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Erkundungen auf Friedhöfen: Ein Friedhof vieler Völker in Olsztyn

Ist schon die Inschriftswand an der rechten Seite vielschichtig und widersprüchlich, so ist es der kleine Friedhof am östlichen Stadtrand von Olsztyn selbst noch weit mehr als diese erahnen ließe.

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Klar im Mittelpunkt steht das Sowjetische und Kommunistische, wie schon die schmiedeeisernen Tore in der Steinmauer, die einen von draußen hineinbitten, bezeugen. Rechts ist eine kleine Pforte, in deren offenem Quadratraster schachbrettartig gleichfalls offene fünfzackige Sterne angeordnet sind. Links ist ein breites Tor, in dem neben den Sternen offene Hammer-und-Sichel-Formen sind, die in abwechselnden Bändern schräg nach unten zur Mitte verlaufen.

Dahinter führt ein breiter Bereich mit zwei Wegen und mittiger Grünfläche auf das zentrale Monument aus fünf großen grauen Steinen mit leicht unregelmäßigen rechteckigen Vorderseiten zu. Einer bildet horizontal den Sockel, darauf folgen in einer nächsten Ebene zwei weitere und in einer dritten rechts einer in derselben Ausrichtung, nur links oben steht ein Stein vertikal über und er zeigt ein Relief mit Hammer und Sichel.

Auf der Rückseite dieses Steins ist ein Stern und an dem darunter die Zahl 1945.

Die Steine und ihre Anordnung erinnern beispielsweise an den Sowjetisch-Polnischen Friedhof in Gdynia, was vielleicht weniger auf einen gemeinsamen Gestalter als auf eine Mode hinweist.

Schon, um den Stern zu sehen, muß man um das Monument herumgehen, wozu in der Friedhofsgestaltung nichts besonders anregt, und das Weitere steht erst recht wie beliebig an dem geschwungenen Weg um den zentralen Bereich, wo ansonsten noch kleine Grabplatten und unleserliche Holzkreuze sind. Irgendwo links ist ein größerer Stein mit einem Propellerrelief und zwei spiegelglatten schwarzen Gedenktafeln für die französischen Flieger des an der Seite der Sowjetarmee kämpfenden Regiments Normandie-Niemen.

„Den Fliegern des Freien Frankreich des Regiments Normandie-Niemen, die ihre Leben im Kampf für die Befreiung von Warmia und Mazury gaben“

Irgendwo rechts ist das Denkmal für die polnischen Soldaten. Am höchsten Punkt einer schräg nach links ansteigenden niedrigen Doppelwand steht ein äußerst muskulöser und bis auf den Helm nackter Soldat. Nach links oben ausgestreckt hält er eine Stange mit einer schmalen Fahne, die sich hinter ihm in der Luft windet, rechts wieder neben ihn kommt, wo er mit der ausgestreckten zweiten Hand in sie greift, und sich schließlich um seine Lenden schlingt.

Das Kunstwerk ist, wie für die schwebende Fahne nötig, aus Beton, heute aber in einem deutlich ins Hellblaue gehenden Weiß angemalt. Die scharfen, etwas eckigen Züge des Gesichts wie des Körpers wirken comichaft und homoerotisch, vor allem aber verschwendet an einer bezugslos im Hintergrund stehenden Plastik.

Davor steht noch eine niedrige Betonmauer, die nach vorne einen kronenlosen polnischen Adler zeigt und nach rechts die nüchternen Worte: „Pamięci żołnierzy polskich poległych w latach 1939-1945“ (Dem Andenken der in den Jahren 1939 bis 1945 gestorbenen polnischen Soldaten)

Das ist der erste Teil des Friedhofs, der neuere und, wiewohl er so viel heute Unliebsames hat, gleichsam offizielle. Der zweite liegt rechts davon unter hohen Bäumen, ein Durchgang im Drahtzaun etwas hinter der Inschriftswand führt zu ihm und zur Straße gibt es ein Tor, dem alles Repräsentative fehlt. Weite Flächen sind auch leer, er scheint noch notdürftiger instandgehalten als schon der andere Teil.

Am straßenseitigen Rand sind verschiedene polnische Gräber.

Einige davon sind einheitlich gestaltet Soldaten des Korpus Bezpieczeństwa Wewnętrznego (Korps für innere Sicherheit, KBW) gewidmet, die nach dem Krieg „na połu chwały“ (auf dem Feld der Ehre) im Kampf mit antikommunistischen Banditen fielen.

Im Gegensatz dazu liegt hier auch ein entschieden antikommunistisches Ehepaar, er 1920 am Angriffskrieg gegen die Sowjetunion beteiligt, sie 1941 bis 1946 in Sibirien interniert.

Ganz versteckt, nah beieinander unter ebenso regelmäßigen Bäumen, sind viele kleine Steine.

Die Inschriften sind schwer zu lesen, aber sie sind auf Deutsch, Namen gegen Ende des ersten Weltkriegs gestorbener Soldaten unter einem Eisernen Kreuz.

Unvermittelt tritt neben Sowjetbürger, Polen und Franzosen noch der deutsche Kriegsgegner, übriggeblieben aus einem anderen Krieg jedoch.

Und dann ganz links am Rand anders geformte kleine Steine, ebenfalls deutsch beschriftet, aber mit orthodoxem Kreuz und russischen Namen: russische Soldaten aus dem ersten Weltkrieg.

Diese Gräber erinnern daran, daß das damalige Allenstein, anders als die allermeisten anderen deutschen Städte, schon im ersten Weltkrieg sehr nahe bei Kriegsschauplätzen war, aber erklärt ist das nirgends. Die Gräber wirken stattdessen wie zufällig übriggeblieben und sind das vielleicht auch.

So ist auf dem kleinen Friedhof am Rande von Olsztyn von allem etwas und nichts paßt zum anderen, nie ergibt sich ein einheitliches Bild und wie auch, so ist die Geschichte. Aber wenn sich irgendwo darin die schönsten Worte und Ideen – „Socjalizm, wolność, pokój“ (Sozialismus, Freiheit, Frieden) – finden, dann ist das bereits viel wert.

Erkundungen auf Friedhöfen: Eine Inschrift in Olsztyn

In Olsztyn hat sich vom Erbe des Sozialismus noch viel bewahrt, zumal für polnische Verhältnisse, weshalb es auch nicht erstaunen sollte, daß man hier auf einem kleinen Friedhof am östlichen Stadtrand die wohl schönsten Worte in polnischer Sprache, die man noch öffentlich finden wird, liest. Der weiß in schwarze Steinplatten geprägte Text beginnt vertraut, gleichsam langweilig:

„Na cmentarzu tym spoczywa 4262 żołnierzy Armii Radzieckiej poległych w walce z hitlerowskim najezdczą podczas zwycięskiej ofensywy zimowej w 1945 r. na terenie miast i powiatów Olsztyna, Szczytna, Reszla, Jezioran, Biskupca, Nidzicy, Dobrego Miasta, Barczewa” (Auf diesem Friedhof ruhen 4262 Soldaten der sowjetischen Armee, die im Kampf mit dem hitlerischen Eindringling während der siegreichen Winteroffensive 1945 auf dem Gebiet der Städte und Kreise Olsztyn, Szczytno, Reszel, Jeziorany, Biskupiec, Nidzica, Dobre Miasto, Barczewo fielen)

Gerade, wenn man meint, die Liste der Orte wolle gar nicht aufhören, ändert sich der Ton:

„Pamięc o nich zachowana zostanie na zawsze wśród mieszkańców tej ziemi jako wieczysty symbol braterstwa narodów w walce o najpiękniejsze ideie ludzkości“ (Für immer wird die Erinnerung an sie unter den Bewohnern dieses Lands als ewiges Symbol der Bruderschaft der Völker im Kampf um die schönsten Ideen der Menschheit bewahrt werden)

Und als sei das nicht schon genug, werden diese Ideen in einer letzten abgesetzten Zeile noch expliziert:

„Socjalizm, wolność, pokój“ (Sozialismus, Freiheit, Frieden)

Genau so muß ein guter Text geschrieben sein. In nur zwei Sätzen von nüchternen Fakten über aufrichtiges Pathos zu einem Abschluß, der in seiner unerwarteten Stärke zu Tränen rühren kann. Vielleicht schrieb den Text ein Komitee, aber es schrieb wie ein Kommunist. Ihre Wirkung bekommen die Worte auch dadurch, daß sie in Polen so selten sind, und das nicht vor allem wegen späterer Zerstörungen, nein, das Wort Socjalizm findet sich auch auf unverändert erhaltenen Inschriften eigentlich nie. Wenn das in Olsztyn anders ist, dann doch wohl, weil es jemand mehr wollte, als er das staatsoffiziell hätte tun müssen, weil jemand Kommunist war.

Die Inschrift bildet den mittleren und größten Teil einer freistehenden Wand an der rechten Seite des Friedhofs.  Links daneben auf dem niedrigen Sockel im selben schwarzen Stein ist ein kaum merklich vorgesetzter und etwas höherer Teil mit Kreuz und der konventionelleren Inschrift:

„Na kwaterze polskiej spoczywa 290 żołnierzy polskich poległych śmiercią bohaterską w obronie ojczyzny przed nawałą faszystowską“ (Im polnischen Abschnitt ruhen 290 polnische Soldaten, die in den Jahren 1939 bis 1945 bei der Verteidigung des Vaterlands gegen den faschistischen Ansturm eines heldenhaften Todes fielen)

Das christliche Symbol paßt überhaupt nicht zum kommunistischen Text daneben, aber das ist ein typisch polnischer Kompromiß.

Rechts ist ein etwas niedriger Teil mit auf andere Art ungewöhnlicher Inschrift:

„We wspólnych grobach obok żołnierzy polskich spoczywają lotnicy wolnej Francji, którzy oddali swe życie za liberté, egalité, fraternité” (In Gemeinschaftsgräbern ruhen neben den polnischen Soldaten Flieger des freien Frankreich, die ihr Leben für Liberté, Egalité, Fraternité gaben)

Die drei Leitsprüche der französischen Revolution, die über deren bürgerlichen Charakter hinausgehen, treten in Originalsprache neben die drei sozialistischen auf Polnisch und sie passen gut zusammen.

Vor dem mittleren und dem rechten Teil ist noch ein kleiner Quader mit den allen drei Gruppen gemeinsam geltenden Worten:

„Wieczna chwała poległym bohaterom“ (Ewiger Ruhm den gefallenen Helden)

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Ob der rechts frei auf dem Sockel liegende Quader einmal etwas trug, ist ungewiß, aber man will hoffen – und die Inschrift gibt einem das Recht dazu – daß es etwas war, das alles Schönste dieser Denkmalwand noch schöner gemacht hätte.

 

Baumarchitekturen

Der schönste Park in Olsztyn ist vielleicht gar keiner. Gelegen im Süden der Stadt ist er vom Ufer des Flüßchens Łyna ein bewaldeter Hügel, von der Tuwima (Tuwim-Straße) einige Bäume hinter alten Gebäuden mit Satteldächern, die irgendwas zwischen Landwirtschaftlichem und Industriellem, zwischen Bauernhof und Fabrik sind.

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Auch seine nächste Umgebung, zwei Einfamilienhäuser, weitere Schuppen oder Ställe, eine Betonstraße, passen kaum zu einem Park.

Und doch ist es ein Park und nicht etwa ein Wald, zu vielfältig, zu bewußt gewählt und skulptural eingesetzt sind die Bäume. Da ändert es auch nichts, daß die Wege bestenfalls Trampelpfade sind und es keine Bänke und nur einen einzigen Mülleimer gibt. Er entstand im späten 18. Jahrhundert als Teil eines alten Gutshofs und trägt nach diesem heute den Namen Pozorty.

Der Höhepunkt des Parks ist zwangsläufig eine riesige Roteiche, die am Hang zur Łyna einen weiten Bereich ganz alleine einnimmt.

Obwohl ihr Stamm bis unten hin gespalten, eigentlich zwei, drei mächtige Stämme ist, steht sie gerade und hoch. Denn sie ist ein Parkbaum, menschengemachte Natur: vielerlei starke Bänder tun ihr Bestes, den Stamm, die Stämme zusammenzuhalten.

Doch die schönsten Bäume des Parks sind weiter oben auf einer Fläche zwischen den Schuppen. Da ist ein zarter Nadelbaum, wie er im Norden Europas gewiß nicht heimisch ist.

Da ist eine vielstämmige Eiche, die an einen komplizierten Leuchter erinnert.

Und da ist eine Hängebuche.

Was dem Park von Pozorty an Architektur fehlt, um Schloßpark zu sein, muß ihm dieser architektonischste der heimischen Bäume geben. Er muß selbst Schloß werden. Ganz selbstverständlich, daß einer der Wege durch die Hängebuche hindurchführt und sie von der Betonstraße her der Eingangsbau des Parks ist. Wenn man unter das Dach und zwischen die Wände ihrer bis zum Boden hängenden Zweige getreten ist, sieht man, daß auch sie zwei Stämme hat, wobei der kleinere rechte dadurch entstand, daß vor langer Zeit ein Teil des größeren linken umstürzte und neue Wurzeln schlug.

Zwischen den Stämmen ist unten ein mannshoher leicht nach vorne geneigter Rundbogen, als wolle der Baum wirklich Architektur zitieren, und oben verwuchs ein Ast des rechten wieder mit dem linken.

Ein anderer Ast des rechten Stamms wird von einer stählernen Krücke gestützt, aber die Geschichte des Baums zeigt ja, daß er diese menschliche Hilfe nicht braucht.

Menschlich ist die Olsztyner Hängebuche dadurch, daß sie in ihrem Park schützender und verbergender Ort unzähliger Treffen unterschiedlichster Art zwischen Menschen war. Wenn sie schreiben könnte, sie würde Bände füllen. Stattdessen muß das genügen, was Generationen von Besuchern in ihre Stämme ritzten.

Und wenn man auf dem linken Stamm „lato 95“ (Sommer 95) liest, ist das nicht weniger schön und assoziationsreich als das „winter of ’82“  oder „summer of ’69“ der Popsongs.  Dieser Park muß gar keiner sein, um der schönste Park in Olsztyn zu sein.

Olsztyner Höhepunkte: Bahnhof

Der dritte der Olszytner Höhepunkte neben Planetarium und Sowjetischem Ehrenmal empfängt den Besucher sofort, wenn er die Stadt per Zug oder Bus erreicht: der Bahnhof.

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Er besteht aus zwei einfachen zweigeschossigen Teilen, die im rechten Winkel aneinandergefügt sind und sich mit großen, fast durchgängigen Fensterfronten zum Vorplatz öffnen.

Über dem ersten Teil, der nur ganz links eine Wandfläche aus Beton und über den beiden Eingängen dünne aufsteigende Vordächer hat, steht in blauen Leuchtbuchstaben „Dworzec kolejowy“ (Zugbahnhof) und über dem zweiten, der nach links geschlossene Wandflächen im Erdgeschoß und Glas im Obergeschoß hat, „Dworzec autobusowy“ (Autobusbahnhof).

Dazu kommt vor dem Abschluß des zweiten Teils ein elfgeschossiges Hochhaus, das mit diesem im zweiten Geschoß durch einen Brückentrakt verbunden ist. Es hat einen rechteckigen Grundriß, dessen Breitseiten parallel zum zweiten Bahnhofsteil verlaufen. Die ersten beiden Geschosse sind etwas zurückgesetzt und unter der einen Schmalseite mit zwei eckigen Stützen geöffnet, was genau der Höhe des Bahnhofsgebäudes entspricht und einen optischen Übergang von diesem zum Hochhaus schafft. Die neun oberen Geschosse haben Fensterbänder, die kurz vor den Enden der Breitseiten von vertikalen Streben unterbrochen sind. Die Verkleidung unter den Fenstern ist in der so entstehenden Mitte blau und an den Ecken weiß gestrichen.

Parallel zum ersten Teil des Bahnhofs verlaufen die Gleise und von den Bahnsteigen gelangt man durch einen breiten Tunnel und eine Treppe in die langgestreckte helle Bahnhofshalle.

Auf dem Boden sind quadratische Platten aus unregelmäßigen grauen Steinstücken und auch sonst dominiert Stein und Grau. An der Schmalseite über der Treppe, deren quadratischen Verkleidungsplatten aus gemasertem glatten Stein in Schwarz und Rot sind, hängt eine große mechanische Anzeigetafel mit den Abfahrts- und Ankunftszeiten der Züge und eine ziffernlose Uhr.

An der Breitseite gegenüber der Fensterfront ist über den Öffnungen der vielen Fahrkartenschalter roher grauer Beton, auf dem eine große Uhr mit blauem Feld und weißen Ziffern und Zeigern hängt. Abgeschlossen wird dieser Bereich nach rechts von einem raumhohen vertikalen Band mit unregelmäßig horizontal angebrachten Streifen von Steinen in verschiedenen Mustern und Färbungen.

Hinter dem zweiten Teil des Bahnhofs ist der weite Halteplatz für regionale Busse. Parallel zum gesamten Gebäude verläuft ein Bahnsteindach aus Beton, dessen beidseits ansteigende weiße Fläche auf roten leicht abgerundeten und nach oben verbreiterten Stützen ruht. Ein Zwischendach verbindet es  mit der Halle des Busbahnhofs, die etwa quadratisch ist.

Links stehen über den Schaltern die verschiedenen Zielorte und Abfahrtszeiten, rechts führt eine Treppe vor einer Wand mit verschiedenen Steinplatten nach oben. Die übrige Gestaltung entspricht der Halle des Zugbahnhofs.

Das ist Olsztyns Bahnhof, der durch reine Funktionalität zum städtischen Höhepunkt wird. Zug- und Autobusbahnhof sind in einem Gebäude zusammengefaßt und beide zur Stadt geöffnet. Auf dem Vorplatz können Taxis oder Autos Reisende abholen oder hinbringen, am Hochhaus vorbei gelangen sie zur Straßenbahnhaltestelle in der Mitte der großen vorbeiführenden Straße. Damit der Bahnhof nicht allein ist, schenkte ihm das sozialistische Polen ein langes zehngeschossiges Wohngebäude mit Läden im Erdgeschoß direkt gegenüber und ein neungeschossiges Hotel weiter rechts.

Links von ersterem öffnet sich eine die breite Dworcowa (Bahnhofsstraße), die mit fortschrittlicher Wohnbebauung weit in die neuen Wohngebiete hineinführt, während rechts zwischen beiden eine ältere Mietskasernenstraße beginnt, die ins alte Zentrum führt. So wird der Bahnhof ganz zum Tor in die Stadt, während sein Hochhaus von dieser aus gesehen wie ein Turm in der Achse der beiden Straßen steht.

Als er 1971 eröffnet wurde, war Olsztyns Bahnhof der modernste in Polen und Stolz seiner Stadt. Heute ist er von den drei Olsztyner Höhepunkten leider der bedrohteste.

Der Durchgang unter dem Brückentrakt ist abgesperrt, in der Zugbahnhofshalle sind die unteren Teile der Glasfronten mit Ladenbuden zugebaut, in der Busbahnhofshalle ist an der Wand hinter der Treppe Graffiti und in den Bereichen zwischen beiden, wo einst Wartesäle und Restaurants waren, ist nun eine dunkle und halb leerstehende Ladenpassage.

Auch, daß die mechanischen Anzeigetafeln nicht gegen kleinere und störanfälligere Bildschirme ausgetauscht wurden, zeugt leider nicht von Verständnis für den Wert dieser Technik, sondern von Vernachlässigung. In der Tür zum Busbahnsteig hängen schon Pläne für einen neuen „Bahnhof“, der selbstverständlich ein Einkaufszentrum sein soll. Noch ist die Zukunft des Bahnhofs aber unklar und es bleibt zu hoffen, daß sich Olsztyn nicht in selbstzerstörerischer Manier dieses Höhepunkts beraubt.

Olsztyner Höhepunkte: Sowjetisches Ehrenmal

Der zweite der Olsztyner Höhepunkte nach dem Planetarium ist das sowjetische Ehrenmal.

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Unübersehbar hoch ragt es auf. Der hohe Sockel ist aus schwarzen Steinblöcken und die beiden Stelen, die links und rechts auf ihm stehen, sind aus grauen. Beide haben eine quadratische Grundfläche, wobei bei der rechten nur die rechte Hälfte aus sichtbaren eckigen Blöcken besteht. In der linken Hälfte bilden sie die große Skulptur eines sowjetischen Soldaten. Er steht dort mit Uniform und Helm, aus dem Stein hinausgewachsen, im Schritt nach vorne, in der erhobenen linken Hand eine Fahnenstange. Zur Fahne werden die drei unregelmäßigen Stufen im Stein, die nach links noch über den Kopf des Soldaten reichen. Auf der unteren, kaum höher als der Helm, sind Hammer und Sichel, die als einzige eine dritte Farbe ins Ehrenmal bringen: Rot.

Die linke Stele hat auf allen Seiten Linienreliefs im glatten Stein. Zu den drei äußeren Seiten sind Kriegsmaschinen dargestellt, Panzer, Geschütze, Flugzeuge, gepanzerte Züge, oft schräg nach oben oder nach unten zeigend. Auf der vierten Seite aber, die nach innen zum Soldaten zeigt und über die oben ein der Fahne ähnlicher Teil übersteht, sind Vieh, Traktoren, Kräne, Industrieanlagen zu sehen.

Die Symbolik ist so einfach wie angemessen: außen die Waffen, mit denen das Innere, die Produkte des sozialistischen Aufbaus, verteidigt werden. Neben diesen der Verteidiger, riesen- und heldenhaft unter dem Banner mit Hammer und Sichel.

Dieses sowjetische Ehrenmal steht mitten im Zentrum von Olsztyn, abseits der einstigen Aleja Zwycięstwa (Allee des Siegs) und heutigen Piłsudskiego (Piłsudski-Allee), die vom Rathausklotz herkommt und zum Platz beim Planetarium weiterführt. Es steht damit heute in einer gänzlich feindseligen kapitalistischen Stadt.

Links ist ein monströses backsteinernes Gerichtsgebäude, mit dem sich der kapitalistische preußische Staat repräsentierte, rechts ist ein Einkaufszentrum, das gut den kapitalistischen polnischen Staat repräsentiert. Der Vorplatz des Ehrenmals ist nunmehr ein Parkplatz, auf dem aber immerhin der mittige steingepflasterte Weg freibleibt. Aufschriften gibt es keine.

Doch all das macht gar nichts, denn das sowjetische Ehrenmal von Olsztyn ist ein so großes sozialistisches Kunstwerk, daß es dennoch Mittelpunkt seiner Umgebung bleibt. In der Beschreibung fehlte zudem noch sein wichtigster Teil: seine Mitte. Vom Weg her führt eine breite Treppe aus schwarzem Stein geradeaus auf die erhöhte Fläche des Sockels zwischen den Stelen, während von der anderen Seite zwei kleinere Treppen von rechts und links am Sockel entlang nach oben führen. Zwischen den friedlichen Reliefs und dem schützenden Soldaten wird man selbst zur Mitte des Ehrenmals. Hier begreift man auch, wieso es an gerade dieser Stelle und nicht anderswo steht. Hinter einem liegt die kapitalistische Stadt, doch vor einem eröffnet sich ein ganz anderes Panorama: über einen weiten Park im folgenden Tal sieht man, zumindest im Winter, drei Wohnhochhäuser eines entfernten Wohngebiets.

Weit rechts steht die Kościół Św. Jakuba (Jakobskirche), die backsteingotische Hauptkirche der wiederaufgebauten Olsztyner Altstadt.

Aus Autorenkollektiv: Polen, Leipzig 1969

Das sowjetische Ehrenmal ist wie ein Portal, durch das man von einer schlechteren Version der Stadt in eine bessere tritt, oder wenigstens wie ein magischer Bilderrahmen, durch den man einen Blick in eine bessere Zukunft werfen kann. Die Erinnerung an die zurückliegenden Kämpfe und die Befreiung durch die sowjetische Armee steht symbolisch an der Schwelle zum Neuen. Und jeder ist eingeladen, diese Schwelle zu übertreten. Das Ehrenmal daher steht völlig frei und ist von überall gut zugänglich. Obwohl die der Straße zugewandte Seite betont ist, ist sie nur eine von vielen Möglichkeiten, es zu betrachten. Hammer und Sichel etwa sind von der anderen Seite besser zu sehen.

Mit seinem sowjetischen Ehrenmal hatte Olsztyn doppeltes Glück: daß es in so gelungener Form errichtet und zum städtischen Höhepunkt gemacht wurde und daß es noch immer existiert.

Olsztyner Höhepunkte: Planetarium

Der erste der Olsztyner Höhepunkte ist das Planetarium, das seinerseits zum wichtigsten Platzensemble aus der sozialistischen Zeit gehört. Links nach der Kreuzung der von der Altstadt kommenden Aleja Zwycięstwa (Allee des Siegs, heute Aleja Piłsudskiego, Piłsudski-Allee) und der vom Bahnhof kommenden Kościuszki (Kościuszko-Straße) steht quer ein achtgeschossiges Bürogebäude mit großem Sockelbau und Terrassen unter aufgestützten Leisten an den Seiten des Dachs, heute wie zur Erbauungszeit Sitz einer Bank.

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Davor öffnet sich nach einer Querstraße links der großen Straße ein Platz, der von einem langgestreckten viergeschossigen Verwaltungsbau, hinter dem es bereits in neuere Wohngebiete geht, abgeschlossen ist, heute Sitz der Stadtverwaltung, früher der PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei).

Heute ist der Platz als Plac Solidarności (Solidarnośc-Platz) vor allem ein Parkplatz, in den erst im oberen Teil am ansteigenden Hang ein kahler Bereich mit Bänken und Denkmal gesetzt ist, das mit weißem Adler und „Bóg, honor, ojczyzna“ (Gott, Ehre, Vaterland) ein denkbar uninspirierter Ausdruck des polnischen Nationalismus ist.

Rechts der Straße war früher ein Park, während gegenwärtig ein Einkaufszentrum gebaut wird. Besonders gelungen war der Platz leider wohl nie, immer war er zu sehr von der großen Straße zerrissen.

Höher am Hang auf der rechten Seite, oberhalb des Parks und nur etwas unterhalb der Hügelkuppe, steht das Planetarium, das bei der Eröffnung 1973 den schönen Namen Planetarium Lotów Kosmicznych (Raumflugplanetarium) trug. Breite Treppenanlagen führen entlang der Straße zwischen Nadelsträuchern zu ihm hin.

Es ist einfaches zweigeschossiges Gebäude mit steinverkleidetem Erdgeschoß und leicht überstehendem Obergeschoß, aus dem oben die große Kuppel ragt, Rundes auf Eckigem. Neben dem breiten Eingang steigt eine Treppe nach rechts zu einer Terrassenebene höher am Hang an, wo nunmehr flache Anbauten des Planetariums sind. Zwischen dem eigentlichen Planetarium links und einem verglasten Teil rechts, wo heute eine Bibliotheksfiliale ist, führt ein Durchgang unter schmalen Betonlamellen in einen Innenhof. Und auf einmal sind da nur noch Farben und Formen.

Die ganze gegenüberliegende Wand ist eingenommen von einem großen Kunstwerk aus unterschiedlich großen quadratischen weißen Emailleplatten mit größeren und kleineren halbrunden Vorwölbungen oder flachen Flächen, die mit konzentrischen Kreisen in verschiedenen Farben bemalt sind.

Es sind diese Farben, die so erstaunen, Farben, die auch an den grauesten Tagen leuchten, Farben oft, die man aus der Natur nicht kennt, aber auch aus Photographien nicht, Neonfarben, wie man sie in Ermangelung einer besseren Alternative nennen will. Rechts ist dieses unregelmäßige abstrakte Muster auf etwa zwei Dritteln der Länge von einer Szene auf glatten Platten unterbrochen: Oben eine grüne und unten eine blaue rechteckige Fläche, die zueinander hin dunkler werden, und darin im rechten Drittel zwei übereinandergesetzte rosa Kreisflächen, die an der Grenze der eckigen Flächen so aufeinandertreffen, daß ihnen jeweils ein Stück fehlt. Darauf zeigen von links oben ein kleiner roter und von mittig unten ein größerer grüner Pfeil, unter dem ein rosa vertikaler Streifen und ein nach rechts abfallendes vielfarbiges Wellenmuster bis zum unteren Rand verlaufen.

Die größten Teile des Kunstwerks sind im besten Sinne abstrakt. Die bunten Kreisformen sind äußerst dekorativ und man findet in ihnen durch die Anbringung im Planetarium dennoch sofort Astronomisches, sieht Ringplaneten und ferne Sonnen. In der zentralen Szene wird es dann beinahe gegenständlich, denn in ihr muß man geradezu einen Sonnenunter- oder -aufgang über dem Meer sehen. Das Kunstwerk hat etwas vage Psychedelisches, Poppiges, das man so in Polen nicht erwartet. Der gut lesbare Name unten im rosa Streifen lautet Stefan Knapp und eine Tafel daneben erläutert, daß er ein in England arbeitender polnischer Künstler war. Das paßt, das Kunstwerk kann man sich leicht im Swinging London vorstellen.

Knapp war nach dem Krieg aus antikommunistischer Überzeugung in England geblieben, hatte sich dort zum Künstler ausgebildet und in den Fünfzigern eine Technik entwickelt, Emaille auf Stahlplatten aufzutragen. Er war auch ein dezidiert westlicher, bürgerlicher, kapitalistischer Künstler. Seine bekanntesten Werke dienten zur Dekoration von Alexander’s-Kaufhäusern in New Jersey und New York. Hatte er in den Fünfzigern noch im damals populären Stil des abstrakten Expressionismus gearbeitet, so fand er in den frühen Sechzigern zu den auch in Olsztyn zu beobachtenden Formen, die der damals populären Op Art zugeordnet wurden. Das Kunstwerk im Planetarium schenkte Knapp, der seiner alten Heimat offenbar verbunden blieb, der Stadt Olsztyn zum fünfhundertsten Geburtstag von Kopernikus im Jahre 1973. So konnte man damals in New York und Olsztyn ganz ähnliche öffentliche Kunstwerke betrachten.

Die Stadt zeigte sich des Geschenks würdig. Nachdem man den Schock der Farben überwunden hat, kann man feststellen, daß der ganze Innenhof die Vorgaben des Kunstwerks aufgreift.

In der Mitte ist eine runde Pflasterfläche, in der drei verschieden große glatte Steinkugeln stehen und im Sommer einen Springbrunnen offenbaren, alle Beete haben abgerundete und gewellte Formen und sogar das schmiedeeiserne Tor des Hofs besteht aus einem Quadratraster mit runden Formen.

Dazu ragt links die Kuppel des Planetariums auf.

Was von außen eine ganz sachliche Verbindung war, wird hier zum umfassenden künstlerischen Programm: das Runde im Eckigen.

Man kann den oberen Teil des Planetariums auch als Tempel begreifen, der dem Kunstwerk als einer aus der Fremde gekommenen und nur halb verstandenen Reliquie gebaut wurde. Er verbindet das beste beider Welten und beiden tut es gut, der kapitalistischen Kunst die sozialistische Architektur und andersherum. Stefan Knapps Werk erging es in dieser Umgebung auch besser als an den New Yorker Kaufhausfassaden, denn die betreffenden Gebäude wurden nach dem Konkurs der Kette in den Neunzigern abgerissen und die einzelnen Emailleplatten bestenfalls in private Sammlerhände zerstreut. Es ist geradezu ironisch: Knapps Technik erlaubte es, beinahe unzerstörbare Kunst zu schaffen, doch der Kapitalismus zerstört alles vor seiner Zeit. Die Kunst braucht den Sozialismus.

Das Olsztyner Planetarium ist ein Höhepunkt der Stadt, aber sie endet mit ihm noch nicht. Wenn man nämlich auf der Terrassenebene um seine oberen Teile weitergeht, sieht man jenseits einer als Park gestalteten Senke auf dem nächsten Hügel die ersten Gebäude eines fortschrittlichen Wohngebiets. Es ließe sich sagen, daß das neue Olsztyn mit dem Planetarium erst beginnt und so sollte es ja mit jedem Höhepunkt sein.

Vergißmeinnicht in Olsztyn

Es ist eigenartig mit den Einzelhandelsketten der ehemaligen sozialistischen Staaten: ihre Namen sind einerseits stark mit einer vergangenen Epoche verbunden, doch andererseits gibt es sie in manchen Formen noch immer. In Dresden oder Leipzig beispielsweise findet man Konsum, vielerorts in Tschechien Jednota – und in Olsztyn Społem. Wie die beiden anderen Konsumgenossenschaften in den Nachbarländern im Westen und Süden geht auch diese auf die Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts zurück, erlangte ihre dominierende Größe und Bedeutung aber erst im Sozialismus. Aus dieser Zeit stammt auch das markante Logo, das mit dem wie in der Schreibschrift über den Buchstaben gesetzten und noch verlängerten Strich des ł für Ausländer kaum zu entziffern ist. Das Wort bedeutet „zusammen“, aber in solch altertümlicher Sprache, daß es auch unter Polen nicht mehr allgemein verstanden wird.

Społem Olsztyn hat mitten im Stadtzentrum ein Bürogebäude, in dem es selbst im Erdgeschoß bloß eine Bäckerei betreibt, während die übrigen Teile etwa von einem KFC-Restaurant eingenommen werden. Aber das eigentliche Herz von Społem Olsztyn befindet im Stadtteil Zatorze, dessen weit weniger zentrale Lage man bereits daran erkennt, daß sein Name übersetzt etwas wie „Hinter den Gleisen“ bedeutet.

Es ist ein großer Supermarkt, nein, eine Kaufhalle, wie sie zum Namen paßt. Ein Bau, wie er so oder ähnlich auch einen Konsum oder einen Jednota beherbergen könnte: rechteckiger Grundriß hinter einem Parkplatz an der großen Straße Jagiellońska, vorne, das heißt hier an der rechten Schmalseite der verglaste Eingangsbereich und um das flache Dach ein breites Band aus vertikal geriffeltem Wellblech. Dieses Band ist hier weiß und hat in der Mitte horizontale Streifen in den Farben des Regenbogens. Schwer zu sagen, wer wann die Idee zu dieser Farbgebung hatte, aber sie ist es, die sogleich alle Blicke auf das Gebäude zieht.

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Auf dem Dach stehen beim Ende der Breitseite kurz vor der Ecke große Buchstaben, die zuerst in Weiß das Społem-Logo und dann in Blau das Wort „Niezapominajka“ bilden. Vergißmeinnicht heißt diese Kaufhalle, ein Name, der von der Blume kommt, aber heute unweigerlich eine weitere Bedeutung bekommt. „Vergiß meiner nicht!“ fordert Społem auf in altertümlichem Deutsch, das in hundert Jahren für den Betrachter ebensoweit entfernt sein wird wie der Sozialismus im Polen oder Deutschland des 20. Jahrhunderts. Aber heute, wie könnte man heute vergessen, was so deutlich noch zu sehen ist?

Und die Społem-Kaufhalle ist nicht allein. Bei ihrem Beginn links steht ein elfgeschossiges Hochhaus quer zur Straße und bricht zum ersten Mal die Blockrandbebauung auf, bevor es sich mit Läden im Erdgeschoß zu Niezapominajka überleitet.

Rechts von ihr hingegen führt ein Weg an ihrer Eingangsseite vorbei und durch einen Durchgang in einem sehr langen fünfgeschossigen Gebäude in ein Wohngebiet hinein.

Es ist so ein kleineres, perfekt in seine Umgebung eingepaßtes Wohngebiet mit fünfgeschossiger Bebauung, wie es der PRL (Volksrepublik Polen) immer sehr gut gelang. Sobald man durch den Durchgang getreten ist, befindet man sich in einer anderen Welt. Fern plötzlich der Lärm und die Enge der überkommenen Stadt. Stattdessen Ruhe und Grün, links quer zur Puszkina (Puschkin-Straße) aufgereihte Gebäude, rechts drei parallel zu ihr, die jeweils etwas näher nach links rücken und mit der leicht abfallenden Neigung Bewegung in die schematische Struktur bringen.

Weiter nach links Verbindungen in andere Teile des Wohngebiets, unten als Abschluß einige Punkthäuser und ein Weg durch einen alten, nicht mehr genutzten Friedhof, der schon vorher von rechts sein Grün schenkte, in einen Park und weiter.

Społem Niezapominajka also steht an einer Schnittstelle, einem Scharnierpunkt. Es dient an der Grenze zwischen alter und neuer Stadt beiden in gleichem Maße. Das, mehr als nostalgische Freude an Einkaufen wie im Sozialismus, gibt der Kaufhalle ihren Wert. Sie ist nicht nur sie selbst, sondern Teil eines größeren Ganzen. Sie ist eine sozialistische Kaufhalle. Dafür kann man auch über Unangenehmeres wie die ausgeschilderte Einkaufskorbpflicht, die von den rotbekittelten Verkäuferinnen vielleicht auch durchgesetzt würde, hinwegsehen.

Das heutige Einkaufen in Polen sieht man übrigens direkt rechts nebenan, wo ein Biedronka ist, eine von portugiesischem Kapital getragene Discountkette mit polnischem Namen.

Das Gebäude sieht irgendwie aus und hat weder zu der neuen Blockrandbebauung weiter rechts an der Straße noch zu irgendetwas anderem einen Bezug. Das ist der polnische Kapitalismus, die polnische Gegenwart. Wie gut, daß man Społem in Olsztyn nicht vergessen muß.