Veszpréms Zentrum – Grundlagen

Veszprém, eine Universitätsstadt in Westungarn in den niedrigen Bergen oberhalb des Balaton, ist in jeder Hinsicht hübsch und idyllisch und dazu trägt nicht zuletzt sein sozialistisches Zentrum bei. Das größte Problem der Stadt ist, daß der Bahnhof weit außerhalb liegt, was den topographischen Bedingungen geschuldet und schwer zu ändern ist. Stadtplanerisch wurde darauf im Sozialismus insofern reagiert, als das größte Wohngebiet auf halbem Weg zwischen Stadtzentrum und Bahnhof angeordnet ist, aber das macht die Wege eben auch nicht kürzer.

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Als Ausgangspunkt des neuen sozialistischen Stadtzentrums kann man daher den Busbahnhof verstehen, der auch das bessere Bauwerk ist. Über seinem langen Bahnsteig schwebt ein Dach aus dünnen Betonschalen in der Form hyperbolischer Paraboloide. Sie erwachsen jeweils auf einer Stütze und ragen mit aufsteigenden Spitzen weit in Richtung des Haltebereichs der Busse und der dahinter sichtbaren Zentrumsbebauung vor, während abfallende Spitzen auf rückwärtigen Stützen ruhen.

Wie kompliziert geformte Wellen scheint der Beton des Dachs in Bewegung hin zum neuen Veszprém, zu dem er schon gehört. Auch das am Ende des Bahnsteigs leicht schräg angeordnete Funktionsgebäude des Busbahnhofs hat entsprechende Schalendächer, von denen einige höher gesetzt sind, um durch verglaste Zwischenräume Licht in die Wartehalle zu lassen.

Das Zentrum ist jenseits der wartenden Busse und des Verkehrs auf der vorbeiführenden Straße schon in groben Zügen zu erkennen.

Zuerst Wohnbebauung mit charakteristischem orangenen Glas vor den Balkonen und weißer Steinverkleidung unter den Dächern und an seitlichen Flächen. Ein freistehendes zehngeschossiges Punkthaus, nach links ein langgestreckter fünfgeschossiger Bau parallel zur Straße und ein siebengeschossiger quer zu ihr.

Dann ein sechsgeschossiges Bürogebäude an der leicht abbiegenden Straße, das wohl Fensterbänder und vertikale dunkle Metallstreben hat, von dem man aber nur die strahlend hellblaue Verkleidung so wirklich bemerkt. Und hinter all dem das Hochhaus, vertikale Dominante der Stadt, die man schon von der fernen Bahnstrecke sieht.

Zwanzig Geschosse hoch, rechteckiger, fast quadratischer Grundriß, umlaufende Fensterbänder und Verkleidung aus leicht vorgewölbten schwarzen Kacheln in horizontaler Anordnung, oben um die technischen Geschosse hellgraue Betonverkleidung, in der an zwei Ecken verglaste Teile sind, hinter denen sich aber leider statt Restaurant und Café nur weitere Technik verbirgt.

Es ist das über der Stadt thronende Symbol des ungarischen Sozialismus, aber es kann dies nur sein, weil es Teil eines Ganzen ist.

Um weiter ins Zentrum zu kommen, passiert man als nächstes die parallel zur Straße stehende Markthalle. Ein einfaches Gebäude, langgestreckt rechteckig, außen ein flacher Teil mit grauer unregelmäßiger Steinverkleidung und aufsteigend schräg überstehendem weißen Dach, in der Mitte die eigentliche Halle, nicht mehr als Glas und dünne grüne Stahlkonstruktion, innen zusätzlich graue Belüftungsrohre.

Der Weg, selbstverständlich breit und mit Beeten, trifft nach der Markthalle zwischen eingeschossigen Ladengebäuden auf den flach abfallenden Zugang zur Unterführung. Sie beginnt weiter links neben der abzweigenden Straße bei einem viergeschossigen Bürogebäude mit Fensterbändern und großen Kreisen in der Betonverkleidung, entspringt gleichsam aus seinen absteigenden Terrassenstufen.

Hier ist der Anfang des eigentlichen Boulevards von Veszprém. Die Unterführung führt auf genau die richtige Weise sanft hinab, unter der Straße hindurch und wieder hinauf. Das Wohngebäude rechts, das orangene Balkone und eine steinverkleidete Fläche neben der Schmalseite zeigt, und das hellblaue frühere pártház (Parteihaus) links, das bei seiner rechten Ecke eine vorgesetzte Treppe und Terrasse mit weißer Betonbrüstung und im Geschoß darüber einen rahmenartig vorgesetzten Teil hat, bilden nun ein Tor ins Herz des Zentrums, von dem gerahmt das Hochhaus aufragt.

Das rechte Gebäude ist auch das Rückgrat des folgenden Platzes und im Erdgeschoß hat es Läden, zwei breite Durchgänge und ein abstraktes Relief aus schwarzem Stein.

Links folgt angeschlossen an das Parteihaus ein Hallenbau, dessen leicht versetzte Wände jeweils ein Pultdach tragen, so daß sich eine  Art nach hinten weisendes Sheddach ergibt.

Während sich die schmale Vorderseite zum Boulevard mit dem Eingang und großen Glasflächen öffnet, sind die Breitseiten ganz mit horizontalen dreieckigen Platten aus körnigem sandfarbenem Stein, der bis in die spitzen Wellen des Dachs reicht, verkleidet und haben nur rechts einige kleine dreieckige Fenster.

Nun öffnet sich der Platz nach links, wo er mit einer breiten, aber nicht hohen Treppenanlage ansteigt. Rückwärtig schließt ihn das lange dreigeschossige Hotel Veszprém zur Straße hin an. Es hat Glasflächen im Erdgeschoß und Balkone in einem Gerüst aus Betonstreben und -balken in den weit überstehenden Obergeschossen.

An seinem anderen Ende bildet der bis auf die Schaufenster im Erdgeschoß und den roten Schriftzug weiße Kubus des Kaufhauses Bástya (Bastion) den Abschluß.

Auf diesem Platz, zu dem Beete mit Bäumen und Rosen gehören, steht das sozialistische Kunstwerk, das er verlangt.

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2 Gedanken zu „Veszpréms Zentrum – Grundlagen

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