Spliter Endzeiten

Zeugnisse aus Endzeiten sind immer traurig. An einem größeren Haus im Spliter Stadtteil Varoš hängt eine Gedenktafel für Tito, der dort Ende 1936 die Freiwilligen für den spanischen Bürgerkriegs organisierte. Deren Entschluß, heißt es am Ende, sei ein Ausdruck des Vertrauens in die KPJ (Komunistička partija Jugoslavije – Kommunistische Partei Jugoslawiens) gewesen. Weiße steinerne Tafeln dieser Art sieht man gerade im alten steinernen Arbeiterviertel Varoš öfter, etwa an Geburtshäusern von Partisanen oder anderen Kommunisten und oft sind auf ihnen dann Hammer und Sichel statt wie hier ein fünfzackiger Stern. Aber diese wurde Ende 1987 angebracht.

In diesem Haus weilte Ende XII 1936 Josip Broz Tito, um die Abreise der Freiwilligen von Dalmatien nach Spanien zu organisieren Indem sie sich dazu entschieden, im revolutionären Kampf des spanischen Volks zu helfen, drückten die demokratischen und antifaschistischen Kräfte Splits und Dalmatiens ihr Vertrauen in die KPJ und den Glauben an eine bessere Zukunft aus
Split 27 XII 1987 Stadtorganisation des SSRNH (Socijalistički savez radnog nardoda Hrvatske – Sozialistischer Bund des arbeitenden Volks Kroatiens) Split

Angesichts der bald folgenden Ereignisse wirkt der letzte Satz wie eine leicht verzweifelte Beschwörung von etwas, was schon sehr unsicher war, und die Anbringung der Tafel selbst wie eine letzte Aktion der Kommunisten, die Jugoslawien retten wollten. Daß es in ihrem Land bald einen Bürgerkrieg geben würden, ahnten wohl auch die weitsichtigsten unter ihnen nicht. Jedenfalls waren sie nicht bereit für den Krieg und hatten anders als in Spanien keine Rolle in ihm, so daß es keine gute Seite und keine Internationalen Brigaden geben konnte.

Sogar Zeugnisse früheren Lebens, die eigentlich schön wären, können durch das Wissen um die Endzeit trauriger werden.

In der Teslina (Tesla-Straße) wurde vor dem Haus mit der Nummer 13 ein Schaden im Boden mit Zement ausgefüllt und Kinder oder Jugendliche schrieben ihre Namen hinein, wie sie es überall tun würden. Das war am 11. Juni 1986.

Fünf Jahre später würden sie den Krieg erleben. Ihre Namen im Boden sind dort inzwischen lange genug, um eine Art archäologischen Wert zu haben, genau wie leider die Gedenktafel.

Ein Gedanke zu „Spliter Endzeiten

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