Turiner Einzelheiten: Blau

Auffällige und beeindruckende Bauten, halbwegs hohe auch, gibt es in den Weiten von Turin viele. Etwa dieses zehngeschossige und 1970 errichtete Wohngebäude an der Corso Dante (Dante-Allee), die dann auf einer Brücke über die Gleislandschaft hinter dem Bahnhof Porta Nuova führt. Seine Fassade besteht ganz aus Balkonen und einem Rautenmuster aus Betonstreben und -balken. Vor jedem Balkon bildet ein Betonbalken den Handlauf des darunter verglasten Geländers und ein weiterer verläuft oben in entsprechendem Abstand von der Geschoßdecke, während vertikale Streben sie links und rechts in kleinem Abstand von den Balkonecken kreuzen.

Daß diese regelmäßige Struktur nie langweilig wird, liegt zum einen daran, daß mal mehrere der Rautenbalkone zusammengefügt und mal Abstände zwischen ihnen sind, was tiefe vertikale Furchen auf die Fassade zeichnet, und zum anderen daran, daß in den unteren vier Geschossen über den Läden im Erdgeschoß nur im breiten Mittelteil Balkone sind und die Wandflächen daneben nach hinten schräg verlaufen.

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So ist das Gebäude in den oberen fünf Geschossen weit breiter als unten und bekommt eine gewisse unwahrscheinliche Leichtigkeit, was viel zu seiner straßenprägenden Wirkung beiträgt. Noch wichtiger ist aber vielleicht, daß seine typisch italienischen Rolläden einen kräftigen Blauton haben. Wiewohl alle eigentlich baulichen Elemente weiß, grau oder transparent sind, nimmt man das Gebäude als ein blaues wahr und wenn man denn einen Grund hätte, es zu beschreiben, würde man es das blaue Hochhaus am Corso Dante nennen.

Ansonsten ist auch diese Gebäude im chaotisch gefüllten regelmäßigen Straßenraster Turins wie gehabt Teil der Blockrandbebauung. Links daneben ist in der abzweigenden Via Tommaso Grossi (Tommaso-Grossi-Straße) ein fünfgeschossiger Gebäudeteil mit weniger markanten, in Betonstreben aufgehängten Balkonen, der an die nächsten Gebäude anschließt.

An der anderen, über eine Hinterhoflandschaft zu erahnenden Seite hat es einfache Fenster-, Balkon- und Treppenhausöffnungen, von denen man bestenfalls dank der blauen Rolläden und den hier hinzutretenden blauen Markisen erkennen würde, daß sie zum selben Gebäude gehören.

Das Auffällige und Beeindruckende erschöpft sich in der werbeträchtigen Fassade zur großen Straße.