Olsztyner Höhepunkte: Bahnhof

Der dritte der Olszytner Höhepunkte neben Planetarium und Sowjetischem Ehrenmal empfängt den Besucher sofort, wenn er die Stadt per Zug oder Bus erreicht: der Bahnhof.

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Er besteht aus zwei einfachen zweigeschossigen Teilen, die im rechten Winkel aneinandergefügt sind und sich mit großen, fast durchgängigen Fensterfronten zum Vorplatz öffnen.

Über dem ersten Teil, der nur ganz links eine Wandfläche aus Beton und über den beiden Eingängen dünne aufsteigende Vordächer hat, steht in blauen Leuchtbuchstaben „Dworzec kolejowy“ (Zugbahnhof) und über dem zweiten, der nach links geschlossene Wandflächen im Erdgeschoß und Glas im Obergeschoß hat, „Dworzec autobusowy“ (Autobusbahnhof).

Dazu kommt vor dem Abschluß des zweiten Teils ein elfgeschossiges Hochhaus, das mit diesem im zweiten Geschoß durch einen Brückentrakt verbunden ist. Es hat einen rechteckigen Grundriß, dessen Breitseiten parallel zum zweiten Bahnhofsteil verlaufen. Die ersten beiden Geschosse sind etwas zurückgesetzt und unter der einen Schmalseite mit zwei eckigen Stützen geöffnet, was genau der Höhe des Bahnhofsgebäudes entspricht und einen optischen Übergang von diesem zum Hochhaus schafft. Die neun oberen Geschosse haben Fensterbänder, die kurz vor den Enden der Breitseiten von vertikalen Streben unterbrochen sind. Die Verkleidung unter den Fenstern ist in der so entstehenden Mitte blau und an den Ecken weiß gestrichen.

Parallel zum ersten Teil des Bahnhofs verlaufen die Gleise und von den Bahnsteigen gelangt man durch einen breiten Tunnel und eine Treppe in die langgestreckte helle Bahnhofshalle.

Auf dem Boden sind quadratische Platten aus unregelmäßigen grauen Steinstücken und auch sonst dominiert Stein und Grau. An der Schmalseite über der Treppe, deren quadratischen Verkleidungsplatten aus gemasertem glatten Stein in Schwarz und Rot sind, hängt eine große mechanische Anzeigetafel mit den Abfahrts- und Ankunftszeiten der Züge und eine ziffernlose Uhr.

An der Breitseite gegenüber der Fensterfront ist über den Öffnungen der vielen Fahrkartenschalter roher grauer Beton, auf dem eine große Uhr mit blauem Feld und weißen Ziffern und Zeigern hängt. Abgeschlossen wird dieser Bereich nach rechts von einem raumhohen vertikalen Band mit unregelmäßig horizontal angebrachten Streifen von Steinen in verschiedenen Mustern und Färbungen.

Hinter dem zweiten Teil des Bahnhofs ist der weite Halteplatz für regionale Busse. Parallel zum gesamten Gebäude verläuft ein Bahnsteindach aus Beton, dessen beidseits ansteigende weiße Fläche auf roten leicht abgerundeten und nach oben verbreiterten Stützen ruht. Ein Zwischendach verbindet es  mit der Halle des Busbahnhofs, die etwa quadratisch ist.

Links stehen über den Schaltern die verschiedenen Zielorte und Abfahrtszeiten, rechts führt eine Treppe vor einer Wand mit verschiedenen Steinplatten nach oben. Die übrige Gestaltung entspricht der Halle des Zugbahnhofs.

Das ist Olsztyns Bahnhof, der durch reine Funktionalität zum städtischen Höhepunkt wird. Zug- und Autobusbahnhof sind in einem Gebäude zusammengefaßt und beide zur Stadt geöffnet. Auf dem Vorplatz können Taxis oder Autos Reisende abholen oder hinbringen, am Hochhaus vorbei gelangen sie zur Straßenbahnhaltestelle in der Mitte der großen vorbeiführenden Straße. Damit der Bahnhof nicht allein ist, schenkte ihm das sozialistische Polen ein langes zehngeschossiges Wohngebäude mit Läden im Erdgeschoß direkt gegenüber und ein neungeschossiges Hotel weiter rechts.

Links von ersterem öffnet sich eine die breite Dworcowa (Bahnhofsstraße), die mit fortschrittlicher Wohnbebauung weit in die neuen Wohngebiete hineinführt, während rechts zwischen beiden eine ältere Mietskasernenstraße beginnt, die ins alte Zentrum führt. So wird der Bahnhof ganz zum Tor in die Stadt, während sein Hochhaus von dieser aus gesehen wie ein Turm in der Achse der beiden Straßen steht.

Als er 1971 eröffnet wurde, war Olsztyns Bahnhof der modernste in Polen und Stolz seiner Stadt. Heute ist er von den drei Olsztyner Höhepunkten leider der bedrohteste.

Der Durchgang unter dem Brückentrakt ist abgesperrt, in der Zugbahnhofshalle sind die unteren Teile der Glasfronten mit Ladenbuden zugebaut, in der Busbahnhofshalle ist an der Wand hinter der Treppe Graffiti und in den Bereichen zwischen beiden, wo einst Wartesäle und Restaurants waren, ist nun eine dunkle und halb leerstehende Ladenpassage.

Auch, daß die mechanischen Anzeigetafeln nicht gegen kleinere und störanfälligere Bildschirme ausgetauscht wurden, zeugt leider nicht von Verständnis für den Wert dieser Technik, sondern von Vernachlässigung. In der Tür zum Busbahnsteig hängen schon Pläne für einen neuen „Bahnhof“, der selbstverständlich ein Einkaufszentrum sein soll. Noch ist die Zukunft des Bahnhofs aber unklar und es bleibt zu hoffen, daß sich Olsztyn nicht in selbstzerstörerischer Manier dieses Höhepunkts beraubt.