Archiv der Kategorie: Architektur

Eine Bank in Groningen

Das Gebäude, das 1958 für die Amsterdamsche Bank (Amsterdamer Bank) am Grote Markt (Großen Markt) in Groningen gebaut wurde, ist auch heute noch eines der markantesten der Stadt. In der Mitte der Nordseite des Platzes stehend, ist es das aber auf viel subtilere Weise als die monumentale Tempelfassade des Rathauses oder der hohe, in drei steinernen und zwei kupfernen Stufen ansteigende Turm der Martinikerk (Martinskirche), die seine Nachbarn sind.

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Die sechs vor dem leicht zurückgesetzten Erdgeschoß stehenden eckigen Stützen setzen sich hinter den großen Fensterflächen der drei weiteren Geschosse fort und tragen schließlich mit etwas Abstand zum obersten Geschoß ein dünnes leicht aufsteigendes und leicht überstehendes Betondach. Die weißgraue Steinverkleidung der Stützen im Erdgeschoß ist in den horizontalen Bändern, die die Geschosse optisch trennen, wieder aufgenommen. In der rechten Hälfte des zweiten Geschosses ragt ein kleiner quadratischer Balkon hervor und in regelmäßigem Abstand im vierten Geschoß drei weitere. Alle sind unten mit dem weißgrauen Stein verkleidet sind. Ansonsten sind da nur Glas und türkisgrüne Farbakzente, die einen Kontrast zu Stein und Beton bilden.

Schon im Vordach des links angeordneten Eingangs, in einigen der dünnen Fensterrahmen und in den dünnen Stahlgeländern der Balkone erscheint dieses Türkisgrün. Quadratische Flächen in derselben Farbe sind auch im überstehenden Dach und wenn man nahe genug herantritt, sieht man, daß auch die Gitterböden der Balkone so gefärbt sind und zu weiteren farbigen Quadraten werden.

Das Gebäude ist geradezu darauf ausgerichtet, von Nahem, mit hinaufgehendem Blick betrachtet zu werden. Heute, da der Grote Markt halbwegs vom Verkehr befreit ist, und man das Gebäude aus jeder beliebigen Entfernung so lange man will anschauen kann, erscheint das sinnlos, aber zur Entstehungszeit, als davor eine Straße und ein schmaler Gehsteig verliefen, war es das keineswegs. So erzählt die Architektur des Gebäudes nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch die des umliegenden Stadtraums.

Daß dieses Gebäude und seine aus derselben Zeit stammenden Nachbarbauten überhaupt so gebaut wurden, hat wiederum mit der Geschichte der Kämpfe um die Stadt im April 1945 zu tun. In den Gebäuden der Nord- und Ostseite des Platzes hatten sich deutsche Truppen verschanzt und die kanadischen Befreiungstruppen hatten Panzer einsetzen müssen, um sie zu besiegen. Die beiden Platzseiten, nicht aber die nahe Kirche oder das Rathaus, wurden dabei völlig zerstört.

Die Amsterdamsche Bank wird sicher wenig darüber getrauert haben, daß ihre vorherige Filiale, ein expressiver Backsteinbau aus den Zwanzigern, durch eine neue, modischere ersetzt werden konnte. Sie zeigte sich dabei als ein architektonisch fortschrittlicherer Teil des Kapitals. Wie anders es hätte sein können – und damit die Beliebigkeit kapitalistischer Architektur – beweißt der backsteinverkleidete Eckbau rechts daneben, der sich mit einer Skulptur wohl auf die Kirche beziehen sollte.

Schließlich erzählt die Bankfiliale in Groningen noch die Geschichte der Konzentration des Bankwesens in den Niederlanden. Sie wurde errichtet für die Amsterdamsche Bank, doch diese schloß sich schon wenig später mit der Rotterdamsche Bank (Rotterdamer Bank) zur Amsterdam Rotterdam Bank, besser bekannt als AMRO, zusammen, aus der später die noch heute bestehende ABN AMRO wurde. Und fast scheint es, als habe das Gebäude nur darauf gewartet, denn seine türkisgrüne Farbakzente passen so gut zum gegenwärtigen Logo von ABN AMRO, daß sie fast wie Teil einer Corporate Identity wirken.

Architektonisch ist die Bank in Groningen nicht mehr und weniger als ein Bürohaus der Fünfziger, Teil der Blockrandbebauung, ein Kleinod, mit dem sich der Kapitalismus dieser Zeit repräsentierte. Es hat dabei eine Sensibilität für Details und ein Talent, vorgeblich sachliche Architektur edel wirken zu lassen, die es zum würdigen Vertreter ebendieser Architekturperiode machen.

Gerade wird das Gebäude umgebaut, ABN AMRO ist nach nebenan gezogen und schon verschwunden ist das Kleinod im Kleinod, das aus weißgrauem Stein gehauene abstrakte Relief im Balkon des zweiten Geschosses. Markant ist es noch immer.

Die Verfälschung von Schönbrunn

Man kann Schönbrunn von außen sehen – kostenlos – oder man kann Schönbrunn von innen sehen – wenn man gewillt ist, in einer Schlange anzustehen, mindestens 14,20 Euro zu zahlen, in Räumen mit dem Charme eines Provinzflughafens in einer zweiten Schlange anzustehen und sich mit unzähligen anderen Besuchern durch die Säle treiben zu lassen. Ob sich das lohnt, muß jeder selbst entscheiden. Was man auf jeden Fall nicht sehen wird, ist  – Schönbrunn.

Denn das Einzige, was dieses Monstrum von einem Schloß interessant machen könnte, ist, wie es das Außen und das Innen verbindet und das ist bei seiner heutigen Präsentation nicht mehr erlebbar.

Aus Schütz, Manfred/Frenzel, Reiner: Paläster und Schlösser in Europa, Leipzig 1970 (Bilder zum Vergrößern anklicken)

Heute sieht man Schönbrunn entweder von außen als die Seite des Vorhofs oder die Seite des Parks, die durch eine lange Wegstrecke voneinander getrennt sind, oder von innen als eine Abfolge künstlich beleuchteter und mit Holzjalousien abgeschlossener Säle. Doch beides ist nicht, was Schönbrunn sein will. Es ist kein Hindernis zwischen Vorhof und Park, sondern eine Verbindung. Es ist kein museal abgeschotteter Innenraum, sondern nach außen geöffnet.

Man kann ersteres erahnen, wenn man in der Mitte der Hofseite vor der heute verglasten Einfahrt steht und durch das Schloß über die Weite des Parks, über den Neptunbrunnen und den Hang bis zur Gloriette schaut. Diese Einfahrt und der Erdgeschoßbereich, den man als Halteplatz für Kutschen mit einem Busbahnhof vergleichen kann, sind der architekturgewollte Weg vom Vorhof in den Park.

Man kann zweiteres erahnen, wenn man an einer der beiden Seiten auf den Balkonen vorm zweiten Geschoß steht und durch die Jalousien in die Säle und durch sie hindurch zur anderen Seite schaut. Die hohen Fenstertüren weit geöffnet zu den Balkonen und ihren in Vorhof und Park herabführenden Freitreppen, das Außen ins Innere hineinholend, so sind diese Säle gedacht.

Erahnen also kann man Schönbrunn, erleben aber nie. Nie wird man zu Fuß oder in einer Kutsche vorm Vorhof durch den dunklen Bauch des Schlosses kommenund sehen, wie sich vor einem der Park öffnet. Nie wird man vom Saal auf den Balkon treten und statt der Deckenmalereien den Himmel über sich sehen. So, wie Schönbrunn heute präsentiert wird, wird es verfälscht. Ein Ganzes wird zerrissen, in sinnlose Teile zerlegt. Mag sein, daß das schwer zu ändern wäre. Sogar wenn das kapitalistische Bedürfnis, daran Geld zu verdienen, wegfiele, wäre den vielen Tausenden von Besuchern ein Wechseln zwischen Saal und Balkon kaum zu ermöglichen. Der Weg durchs Erdgeschoß dafür wäre leichter zu öffnen.

Nun ist es nichts Schlechtes, im Gegenteil sogar, ein altes Gebäude auf neue Arten zu erschließen, es in einen neuen Kontext zu setzen. Zur Verfälschung wird es erst dadurch, daß es so nichts dazugewinnt, sondern verliert. Denn die heutige Präsentation weitet dem Besucher den Blick auf Schönbrunn nicht, sondern verengt ihn. Sein Innen wird durch sie zu weltabgewandtem k.u.k.-Kitsch, sein Außen zur leeren Fassade. Verloren geht dabei die mögliche Erkenntnis, daß dieses Schloß in funktionaler Hinsicht gar nicht so anders ist als manches, was der Besucher aus dem Alltag kennt. Viele konnten schon transparente Räume, von denen man in Gärten tritt, oder Busbahnhöfe unter Gebäuden erleben, wenige dachten dabei an Schönbrunn. Es wäre zu zeigen, wie viel von dem, was einst dem allerreichsten Adel vorbehalten war, heute Allgemeingut ist, doch das Gegenteil geschieht.

Denn einiges des Alten und Fremden an Schönbrunn ist das Ergebnis einer Verfälschung.

Zwei Arten von Stadt

Es gibt nur zwei Arten von Stadt, grundsätzlich. Zwischen den Straßen Bolesława Krzywoustego und Piastowska in Przymorze im Norden von Gdańsk sind sie nebeneinander zu betrachten.

Die erste Art von Stadt wird hier vertreten von „Oliwa Park“. Der Name ist bezeichnend, weil an ihm nichts stimmt: diese Wohnanlage ist nicht in Oliwa und sie ist ganz bestimmt kein Park.

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Sie besteht aus grau-weißen fünfgeschossigen Gebäuden in irgendwelchen modisch minimalen Formen, die irgendwie um Parkplätze und private Gärten angeordnet sind. Um sie herum ist ein Zaun. Nichts gibt sie der umliegenden Stadt, niemand kann sie durchqueren.

Die zweite Art von Stadt wird hier vertreten von einem namenslosem kleinen Wohngebiet, das schon nicht nur administrativ Teil von Przymorze ist. Es besteht aus längeren fünfgeschossigen Gebäuden und sechsgeschossigen Punkthäusern, zwischen denen öffentliche Grünflächen und Parkplätze sind.

Direkt nach dem Zaun von „Oliwa Park“ führt ein Weg von der Bolesława Krzywoustego zur Piastowska. Von diesem Weg zweigt ein anderer ab und führt durch eine Grünfläche auf einen Durchgang im längsten Gebäude des Wohngebiets zu.

Danach setzt er sich fort als leichter Bogen entlang der Schmalseiten links aufgereihter Gebäude, während die Parkplätze rechts durch Bäume und eine niedrige Steinmauer abgetrennt sind.

Er endet zwischen den Punkthäusern an der Ecke Piastowska/Chłopska, wo eine Ladenzeile ein winziges, aber wertvolles Zentrum bildet.

Der Bezug dieses Wohngebiets zur umliegenden Stadt ist voller Zärtlichkeit. Es nimmt den Fußgänger auf und leitet ihn sanft durch sich hindurch. Für ein Stück seines Wegs behütet es ihn liebevoll, ohne sich ihm je aufzuzwingen. Der Durchgang durch das Gebäude hat dabei etwas geradezu Erotisches. Er ist genau dort, wo er sein muß, und läßt einen ungehindert ins weitere Wohngebiet eindringen.

Das Ladengebäude an seinem anderen Ende verbindet zwei der Punkthäuser und hat einen Durchgang, durch den man von der großen Chłopska kommend genauso selbstverständlich tritt.

So bilden die Durchgänge die beiden Enden oder Anfänge des Wohngebiets und der Weg zwischen ihnen ist klar definiert. Aber er ist zugleich nur einer von vielen möglichen Wegen. Immer kann man auch anders gehen, der Raum zwischen den Gebäuden ist offen.

Auf seine Art ist das Wohngebiet perfekt. Für sich selbst genommen ein harmonisches Ganzes, tut es doch alles, wertvoller Teil eines größeren Ganzen, der Stadt, zu sein und es liegt an dieser, ebenso harmonisch zu werden. In „Oliwa Park“ gibt es von all dem keine Spur. Auch, wenn man seinen Zaun wegrisse, bliebe es noch ein Hindernis, da es ohne jeden Bezug auf die umliegende Stadt gebaut ist.

Die beiden grundsätzlichen Arten von Stadt sind absolute Gegensätze. Die erste ist schlecht, die zweite ist gut. Die erste ist die kapitalistische Stadt, die zweite ist die sozialistische Stadt.

Das neualte Hradec Králové

Die eigentümlichsten Gebäude in Hradec Králové stammen aus einer Zwischenzeit: den frühen zwanziger Jahren. Sie füllen einige Straßenzüge jenseits der Elbe gegenüber der Altstadt. Was genau an ihnen so eigentümlich ist, läßt sich zuerst kaum sagen. Es ist Blockrandbebauung, die Formen sind mit allerlei reduzierten Streben und Pilastern an historischen Mustern orientiert, ohne direkt historistisch zu sein – das sieht man häufig.

Plötzlich aber merkt man, was nicht stimmt: die Bebauung ist zu einheitlich, zu gleichmäßig. Eine ganze Straßenseite, noch eine Querstraße, vielleicht sogar die gegenüberliegende Seite können von Gebäuden mit den gleichen Schmuckformen eingenommen werden. Vielleicht gibt es Variationen, doch die bemerkt man kaum. Diese Einheitlichkeit paßt nicht in die kapitalistische Stadt, wo üblicherweise kein Gebäudes dem daneben gleicht, da jedes entsprechend den Wünschen eines privaten Eigentümers gestaltet wurde.

Die Erklärung dafür, daß es in diesem Teil von Hradec Králové anders ist, liegt eben in der Zwischenzeit, in der er entstand. Die Stadterweiterung von der Altstadt in Richtung der Arbeitervorstadt beim Bahnhof hatte in der österreichischen Zeit nur zaghaft begonnen, wie etwa die Jugendstilbauten in der Straße Havlíčková zeigen. Die sehr junge Tschechoslowakei forcierte sie dann. Die Entstehung dieses neues bürgerlich-demokratischen Staates aus den Resten der alten Monarchie erweckte Hradec Králové, sie war sogar wichtiger als es die nicht lange zurückliegende Schleifung der Festungsmauern. Vielleicht wegen Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen, sicher aber auch durch massive Förderung durch Stadt und Staat, galten dabei für eine Weile die üblichen kapitalistischen Gesetze nicht mehr und es entstanden diese großen einheitlichen Straßenzüge.

Was so in sehr kurzer Zeit entstand, war jedoch keineswegs eine neue Architektur oder Stadtplanung. Die Blockrandbebauung, die Straßenstruktur und der Masarykovo náměstí (Masaryk-Platz) in der Mitte wären auch zehn Jahr zuvor unter österreichischen Bedingungen nicht anders geworden. Bloß hätte der Platz schon zu dessen Lebzeiten nach dem Kaiser gehießen statt nach dem ersten tschechoslowakischen Präsidenten Masaryk – ebenfalls zu dessen Lebzeiten.

Auch die Formen der Gebäude sind nicht eigentlich neu. Die einzige Sorge der Architekten scheint die Anordnung der Ornamente und Skulpturen zu sein. Sie finden dabei auch interessante Lösungen, wie etwa bei dem genannten großen Gebäude an den Straßen Klumparová und Střelecká. Seine Fassade ist von horizontalen und vertikalen dreieckig vorragenden Streben strukturiert und in einigen der dazwischen entstehenden Flächen sind Skulpturen, durchaus aber nicht in allen.

So haben die Skulpturen hier keine herausgehobenen Plätze, sondern müssen sie sich in der Fassadenstruktur gleichsam erst suchen. Ähnlich ist es bei einem anderen Gebäude, wo die angedeuteten Pilaster Vertiefungen sind, in denen Fruchtkörbe und nackte Frauen aus Stein stehen wie auch wirkliche Frauen oder Körbe stehen könnten.

Es ist, als würde hier ein Realismus in der Fassadengestaltung gesucht, den nie jemand vermißt hatte.

Letztlich ist dieser Teil damit eine bruchlose Fortführung des in den österreichischen Ländern so starken Postjugendstils der Vorkriegsjahre. Aber eben nicht von dessen fortschrittlichsten Aspekten. Er ist nicht Otto Wagner oder jedenfalls nicht Otto Wagner von 1910, sondern bestenfalls einer seiner mediokreren Schüler von 1890. Er ist eine verpaßte Gelegenheit, eine verspätete Fortführung des 19. Jahrhunderts in Städtebau wie Gebäudeformen. Doch die Zwischenzeit, in der er entstand, dauerte auch in Hradec Králové nicht lange, es wurde in ihr bloß ungewöhnlich viel gebaut.

Direkt an diese Bebauungt angrenzend, gar nicht weit vom Masarykovo náměstí, entstand ein weiterer Platz. Er bildet ein langgestrecktes Rechteck entlang einer großen Straße, die auf die Altstadt zuführt.

Die Eckbauten beidseits der Straße sind jeweils besonders hervorgehoben. An der näher bei der Altstadt liegenden Seite sind es mächtige sechsgeschossige Gebäude, die mit ihrer schnörkellosen kubischen Form, ihrem weißen Putz und ihren großen quadratischen Fenstern schon ein enormer Kontrast zur vorigen Bebauung sind.

An der anderen Seite sind es Hochhäuser oder wären das gerne.

Nach einem zweigeschossigen Sockel mit heller Steinverkleidung und großen Glasflächen markiert ein umlaufendes Vordach den Übergang zu fünf weißgetünchten Geschossen. Die Ecken des ansonsten kubischen Baukörpers sind dadurch betont, daß im dritten bis fünften Geschoß zur Straße hin ein abgerundeter Erker vorgesetzt ist, auf dem oben eine kleine Terrasse ist.

Diese Eckbauten sind Tore, durch die man die Vergangenheit verlässt und in die kapitalistische tschechoslowakische Gegenwart tritt.

Der Platz ist dann geprägt von nur zwei weiteren Gebäuden. Das erste steht in der Mitte der Seite, wo die Straße verläuft. Eine Verkleidung aus Sandsteinplatten, die Seiten satteldächig an die unscheinbaren Nachbarbauten anschließend, in der breiten Mitte ein vorgesetzter Erdgeschoßteil mit Balkon, der zwar stark verglast ist, aber eher durch den ihn rahmenden glatten Sandstein wirkt, darüber hohe vertikale und ebenfalls von glattem Sandstein gerahmte Fenster, zwei weitere Geschosse, die schon über den Beginn der Satteldächer hinausragen, und eine große horizontale Giebelfläche, in deren Mitte ein großes Sandsteinrelief hängt. Es zeigt allerlei Geschäftigkeit, die die Textilproduktion darstellen soll, unter dem Schutz von Merkur, dem Gott des Kapitalismus.

In dem Gebäude saß die Verwaltung des Textilunternehmens Steinský-Sehnoutka und es ist auch ein recht typisches tschechoslowakisches Bürogebäude seiner Zeit. Sein reduziert monumentaler Stil ist einer, mit dem sich konservative Teile des Kapitals immer gern schmücken.

Das wichtigste Gebäude des Platzes steht an seiner anderen Seite und es nimmt sie vollständig ein. Auf einem Sockel aus einem Erdgeschoß mit Geschäften, Vordächern aus Beton und Glasbausteinen und einem gänzlich verglasten zweiten Geschoß sitzen drei Geschosse mit horizontalen, fast schon als Bändern wirkenden Fenstern.

Es ist ein äußerst sachlicher und schlichter Bau, der in vielem das Gegenteil des Textilpalasts gegenüber ist. Vertikales fehlt hier völlig. Wollte man Ansätze von klassischer Monumentalität, so vielleicht darin, daß es symmetrisch aufgeteilt ist, ein weiter Teil des Obergeschosses leicht vorgesetzt ist, das Dach dort leicht übersteht und über dem in der Mitte liegenden Eingang ein großes Steinrelief ist.

Aber gerade die Eingangssituation zeigt den Kontrast zum gegenüberliegenden Bau. Glasflächen in einem mit glattem schwarzen Stein verkleideten Rahmen, darüber das Relief mit sechs allegorischen Figuren, darunter wieder Merkur, die teils Atlanten für den überstehenden Teil eher zu spielen scheinen, wie eine der beiden Frauen in der Mitte spielerisch mit einem geflügelten Rad über den halben Erdball zwischen ihnen zu fahren scheint. Während man hier noch aufblicken muß, hat man im Foyer direkt vor sich ein großes Glasbild, das in unaufdringlichem Realismus Szenen des Reisens mit der Eisenbahn, aber auch mit dem Schiff und sogar dem Flugzeug zeigt.

Monumental ist dieses Gebäude nur durch seine schlichte Länge und seine dominante Position auf dem Platz. Als eine Art horizontales Hochhaus ist es untrennbar mit der Platzfläche verbunden, beinahe ist es der Platz.

Kein Privatunternehmen, sondern die ČSD (Československé státní dráhy – Tschechoslowakischen Staatsbahnen), also der Staat selbst repräsentierten sich so. Der Platz hieß und heißt wieder Ulrichovo námestí (Ulrich-Platz) nach dem Bürgermeister František Ulrich, der über die Systeme hinweg von 1895 bis 1929 amtierte und entscheidend für die rasante Entwicklung der Stadt in der jungen Republik verantwortlich zeichnete.

Zwischen den beiden Plätzen, dem aus der Zwischenzeit und dem aus der reifen tschechoslowakischen Republik, liegen keine zehn Jahre. Von der Vergangenheit löste sich Hradec Králové was die Gebäudeformen anging also schnell. Noch immer aber blieb es der Blockrandbebauung verhaftet. Es entstand eine bemerkenswerte neualte Stadt. Und nur wenig später begann Hradec Králové gar, wahrhaft neu zu werden.

Wrocławs Kampf gegen die Mietskaserne

Breslau war eine der schlimmsten preußischen Mietskasernenstädte, manchmal heißt es, schlimmer als Berlin selbst. Trotz den enormen Kriegszerstörungen blieben auch Wrocław nach 1945 viele dieser Mietskasernen. Wie die Stadt mit diesem schweren Erbe umging, zeigt beispielhaft der Block zwischen den Straßen Tomaszweska, Przestrenna, Kamienna und Łódzka.

An der Ecke Tomaszewska/Przestrenna scheint die Mietskasernenstadt noch heil. Fünfgeschossige Mietskasernen in irgendwelchen historistischen Formen, irgendwelche Balkone, irgendwelche Giebel, an der Ecke ein Türmchen. Hier noch das preußische 19. Jahrhundert.

An der Ecke Przestrenna/Łódzka treffen Alt und Neu aufeinander, ohne sich zu berühren. Mietskasernen entlang ersterer, ein fortschrittliches Wohngebäude entlang zweiterer Straße. Es ist schmucklos eckig und, obwohl es ebenfalls fünf Geschosse hat, niedriger. Dazwischen ist ein Durchgang.

An der Ecke Łódzka/Kamienna ist die fortschrittliche Bebauung dann geschlossen. Zwei fünfgeschossige Gebäude, das eine höher als das andere, schließen ohne besondere Betonung die Ecke und es gibt einen aufgestützten Durchgang.

An der Ecke Kamienna/Tomaszewska ist es fast genauso wie an der vorigen, doch hier steht eine einzelne Mietskaserne mit etwas Abstand zwischen den fortschrittlichen Gebäuden.

Vier deutlich unterschiedliche Ecken also, von denen man nicht unbedingt denken würde, daß sie zu ein und demselben Straßenblock gehören. Doch sobald man das Blockinnere betritt, sind alle Unterschiede verschwunden.

Es ist unabhängig von der umgrenzenden Bebauung ein einziger zusammenhängender Raum mit Bäumen, Wiesen, Bänken, Spielgeräten, auch Parkplätzen. Und obwohl in letzter Zeit die Parkplätze auf die Wiese ausgegriffen haben, ist es ein angenehmer und wohlgestalteter, ein schöner Raum. Es ist ein Raum, der zu der fortschrittlichen Bebauung gehört: öffentlich zugänglich, als differenzierte Einheit geplant, großzügig.

Was völlig fehlt ist der Raum, der zu den Mietskasernen gehörte: die Hinterhoflandschaft. Egal, ob diese aus Hinterhäusern oder Schuppen bestände, sie zeichnete sich aus durch die Zersplitterung des Raums in private voneinander abgeschottete Parzellen. Dieser Raum des 19. Jahrhunderts ist hier restlos zerstört. Die Mietskasernen sind verwandelt durch den fortschrittlichen Raum, sie sind aufgehoben. Statt auf Hinterhöfe blickt man von ihren Wohnungen in einen Park.

Besonders gut läßt sich die Verwandlung an der einzelnen Mietskaserne an der Ecke Kamienna/Tomaszewska aufzeigen. Sie steht frei, wie sie nie gedacht war. Fenster, die auf dunkle Lichtschächte hätten gehen sollen, öffnen sich zum Grün. Und da die Mietskaserne höher ist als die fortschrittlichen Gebäude daneben, wirkt sie wie ein absichtlich hervorgehobenes Punkthaus.

Der Kampf gegen die Mietskaserne ist in diesem Block gewonnen, ohne daß es nötig gewesen wäre, alle Mietskasernen abzureißen. Diese Art des Umgangs mit dem Mietskasernenerbe ist typisch für Wrocław. Nicht immer ist das Ergebnis so lehrbuchhaft klar wie in diesem Block, aber das Grundprinzip, die alten Gebäude durch neue zu ergänzen und insbesondere einen neuen Raum zu schaffen, ist dasselbe. Es ist wohlgemerkt kein radikales Vorgehen, da die überkommene Straßenstruktur erhalten bleibt. Aber die starre Monotonie der Mietskasernen wird aufgebrochen. Grün mischt sich ins Grau.

Interessant ist, daß es Vergleichbares in Berlin, Hauptstadt der DDR, weit seltener und erst spät gab. Jede Stadt hatte ihre eigenen Taktiken im Kampf gegen die Mietskaserne. Daß der Kampf weiterzuführen sein wird, zeigen Neomietskasernen aus jüngerer Zeit, die einst freie Ecken zubauen und dort Neohinterhöfe entstehen lassen, oder Abzäunungen, die einst zusammenhängenden öffentlichen Raum privatisieren.

Nieuwe Kerk Groningen

Neu ist die 1665 erbaute Nieuwe Kerk (Neue Kirche) im nordwestniederländischen Groningen unzweifelhaft in städtebaulicher Hinsicht.

Stehen die beiden älteren großen Kirchen der Stadt irgendwie seitlich am etwa rechteckigen Grote Markt (Großen Markt) oder am Ende des langgezogenen Vismarkt (Fischmarkts), mehr oder weniger also dort, wo sie die Zufälligkeiten der Stadtentwicklung hinsetzten, so steht die Nieuwe Kerk in der Mitte eines großen quadratischen Platzes. Er und damit sie bilden den Mittelpunkt einer geplanten Stadterweiterung des 17. Jahrhunderts, die sich durch ein regelmäßiges rechtwinkliges Straßenraster auszeichnet.

Aber die Nieuwe Kerk steht nicht nur in der Mitte des Platzes, sie paßt auch dorthin. Der Grundriß des Backsteinbaus ist ein griechisches Kreuz, also ein Plus, dessen Enden zu den Platzseiten zeigen.

Genau in der Mitte, im Kreuzungspunkt der Dächer, sitzt ein kleiner offener Turm aus Holz. In die Zwischenräume des Kreuzes sind niedrigere Bauteile gesetzt, die seine Ecken verbinden und so einen dreieckigen Grundriß haben. In ihnen sind Portale, auf die Wege von den vier Ecken des Platzes zuführen.

Die Architektur ist somit perfekt den Bedingungen des Städtebaus angepaßt. Eine typischere Kirchenform, die ein Vorne und ein Hinten hat, hätte auch den Platz hierarchisch geteilt. Durch die gewählte allansichtige Form aber gibt es keine Hierarchie, jede Seite ist gleich wichtig und die Nieuwe Kerk ist wirklich Mittelpunkt des Platzes und des neuen Stadtteils. Das ist neu.

Schwieriger ist die Frage nach dem Neuen, was ihren Stil betrifft. Die Eckbauten gleichen mit zwei hohen Geschossen mit eckigen vertikalen Fenstern eher Bürgerhäusern als sakraler Architektur und haben teils tatsächlich eine Wohnfunktion. Die Portale sind niedrig und haben antikisierende Ornamente wie sie in den frühen Barock passen. An den Enden des Kreuzes sind jeweils zwei hohe und eher schmale Fenster, die zwar mit runden Bögen enden, aber doch sehr gotisch wirken. Gleiches gilt für das runde Fenster, das noch weiter oben in der Mitte ist. Über den hohen Fenstern sind völlig bezuglose Tempelgiebelchen angeklebt. Die tatsächlichen Giebel scheinen zu spitzen Dreiecken vor einem Satteldach werden zu wollen, aber die Kirche hat Walmdächer, so daß sie wie abgeschnitten mit Balustraden enden müssen.

Alles wirkt, als werde hier eine Architektur, die einerseits noch von der Gotik zehrt, andererseits aber schon bereit ist, losgelöst von allen Traditionen neue funktionale Lösungen zu finden, in antikisierende Moden hineingezwungen. Zugleich lassen sich aber auch die etwas lächerlichen Zierformen schwer in Stilbegriffe wie Renaissance oder Barock fassen. Denn nichts, rein gar nichts,  hat diese protestantische niederländische Kirche mit dem zu tun, was zeitgleich in katholischen Ländern entstand, was den geringen Wert von Stilbezeichnungen zeigt.

Das spezifisch Niederländische an der Nieuwe Kerk sieht man auch daran, daß sie kein Einzelstück und kein Original ist, sondern so stark an die Amsterdamer Noorderkerk (Nordkirche) angelehnt, daß man von einer Kopie sprechen kann.

Die Noorderkerk entstand bereits 1622 und hat an den Giebelseiten etwas aufwendigere und nicht ganz so offensichtlich lächerliche Verzierungen. Der entscheidende Unterschied aber ist die städtebauliche Einordnung. Die Noorderkerk steht in der Ecke eines kleinen dreieckigen Platzes am Beginn der Prinsengracht (Prinzenkanal), so daß zwei Seiten zu schmalen Straßen zeigen.

In Amsterdam ist die Allansichtigkeit der Kirche verschwendet, da sie ob ihrer Lage dennoch ein Hinten und Vorne hat. Sie könnte auch irgendwie anders aussehen, müßte es vielleicht. In Groningen aber ist es der umgebende Platz, der die architektonische Form fordert. Die Noorderkerk zu kopieren und in die Mitte eines Platzes zu stellen, war im eigentlichen ein schöpferischerer Akt als die Noorderkerk zu bauen. Wie in Groningen mit einem Versammlungsgebäude, das groß und repräsentativ, aber nicht erdrückend monumental ist, ein städtebaulicher Mittelpunkt geschaffen wird, das ist auf gelungene und ungewöhnliche Weise neu.

Ein Gebäude in Türkis

„Kommunistische“ Architektur sei grau, hört man oft. Dem gegenüber steht dann implizit die Buntheit des Kapitalismus. Völlig falsch ist das, wie die meisten anderen Vorurteile, nicht. In der Tat baute die fortschrittliche Architektur des Sozialismus gerne mit rohem grauen Beton. Doch das tat die fortschrittliche Architektur des Kapitalismus ebenfalls und es ist auch nicht ersichtlich, was am vielfältig nuancierten Grau von Beton schlechter sein sollte als etwa an dem Grau von Stein. Überdies liebte der Sozialismus auch die Farbe. Ein schwer zu übersehendes Beispiel steht in Brno an der Hněvkovského (Hněvkovský-Straße), einer großen Ausfallstraße im Süden.

Alle Gebäude dieses Bürokomplexes sind ganz und gar nicht grau, sondern türkisgrün. Sie verdanken das einer Verkleidung aus kleinen quadratischen Kacheln, deren heller türkisgrüner Grundton von unregelmäßig eingestreuten dunkleren Kacheln variiert wird.

Es ist wirklich zuerst die Farbe, die man an diesem Gebäude sieht, so stark wirkt sie, ohne dabei grell zu sein. Sie begleitet einen auch, wenn man sich die Zeit nimmt, die Architektur näher zu erkunden.

Der Mittelpunkt ist ein parallel zur Straße stehendes neungeschossiges Bürohochhaus. Seine Breitseiten haben außer der Verkleidung nur Fensterbänder, doch etwas neben der Mitte sind Treppenhäuser leicht vorgesetzt. Sie haben nur an den Schmalseiten schmale Fenster und wirken so als vertikale türkisgrüne Streifen, die die vorherrschenden Horizontalen durchschneiden. Das oberste Geschoss ist fensterlos und mit vertikal strukturiertem dunklen Metall verkleidet. An der südlichen Schmalseite ist ein weiteres Treppenhaus, das aber im Gegensatz zu den anderen weit vorgesetzt ist und dank Glasflächen an den Breitseiten völlig transparent wirkt. Es mag an der alles bestimmenden Farbe liegen, daß das Glas einen leichten Türkisstich zu haben scheint. An der zur Stadt zeigenden nördlichen Schmalseite ist bloß in der Mitte ein vertikales Fensterband. Doch diese flankierend und dann wieder außen ist die Verkleidung in zwei breiten Streifen leicht vorgesetzt, so daß über dem transparenten Erdgeschoß die Vertikalen stark betont sind.

Der zweigeschossige Sockelbau verläuft erst parallel zur Straße, dann quer, wo mittig das Hochhaus an ihn stößt, und dann wieder parallel. Das Erdgeschoß hat dabei im letzten L-förmigen Teil große Schaufenster, während die Obergeschosse nur links und rechts deutlich zurückgesetzt aufragen. Durch vorgesetzte vertikale Verkleidungsstreifen, die denen der vorderen Schmalseite des Hochhauses entsprechen, wirken sie skulptural und wie vom Erdgeschoß losgelöst.

An der Ecke zu einer großen Querstraße rahmt dieser Sockelbau den kleinen Mariánské náměstí (Marienplatz). Er ist heute zuerst Parkplatz, doch in seiner Mitte ist noch immer ein runder Brunnen mit einer hohen stählernen Skulptur. Sie besteht aus zu einem Kreis angeordneten Scheiben, die oben treppenartig vorspringen.

Es ist ein abstraktes Kunstwerk, wie es für die Tschechoslowakei typisch ist. Zu den einfachen, aber markanten Formen und der Farbe des Gebäudes paßt es gut, während zum Namen des Platzes, vielleicht nicht zufälligerweise, kein Zusammenhang zu erkennen ist.

An der Südseite des Hochhauses führt ein verglaster Brückentrakt im zweiten Geschoß zu einem weiteren dreigeschossigen Bau, der mit seinen konventionellen Fensteröffnungen ganz banal wäre, wäre nicht auch er türkisgrün verkleidet und ragten aus dem Dach nicht mehrere große Parabolantennen.

Ein weiterer Brückentrakt verbindet dieses Gebäude mit einer quer zur Straße stehenden Halle.

Ihre hohe Schmalseite scheint ein einziger türkiser Block zu sein, auf dem leicht zurückgesetzt das Dach auf milchigen Glasflächen zu schweben scheint. Es ist erst flach, steigt aber dann in Richtung Hochhaus schräg an und seine Seiten – sind türkis verkleidet.

An der Seitenwand der Halle ist ein weiteres abstraktes Kunstwerk aus verschlungenen dickeren und dünneren Linien, in dem man, vielleicht wegen der dann folgenden Bahnstrecke, eine Gleislandschaft erkennen mag.

Zwischen den einzelnen Gebäuden sind Verkehrsflächen und Parkplätze, aber auch Wiesen mit großen Bäumen, die ihr eigenes, andersartiges Grün beisteuern.

Das Bemerkenswerteste an diesem Komplex ist letztlich nicht einmal die Farbe, sondern die Tatsache, daß die Farbe überall ist. Nicht nur das Hochhaus und die zur Straße zeigenden Seiten nämlich sind türkisgrün verkleidet, sondern alles. Die Rückseiten der Sockelbauten, die Flächen zwischen den rückwärtigen Toren der Halle, alles. Fast lächerlich oder aber selbstironisch wird es, wenn sogar ein kleiner Verteilerkasten nicht ohne die Verkleidung bleibt.

Erst ganz hinten im ersten Hof findet sich eine offenbar ältere Halle mit gelbbraunem Putz. Aber sogar hier ließen es sich die Architekten nicht nehmen, wenigstens den an die neuen Gebäude grenzenden Teile der Schmalseite in Türkisgrün nachzuzeichnen.

Man kann es übertrieben finden, daß hier alles mit dieser Verkleidung gleichsam übergossen ist, aber es sagt auch viel über den Sozialismus. Es gibt hier keine prunkvolle Schauseite und keine häßliche Rückseite. Was nur die dort tätigen Arbeiter sehen, ist nicht weniger wichtig als das, was die weitere Öffentlichkeit sieht. In der türkisgrünen Verkleidung drückt sich der Wunsch nach Ganzheit, nach Einheit aus. Der Kapitalismus kann das niemals verstehen und das zeigt er auch mit dem, was er an dem Gebäudekomplex veränderte. Die zur Stadt zeigenden Schmalseite nutzt er als riesige Plakatwand. Zudem verkleideten einige Geschäfte die Erdgeschoßflächen des Sockelbaus neu. Und die Farbe die sie dazu wählten war – grau.

Es gibt manches über die Buntheit des  Kapitalismus zu sagen. Das banalste, an diesem Gebäude schön zu exemplizieren, wäre, daß es eben die Buntheit der Reklame ist. Weniger banal ist Ronald M. Schernikaus Aussage: „Wer die Buntheit des Westens will, wird die Verzweiflung des Westens kriegen“.  Aber, und das ist an diesem Gebäude noch besser zu zeigen, oft ist sie nicht einmal bunt.