Bahnhof Słupsk

Der Bahnhof von Słupsk im Nordwesten Polens unweit der Küste ist ein gelungenes Gebäude aus der PRL (Volksrepublik Polen), obwohl er erst 1991 eröffnet wurde.

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Der etwa zweigeschossige Hallenbau hat im Obergeschoß sowohl zu den Gleisen als auch zur Stadt dicht an dicht vorgesetzte trapezförmige Erker mit leicht ansteigenden Böden und Dächern und hellbraungrüner Kunststoffverkleidung.

Links schließt quer ein fünfgeschossiger Bürotrakt mit derselben Verkleidung unter den Fensterbändern, der neben dem Bahnhof auf der Stadtseite aufgestützt ist, an. Am rechten Rand des Hallendachs steht in einer Leuchtschrift, bei der die Buchstaben aus jeweils fünf Linien gebildet sind, der Stadtname: Słupsk.

Die große Halle im Inneren hat ein zur Stadtseite leicht ansteigendes Dach mit in dieser Richtung angeordneten Verkleidungsstreifen, die von der Seite zur Mitte dunkelgrüne, hellgrüne, dunkelgelbe und hellgelbe Abschnitte bilden, wobei am Übergang immer schon zwei Streifen der folgenden Farbe eingemischt sind.

Leider ist die Halle jedoch zu dunkel, da es zu wenige Fensterflächen gibt und auch von den in quadratischen Öffnungen eingelassenen runden Lichtern in der Decke immer nur zu wenige angeschaltet sind. Im stadtseitigen Obergeschoß ist links ein langgestreckter Bereich mit Fenstern, in dem wohl ein Restaurant war, und rechts eine Galerie, zu der an der rechten Wand eine Treppe führt, während sich kurz vor der Mitte eine Brücke zur anderen Hallenseite spannt. Eine große Treppe führt in der Mitte der Stadtseite in einen Tunnel, von dem die Bahnsteige erschlossen werden.

Das alles ist gelungen, aber nicht in außergewöhnlichem Maße und verdiente es eigentlich noch nicht, daß man viele Worte darüber verliert. Das Wichtigste am Bahnhof Słupsk findet man dann ungewöhnlicherweise auf den Bahnsteigen. Auch sie wurden in der sozialistischen Zeit neugestaltet, so daß sich über sie nach außen ansteigende Dächer auf mittigen blauen Stahlstützen spannen. Wie schon die Unterführung mit hellgrauem vertikalen Wellblech verkleidet ist, so sind auch die Geländer um die Treppenöffnungen schmale Wellblechkästen, die unten auf kaum sichtbaren Stützen ruhen und an ihren Enden nach unten und vorne abgeschrägt sind, was ihnen eine Stromlinienform gibt, die den meisten dort haltenden Zügen fehlte und fehlt.

Doch auf den beiden neugestalteten Bahnsteigen, unter den Vordächern und nicht weit von den Geländern, verblieben die kleinen Häuschen der alten Bahnsteige mit braun-beiger Kachelverkleidung in einem einfachen Fachwerk, abgerundeten Ecken, rundbögigen Fenstern und ornamentalen Holzelementen unter dem Dach.

Der Kontrast zwischen Alt und Neu ist groß, nichts vermittelt zwischen ihnen. Die aus der wilhelminischen Bahnhofsarchitektur übriggebliebenen Häuschen wirken wie antike Möbelstücke in einer modernen Wohnung. Sie sind ausgestellt und aufgehoben. Der neue Bahnhof zitiert in ihnen seine Geschichte.

Daß der Erhalt der beiden Häuschen kein Zufall, sondern eine bewußte Entscheidung war, sieht man daran, daß an den wellblechverkleideten Wänden der zu den Bahnsteigen führenden Treppen hölzerne Handläufe mit abgerundetem Profil und abschließenden nach innen geschwungenen Voluten hängen.

Sie sind dennoch recht schlicht, man kann sie übersehen, der Kontrast ist gering. Nicht zuletzt der Vergleich mit den ebenfalls hölzernen, aber in einem unregelmäßig spitzen Trapez endenden Handläufen der Treppe zur Halle spricht dafür, daß auch diese Handläufe der Bahnsteigtreppen aus dem alten Bahnhof übernommen wurden.

 

Durch diese wohlgewählten Zitate des Alten inmitten des selbstbewußten Neuen wird der Słupsker Bahnhof so doch noch außergewöhnlich.

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