der Familie Pohl.

GrabPohlGörlitz

Dieser, Anfang der Dreißiger errichtet, sieht man die politische Haltung der Familie noch nicht an, sie ist bloß eine graue Steinwand mit Amphore, auf der mittig eine Frauenfigur ein Band mit dem Spruch „Der Glaube tröstet, wo die Liebe weint“ und seitlich die Namen sind.

GrabPohlGörlitzBank

Auf der anderen Seite, gegenüber dem Nazigrab, steht eine Sitzbank in dessen Stil und man kann sich gut vorstellen, wie die Familie Pohl dort sonntags in Trauer um ihren Nazisohn saß. So ist dieses Grab eines der seltenen, wo man sich freut, daß der dort Begrabene tot ist, aber zugleich wütend wird, daß die Familie weiterlebte, die ihm dieses Grab bauen ließ und nach 1945 nicht den Anstand besaß, es abzureißen, ja, die sogar das „u.“ vor „Volk“ stehen ließ, damit sich jeder den „Führer“ hinzudenken könne.

Nach dem ersten Schock fragt man sich, wieso man eigentlich so wenige Nazigräber sieht und gibt sich die traurige Antwort, daß die meisten Nazis erst in späteren Phasen des Kriegs starben, als allzu direkte Bekundungen der Weltanschauung wenigstens unterbewußt als weniger opportun begriffen wurden und das Geld für aufwendige Gräber knapper war, oder die noch traurigere, daß die meisten Nazis viel zu lange lebten. Auch weiß man nicht direkt, wie man sich den Umgang mit dem Nazigrab wünschte: antifaschistische Grabschändung oder doch eher eine Hinweistafel, die es in einen Kontext rückte. Eine solche müßte auch erwähnen, daß die schiere Verkommenheit der Familie Pohl umso eklatanter wird im Vergleich zum Grab der Familie Gruender, die an ihren ebenfalls in den großdeutschen Eroberungskriegen, ebenfalls in Frankreich gestorbenen Sohn Georg mit einem schlichten „gef. 24.6.1944 bei Cherbourg“ erinnert.

GrabGruenderGörlitz

Es bliebe und es bleibt jetzt der Ekel, für dieses Nazigrab irgendwelche Worte und nicht bloß Speichel aufgebracht zu haben.

Wiener Gebäude und die Kunst: Das Wien der Zukunft im Jahre 1968

„Kunst am Bau“ gibt es viele und meist handelt es sich dabei um genau das, was dieses unschöne Wort aussagt: beliebige Kunst, die auf beliebige Art an einem beliebigen Bau angebracht ist. Nur selten findet man Kunst, die wirklich in einen Bezug zu dem Gebäude, das sie trägt, oder der Umgebung, der sie sich zuwendet, steht. In dieser Reihe sollen in loser Folge besonders positive oder besonders negative oder sonstwie bedeutende Beispiele von Kunst an Wiener Gebäuden dargestellt sein. Siehe auch Dampfschiffe in Aspern und Hände in Margareten.

Bilder der Stadt der Zukunft sind immer langweilig, da es so leicht ist, sie zu malen und so unendlich schwer, diese Stadt wirklich zu bauen. Darüber, wie eine Zeit ihre Zukunft sah, sagen diese Bilder immerhin etwas aus und wenn man sie in alten Zeitschriften oder Büchern sieht, mag man sie also interessant finden. Etwas ganz anderes ist es, wenn die Stadt selbst einem in ihrem öffentlichen Raum mit einem Kunstwerk erzählt, wie sie einmal werden wollte, denn alles, was öffentlich ist, ist sofort wichtiger und wertvoller. Zudem wird das bloße Bild verstärkt durch den Kontrast zu den Straßen, durch die man kam bevor man es fand.

Um ein solches Kunstwerk handelt es sich bei dem Mosaik am Haus 27 der Rainergasse in Wiens 4. Bezirk.

Mosaikrainergasse27Detail

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Was man zuerst für eine beliebige Zukunfststadtszene halten mag, erkennt man rasch als Wien, da etwas rechts der Mitte unverkennbar der Stephansdom ist.

MosaikStephansdom

Er ragt ganz wie heute beim Blick vom Belvedere aus einem Häusermeer, doch die Stadt ringsum ist eine ganz andere. Vom unteren linken Rand zieht sich eine riesige Autobahn als langer Streifen schräg nach rechts, wo sie in einem Tunnel beim Leopoldsberg verschwindet, und von ihr gehen zu beiden Seiten weite Autobahnschlingen aus, die rechte um den Stephansdom. Überall in der alten Stadt erheben sich hohe Hochhäuser und die Dächer von zweien sieht man im Vordergrund. Während rechts schon ein zweirotoriger Hubschrauber gelandet ist, befindet sich links einer im Landeanflug und kleine Gestalten winken ihm zu.

MosaikHelikopter

In eine Stadt, die sehr deutlich Wien ist, sind also Straßen und Hochhäuser gesetzt, die in ihrer Maßstablosigkeit nicht konkrete Pläne, sondern Symbole für den neuen Verkehr und die neue Architektur, die die Stadt verändern, sind. Innerstädtische Autobahnen bekam Wien nie und auch Hubschrauberverkehr von Hochhausdach zu Hochhausdach gibt es keinen, aber bemerkenswerter als die Unterschiede zwischen dieser Zukunfstvision und der Zukunft sind die Gemeinsamkeiten. So gibt es jenseits der Donau, ganz links oben im Bild, tatsächlich viele Hochhäuser

HochhäuserDonau

und einige der Hochhäuser abseits der Autobahn, die unten in geschwungenen Terrassen breiter werden, erinnern sehr an die, die später in Alterlaa, weit außerhalb des Zentrums, gebaut wurden.

HochhäuserQuasiAlterlaa

Strahlend wie je prangt dieses Mosaik des zukünftigen Wien auf der nunmehr dreckig schwarzen Fassade eines Gebäudes, das schon zu seiner Erbauungszeit (1967/68) in jeder Hinsicht banal und fern jeglicher Zukunft war. Es teilt sie sich mit zwei weiteren Mosaikfeldern. Das weiter unten angeordnete zeigt eine Szene des alten Wien, den Bereich um die die Rauchfangkehrerkirche, die in der Mitte der nahen Wiedner Hauptstraße stand und 1965 als Verkehrshindernis abgerissen wurde. Hier hat sich der Künstler (Franz) Molt unterschrieben. Das weiter oben angeordnete zeigt eine Sonne.

MosaikRainergasse27

Sicherlich wird dieses Mosaik so wenig beachtet wie all die anderen Mosaike, Wandbilder, Reliefs, die an so vielen der nach 1945 errichteten Gebäude so ungeschickt angebracht sind, aber geschähe das doch einmal, könnte es doch zu einer genaueren und kritischeren Betrachtung der Stadt, der weiteren Straßen, führen. Für öffentliche Kunst, bürgerliche zumal, ist das keine kleine Leistung, wenn auch jedes kleinste bauliche Bemühen um ein neues Wien wichtiger war.

Nordwestzentrum

Wer das Nordwestzentrum in Frankfurt am Main heute erlebt oder wer es, wie ich, seit den frühen Neunzigern als Bestandteil einer Frankfurter Vorstadtkindheit und –jugend erlebt hat, sieht etwas durchaus anderes als das, was Ende der Sechziger gebaut wurde. Aber mit ein wenig historischem Vorwissen und etwas mehr archäologischem Gespür läßt sich noch am so veränderten heutigen Nordwestzentrum ablesen, was für ein bemerkenswerter Ort es war und noch immer ein wenig ist.

Zuerst ist da seine städtebauliche Einordung. Es ist, wie der Name sagt, einerseits das Zentrum der Nordweststadt, einer in den Sechzigern errichteten Satellitenstadt von Frankfurt und grenzt auch zu mehreren Seiten an diese an. Nicht weit aber ist es auch von der Römerstadt, einem Beispiel des fortschrittlichen Neuen Frankfurt der zwanziger Jahre, und von den Kernen der Vorort gewordenen Dörfer Heddernheim und Praunheim. Über die Stadtautobahn ist es zudem mit dem Umland und über die erste Frankfurter U-Bahnlinie mit dem Stadtzentrum verbunden.

Doch zu nichts von all dem gehört das Nordwestzentrum so wirklich. Es ist eine Insel inmitten eines vielspurigen Kreisverkehrs an der Stadtautobahn. Zu erreichen ist es von Weitem mit dem Auto über diesen Kreisverkehr, mit der U-Bahn und mit dem Bus, von Nahem aber über eine Vielzahl von Brücken, die den Fußgänger sicher über die Straße, die auch ein reisender Fluß sein könnte, geleiten.

NordwestzentrumBrücke

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Noch unter der langen, etwa ovalen Form des Nordwestzentrums findet sich daher der U-Bahnhof, während die ebenerdige Ebene von einem ausgedehntes Parkhaus, zu dem noch Anlieferbereiche und eine Durchfahrt für die Busse kommen, eingenommen ist. Wenn man zu Fuß kommt, ist man von den Brücken schon auf die dritte oberirdische Ebene erhoben. Aber man merkt das nicht, oder vergißt es sogleich wieder. Das Nordwestzentrum ist so stark, sich eine eigene Grundebene zu schaffen, die so selbstverständlich ist wie der angeblich natürliche Erdboden.

Im Verhältnis zu dieser Grundebene erlebt man alles weitere. Zweigeschossige Ladengebäude teilen das Nordwestzentrum in drei langgezogene Bereiche. Bei den beiden äußeren handelt es sich um eine großzügige Einkaufsstraße

NordwestzentrumEinkaufsstraße

und die Einrichtungen der Fachhochschule, die schon länger nicht mehr existieren. Im viel breiteren mittleren Bereich legt sich die Grundebene als Galerie um eine niedrigere zweite Ebene mit Läden.

NordwestzentrumHauptbereich

Über den Ladengebäuden befinden sich, quer zu diesen und recht locker verteilt, noch einige fünfgeschossige Wohngebäude.

NordwestzentrumWohngebäude

Eine Passage und zwei Querachsen an den Enden verbinden die drei, heute zwei Bereiche. An diesen Querachsen stehen die höheren, fast fensterlosen Gebäude der größten Geschäfte, früher Hertie auf der einen, noch heute C&A auf der anderen Seite.

NordwestzentrumHertie

Letztere Querachse ist die wichtigere. Am Ende der Einkaufsstraße wird die Grundebene wieder zur Galerie, um die Stelle, wo es zur niedrigeren Ebene mit dem Busbahnhof und noch weiter zur U-Bahn hinab geht, zu markieren.

NordwestzentrumU-Bahn

Neben dem Hauptbereich öffnet sich ein kleiner Platz, an dem das Bürgerhaus und ein Schwimmbad, das schon seit langem durch ein Spaßbad und ein Hotel ersetzt ist, stehen.

NordwestzentrumSaalbau

Der Hauptbereich selbst wird daneben schmaler und führt auf die Bibliothek und verschiedene Ämter zu, die wiederum in zweigeschossigen Gebäuden untergebracht sind. Hier legt sich die Grundebene um einen niedrigeren Kindergarten, während ein neungeschossiges Wohngebäude dahinter aufragt und auch den diesseitigen Abschluß des Nordwestzentrums markiert.

NordwestzentrumBücherei

Die zweite Querachse öffnete sich früher wohl recht stark zur Straße und hatte im markanten Turm der Feuerwache eine vertikale Dominante, die auch gut als Uhrturm denkbar wäre.

NordwestzentrumFeuerwacheTurm

Heute ist dort ein Elektronikgeschäft und der Turm ist nur noch von außen wirklich zu sehen.

Die Grundstruktur des Nordwestzentrums ist also, sieht man vom Wegfall des Fachhochschulbereichs ab, seit den Sechzigern unverändert. Auch die Gebäude haben ihre schnörkellose Klarheit behalten: weißer Beton, Fensterbänder, eckige Pflanzenkübel vor den Obergeschossen der Ladengebäude. Ansonsten ist vieles von den Umbauten der späten achtziger Jahre geprägt: glatte Steinfußböden, weiß mit dunkelroten Längsstreifen, runde, um Hochbeete angeordnete Sitzanlagen aus demselben dunkelroten Stein. Und vor allem die geschwungene gläserne Überdachung der beiden Bereiche. Mit Streben aus weißbemaltem Holz ruht sie auf den Dächern der Ladengebäude und auf weißen Stahlstützen. Es ist dieses Dach, das die eingangs genannte Veränderung des Nordwestzentrums bewirkt hat. Wiewohl zweifelsohne nützlich und für den heutigen Erfolg als Einkaufszentrum unerläßlich, vermindert es doch die Sichtbeziehungen zu den Wohnhäusern und schafft eine Hierarchie zwischen den Ladenbereichen, die es überdeckt, und den übrigen, insbesondere dem bei der Bibliothek, die es frei läßt.

Wie fern auch das heutige Nordwestzentrum aber von den später gebauten Einkaufszentren ist, zeigt ein Vergleich mit dem sogenannten Modeboulevard, der nun den Bereich der Fachhochschule einnimmt.

NordwestzentrumModeboulevard

Boden und Sitzanlagen orientieren sich an der genannten Gestaltung, ohne sie ganz zu treffen, ein Tonnendach aus Glas überspannt alles, aber das Raumerleben ist ein ganz anderes. Wo im Nordwestzentrum noch immer Großzügigkeit und Offenheit vorherrschen, ist hier alles bloß eng, was noch durch die schräg vorragenden Gebäudefassaden unterstützt wird.

Das Nordwestzentrum ist eben, auch wenn es heute leicht so wahrgenommen werden kann, nicht einfach ein Einkaufszentrum. Es ist ein wirkliches Zentrum, ein neuartiger städtischer Raum, in dem gerade nicht nur Geschäfte, sondern auch öffentliche Einrichtungen, Wohngebäude und, früher, Teile der Fachhochschule konzentriert sind. Als solches ist es nicht weniger als ein städtebauliches Meisterwerk.

45 Minuten in Hof

Der Bahnhof ein historistischer Klotz, in dessen Inneren sich aber, was man selten sieht, alle Schnörkel, Säulchen, Büsten und vor allem Farben der Entstehungszeit erhalten haben.

Die Königstraße führt bei einem leerstehenden neungeschossigen Bürogebäude schräg ins Stadtzentrum hinab und macht einen postapokalyptischen Eindruck: die Geschäfte leer, die Hauseingänge voller Müll, das Gehsteigpflaster zerbröckelnd, eine Ahnung von Leben bloß vor einem Eiscafé.

Unten lockt die erhöht am nächsten Hang gelegene Lorenzkirche, ein nicht hoher, aber sehr breiter Bau mit barockem Turm in die Altstadt. Vorbei an Kinos, weiteren leeren Geschäftsräumen und einem Sexshop bleibt aber das Bild des Verfalls. Entlang der Lorenzstraße, die als Fußgängerzone zu einer stattlichen gotischen Kirche hinaufführt, wird es langsam lebendiger.

Oben dann, an der Haupteinkaufsstraße, die einfach Altstadt heißt, ist alles völlig Zentrum einer westdeutschen Mittelstadt.

KaufhofHof

Die Straße wird bestimmt von der zweitürmigen Fassade der Kirche und dem Kaufhof, der zwei Geschosse aus Fensterbändern und grüner Verkleidung mit dem Vordach des zurückgesetzten Erdgeschosses, der Überdachung der Terrasse im vierten Geschoß und zwei massiv wirkenden graunsteinernen Seitenteilen rahmt, Zweitürmigkeit anderer Art.

Wie in Kłodzko das Gefühl, an einem Ort am Rande von allem zu sein, wo man leben könnte, ohne die „ways of the world“ kennen zu müssen.