Vysoké Mýto in eigenen Worten

Um den historischen Kern von Vysoké Mýto verläuft an drei Seiten ein Parkring, den die Stadt der weitgehenden Schleifung der mittelalterlichen Stadtmauern im 19. Jahrhundert und dem Wirken des Verschönerungsvereins zur gleichen Zeit verdankt, zumindest nach dessen auf einigen Gedenksteinen kundgetaner Meinung.

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In eine erhaltene Mauer in den Jungmannovy sady (Jungmann-Gärten) wurden im Zuge der Verschönerung einige Sandsteintafeln mit kurzen Inschriften gesetzt. Das wäre gar nichts Besonderes, dergleichen gibt es in vielen Städten, doch in Vysoké Mýto kamen im Laufe der Zeit immer mehr Tafeln mit immer ausführlicheren Inschriften hinzu. Sie sehen sich alle sehr ähnlich, immer schwarzer Text auf Sandstein, sind aber sehr unterschiedlichen Inhalts. Zusammen ergeben sie ein vielfältiges Bild der Geschichte der Stadt. Man liest, was Vysoké Mýto in verschiedenen Zeiten und Systemen über sich gesagt haben wollte.

Es gibt viel Historisches – Königsbesuche, Kriege, Pest, Brände, Häuserzahlen – das aus heutiger Sicht so fern und neutral ist, daß sich nicht sagen läßt, aus welcher Zeit die Tafeln stammen.

(Von links nach rechts) Nach der Schlacht von Bílá Hora wurden in der Stadt vom 8. November 1620 bis zum 16. September 1622 Kontributionen und Kosten für Kriegsvolk von 178 099 Gulden gezahlt. // Im Jahre 1639 fiel eine starke Abteilung schwedischer Reiterei in die Stadt ein, entführte den Bürgermeister Jeronym Vodička und den Primas Christof Šebestian nach Schlesien und setzte sie dort gefangen, da sie nichts mehr hatten, womit sie die Brandschatzung zahlen konnten // Im Jahre 1742 kam Friedrich II., König von Preußen, in seinem ersten gegen Österreich geführten Krieg durch Mýto. // Im Jahre 1774 am 6. August brannten in der Stadt 271 Häuser, die Dekanskirche, der Glockenturm, das Dekanat, die Schule, das Spital, das Rathaus, der Vratslaver und Choceňer Turm, 36 Scheunen nieder.

(Von links nach rechts) Am 23. Februar 1318 kam König Jan mit Königin Alžběta, der letzten Přemyslidin, durch Mýto. // Im Jahre 1715 starben 57 Personen an der Pest, von denen 49 unter Hájky begraben sind. // Am 21. August 1381 wurde der Stadt V.M. von König Václav das Hinrichtungsrecht im Umkreis von 6 Meilen erteilt.

Die bürgerliche erste tschechoslowakische Republik erzählt von Besuchen des Schriftstellers Alois Jirásek bei einer nach ihm benannten Militäreinheit und des ersten Präsidenten Masaryk in der der Stadt.

Meister Alois Jirásek beehrte am 4. XI 1929  sein 30. Regiment sowie unsere Stadt mit seinem Besuch. Am 18. III. 1930 zollte die Stadt der Asche ihres Ehrenbürger bei der letzten Reise von Prag über Vysoké Mýto nach Hronov ihren Tribut.

(Von links nach rechts) Am 9. Juli 1929 lud der erste Präsident der Republik Tomáš G. Masaryk nach Vys. Mýto ein. // Am 5. Mai des Jahres 1945 erhob sich die Bevölkerung von Vysoké Mýto gegen die deutschen Eindringlinge und übernahm die Verwaltung der Stadt. Die endgültige Übernahme der Macht über die Stadt geschah erst am 9. Mai des Jahres 1945, als die Bevölkerung der Stadt gemeinsam mit einer Einheit der ruhmreichen Roten Armee die deutsche Garnison entwaffnete und die Stadt nach sechsjähriger Okkupation befreite. // Am 16. März des Jahres 1939 fiel die deutsche nazistische Besatzungsmacht in Vysoké Mýto sein. Während ihres sechsjährigen Aufenthalts wurde die Stadt einer grausamen Verfolgung unterworfen. Zwanzig ihrer besten Söhne gaben ihr Leben für die die Freiheit des Volkes. Die deutsche Okkupation dauerte bis zum 9. Mai des Jahres 1945.

Die sozialistische Tschechoslowakei erzählt vom zweiten Weltkrieg, Widerstand, Befreiung und den Leistungen von Industriebetrieben.

Am 9. Mai des Jahres 1945 betrat die ruhmreiche Rote Armee Vysoké Mýto und leistete der Bevölkerung Hilfe und so wurde die Stadt nach sechsjähriger Okkupation aus den Händen der deutschen Usurpatoren befreit.

Vom Jahr 1948 bis zum Jahr 1962 erreichten die VEB Karosa und THZ bedeutende Produktionserfolge. Die Produktion in beiden Betrieben erhöhte sich gegenüber dem Jahr 1948 insgesamt 9-fach. Heute exportieren beide Betriebe ihre Produkte in 39. Länder der gesamten Welt.

(Von links nach rechts) 1996 – 1997 wurde eine völlige Rekonstruktion des Přemysl-Otakar-II.-Platzes durchgeführt. // In den Jahren 1939 – 1942 arbeitete am ehem. Gymnasium eine illegale kommunistische Schülergruppe. // Von Februar bis Mai des Jahres 1945 kämpfte in der Umgebung der Stadt die Partisanenabteilung des Maj. Krylov, eig. Charitonov

Die gegenwärtige bürgerliche Republik erzählt von den Übeln des Kommunismus, 1968 und dem Gewichtheberguru Sri Chinmoy.

(Von links nach rechts) In den Jahren 1948 – 1989 wurden viele Einwohner unserer Stadt und der Umgebung vom kommunistischen Regime gefoltert, eingesperrt, ihres Eigentums entledigt und anderweitig verfolgt und das für ihre abweichenden politischen, religiösen und moralischen Überzeugungen. // Am 21. August 1968 fielen die Armeen von fünf Staaten des Warschauer Vertrags in die Tschechoslowakei ein. In Vysoké Mýto wurde eine starke sowjetische Okkupationsgarnison samt Familienangehörigen eingesetzt. Der letzte Soldat verließ die Stadt am 16. Juli 1990.
Die Stadt atmete nach 22 Jahren wieder frei.

(untere Reihe von links nach rechts) Aus Anlaß des Weltfriedenslaufs 1993 wurde unserer Stadt am 4. Mai 1993 von der Sri-Chinmoy-Weltorganisation der Ehrentitel Sri-Chinmoy-Friedensstadt verliehen // 1897 – 1997 100 Jahre des Bestehens der ersten Schule für Wasserwirtschaft in den tschechischen Ländern und in der Slowakei SPŠ Stavební (etwas wie Baufachschule) Vysoké Mýto Mai 1997 // Während des 2. Weltkriegs wurden alle Juden aus Vysoké Mýto und der näheren Umgebung am 5. und 9. November 1942 in Konzentrationslager gebracht. Von 45 Personen erlebten 7 die Befreiung.
(obere Reihe von links nach rechts) Am 21. August 1468 weilte König Jiří in Vyosoké Mýto. // Am 30. April 1421 eroberte Žižka Vysoké Mýto.

An einer Stelle erläutern sogar neuere Tafeln die knappen älteren, die sonst unverständlich bleiben würden.

(Links von oben nach unten) Am 14. Mai 1816 // Am 14. Mai wurde die Stadt von einem großen Feuer erfaßt. Es brannten 180 Häuser in der Stadt, 25 Höfe und 11 Scheunen in der Prager Vorstadt nieder. (Šembers Schilderung) // Im Jahre 1814 wurde festgestellt, daß die Stadt Vysoké Mýto der Zahl der Häuser nach die sechste und der Einwohnerschaft nach die siebzehnte Stadt im Königreich Böhmen ist.
(Rechts von oben nach unten) Am 4. Juli 1866 // Anno 1264 wurden diese Mauern errichtet // Im Jahre 1866 am 9. Juli ritt der preußische König Wilhelm I. ein und quartierte sich mit dem gesamten Hof im Hotel Pošta (Post) ein.

Dankbar einfach ist der der Bezug zwischen Tafeln und Stadt einzig, wenn man von einer, die unter anderem vom Turm Karaska des Choceňská brána (Choceňer Tors) erzählt, direkt zu diesem schauen kann.

Im Jahre 1957 wurde in der hiesigen Stadt eine Galerie fúr bildende Kunst eröffnet.
Im Jahre 1958 wurde die Haube des Karaska genannten Turms repariert und mit einer neuen Schindelbedachung bedeckt.
Im Jahre 1958 wurde mit dem Errichtung eines Gasnetzes in der Stadt begonnen.
Im Jahre 1961 wurde die Erneuerung des Platzes, die einen Kostenaufwand von 2 ½ Mil. Kčs erforderte, beendet.
Im Jahre 1961 wurde der Bau des neuen Sportstadions beendet.
In den Jahren 1950 – 1960 wurde für 22 Mil. Kčs eine Erneuerung der Wasserleitungen und der Bau eines neuen Wasserwerks und neuer Wassertürme durchgeführt.
Das Röhrennetz durch die Stadt mißt 33 km.

In der Anordnung der Tafeln ist keine Methodik zu erkennen, sie sind wie ein innerer Monolog der Stadt, in dem sich Wichtiges und Banales, Richtiges und Falsches und alle Zeitebenen mischen.

(Von links nach rechts) Am 8. September 2012 wurde aus Anlaß der 750-Jahrfeiern der Gründung der Stadt Vysoké Mýto feierlich eine Statue des Stadtgründers Přemysl Otakar II. enthüllt. // Am 26. April 1827 fertigte Martin Stříbřík in 12 Stunden aus Wolle einen fertigen Anzug. // Am 25. März 1907 wurde am Šember’schen Haus zur Feier des hundertsten Jubiläums seiner Geburt eine Tafel angebracht.

Genau so würde die Stadt reden, genau das kann man sie preiszugeben zwingen.

(Von links nach rechts) Im Jahre 1562 fordert Erzfürst Ferdinand von der Prager Burg aus für den König Maximilian und den Erzfürsten Karl einige Forellen, die sie für die königliche Tafel haben oder haben können. // Im Jahre 1583 ritt Kaiser Rudolf II. auf dem Weg von Mähren über Letovice, Svitavy und Litomyšl nach Böhmen durch Mýto.

Das Besondere in Vysoké Mýto ist, daß all das explizit und für jeden zu lesen an der Mauer steht, zumindest für jeden, der Tschechsich versteht oder diesen Text kennt. Es entsteht kein Ganzes, sondern ein Mosaik, man erfährt nicht, wie man die Stadt verstehen soll, zwischen den Tafeln ist noch viel freier Platz, aus dem oft Pflanzen sprießen.

Am 1. Februar 1800 übernachtete in Vysoké Mýto der berühmte russische Heerführer Generalissimus Fürst Suworow im Haus Nummer 97-I. auf dem Platz.

Aber etwas näher ist man der Stadt nach der Lektüre ihrer Gedanken und als Verbindendes um das Disparate bleibt der Parkring.

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