Schuttershof

Wenn man das zehngeschossige Punkthaus Schuttershof in Bergen op Zoom über die Senke der Bahnstrecke sieht, könnte man fast meinen, daß es aus bloßem Beton besteht, was recht niederlanduntypisch wäre.

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Von Nahem sieht man, daß es tatsächlich weißgrauer Backstein ist.

Doch auch der Typus des Punkthauses ist eher ungewöhnlich, da er keine Erschließung durch Laubengänge, keine Stapelung von Reihenhäusern, wie sie in den Niederlanden das Wohnideal sind, erlaubt. Bei diesem hat auf etwa quadratischem Grundriß jede Seite eine linke Hälfte mit Backstein und kleinen Fenstern und eine die Ecke öffnende rechte mit blaugeländrigen Balkonen vor Glasflächen.

Das Punkthaus Schuttershof (Schützenhof, benannt nach einem alten Bauernhof) will mit dieser Architektur offenkundig nicht weiter auffallen und wenn man sich ihm auf der jenseits der Gleise abzweigenden Augustalaan (Augusta-Allee) nähert, ist es zusätzlich versteckt hinter Bäumen, die seit seiner Erbauung in den Siebzigern Zeit hatten, hoch zu wachsen. Es scheint auch allein zu stehen, doch das täuscht.

Tatsächlich schließt sich an das Punkthaus eine ausgedehnte Wohnanlage mit Einfamilienhäusern an. Neben der Augustalaan sieht man bloß einige gedrungene Flachbauten und man kann sie entlanggehen, ohne viel mehr als die quer gesetzten Garagenhöfe zu bemerken.

Die eigentliche Bebauung erstreckt sich am Hang unterhalb der Straße. Es sind Häuser, die dem einfachen Stil des Punkthauses entsprechen, kubische Formen, flache Dächer, weißgrauer Backstein, Glas, weißes Holz.

Durch die Hanglage hat jedes der Häuser eineinhalb oder zwei Geschosse, kann aber oft flach beginnen. Es entsteht eine komplizierte und verschachtelte Struktur, die nicht leicht zu erfassen und zu beschreiben ist. Da die Häuser miteinander verbunden, aber gewiß nicht aufgereiht sind, ist auch fraglich, ob man von Reihenhäusern sprechen soll.

Zur Erschließung der Häuser verläuft durch die Wohnanlage ein verschlungenes Wegenetz. Mal sind es enge Gassen, nur das Weißgrau der Wände und das Grün hoher Hecken, aus denen man zum Punkthaus als einem Orientierungspunkt blickt.

Mal sind es in sanften Stufen abfallende Plätze mit Beeten, die halb öffentliche Grünflächen und halb Vorgärten der hierher geöffneten Häuser sind.

Und dann gibt es Treppen.

Überall anders wäre das normal, doch dies sind die Niederlande und die sind flach. Zwischen niederländischen Häusern gibt es normalerweise keine Treppen, denn sie stehen nicht am Hang, weil es keine Hänge gibt. Man muß sich bewußt machen, daß diese Wohnanlage, die am Rande der Stadt einen Hang zur halbwegs offenen Landschaft hinabfließt, allein durch die topographischen Bedingungen etwas äußerst Ungewöhnliches für die Niederlande ist.

Es kann daher wirken, als habe sich ein Architekt an dieser Lage gleichsam ausgetobt. Er baute niederländischste Architektur in unniederländischster Landschaft. Vielleicht deshalb ist auch etwas Südliches in diesen Gassen, Plätzen und Treppen.

Zweifelsohne gewinnt die Reihenhausarchitektur durch die Hanglage, weist schon eher auf Terrassenhäuser voraus. Punkthaus und terrassierte Einfamilienhäuser stehen in Schuttershof nebeneinander, was nicht wenig ist, die Aufgabe der folgenden fortschrittlichen Architektur der Stadt wäre es, sie zusammenzufügen. Der Schuttershof ist immerhin die fortschrittlichste Anlage der Stadt. Nebenbei hilft die Betrachtung seiner Lage am Hang auch zu erklären, woher Bergen op Zoom seinen Namen hat und was Noord-Brabant (Nord-Brabant), wo es liegt, von Holland unterscheidet.