Der Strand der Trójmiasto

Eines der schönsten Dinge an der Trójmiasto (Dreistadt) ist ihr langer, langer Sandstrand. Wenn man will, kann man ihn an einem Stück vom Rande des Hafens von Gdańsk bis zur Klippe im Gdyniaer Stadtteil Orłowo gehen, etwa 12 Kilometer, und dann noch weiter.

Vom äußersten Punkt an der Mündung der Motława in Gdańsk, wo Hafenanlagen und das Westerplatte-Denkmal aufragen,  sieht man den Strand in einem sanften Bogen vor sich und jenseits der Klippe Gdynia.

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Man passiert Brzeźno, wo die erste Molo (Seebrücke) weit ins Meer hineinragt, und Przymorze. In Jelitkowo zwingt die Einmündung des Potok Oliwski (Oliwaer Bachs), die sich mäandernde Miniaturcanyons in den Sand gräbt, zu einem Umweg in den Park, da man sie trockenen Fußes nicht überqueren kann.

Mit dem schlanken weißen Körper des Hotels Marina beginnt Sopot, die zweite Stadt der Trójmiasto.

Sopots Zentrum rückt bis dicht an den Strand heran und greift mit der Molo noch weit ins Meer hinaus.

Bald danach ändert sich die Landschaft. Nun sind es die Hügel, die bis nah ans Meer rücken.

Der Strand wird schmaler, wilder, nun wachsen hier Bäume und wenn man zurück auf Sopot und Gdańsk blickt, ist es, als blicke man von einer einsamen Mangroveninsel in die ferne Zivilisation. Ein weiterer Wasserlauf, der Kamienny potok (Steinbach), gräbt sich seinen Weg durch den Sand zum Meer, aber er ist meist schmaler, man kann hinüberspringen.

Etwa hier beginnt Gdynia, die dritte Stadt der Trójmiasto, doch genau merkt man es nicht. Wieso Polen nach dem ersten Weltkrieg diesen Teil der Bucht von Gdańsk bekam, ist dafür umso klarer erkennbar: es ist der schlechtere, der landschaftlich schwierigere, der dünner besiedelte auch, der, dessen Verlust die Deutschen leichter verschmerzen konnten. So passiert man Orłowo, das die dritte und kleinste der Seebrücken hat, und direkt danach endet der Strand. Wenn man weitergehen will, hat man die Wahl zwischen Betonbefestigungen um die Klippe oder Waldwege auf ihr. Es folgt noch etwas Strand im Wechsel mit Promenade, nun ohne Aussicht auf die vorherigen Teile, bevor man im Zentrum von Gdynia ankommt. Erst von dem weit ins Meer reichenden Kai, der schon zum Hafen gehört, blickt man wieder auf den Rest der Trójmiasto zurück.

Die Nutzung dieses langen Strands für Tourismus und Naherholung konzentriert sich auf die Seebrücken in Brzeźno, Sopot und Orłowo, auf Jelitkowo, wo eine Straßenbahn endet, und auf die Promenade in Gdynia. Doch auch sonst wird man am Strand immer Menschen um sich haben, denn die Bewohner der Trójmiasto nutzen die luxuriöse Nähe des Meeres. Auch im tiefsten Winter, wenn der Sand von Schnee bedeckt ist, gibt es Spaziergänger.

Auch an Frühlings- und Herbstabenden sitzen am Rande Paare und Grüppchen und trinken Bier, denn das polnische Verbot des öffentlichen Alkoholkonsums wird hier nicht durchgesetzt.

An heißen Sommerwochenenden dann, auch außerhalb der Saison, ist es voll wie in einem Urlaubsort.

Es ist in jedem Moment ein städtischer Strand, ein Strand mitten in der Zivilisation. Die Stadt ist nah. Für die Bewohner der großen fortschrittlichen Wohngebiete Zaspa, Przymorze und Żabianka ist der Strand in fußläufiger Entfernung und für alle anderen führen mehrere Straßenbahn- und Buslinien zu ihm. Und man sieht die Stadt. Selbst, wenn einmal keine Gebäude direkt angrenzen, sind welche in der Entfernung erkennbar. In der Nacht leuchten die Lichter dreier Städte über das Wasser.

Dazu kommen die Schiffe. Frachtschiffe auf Reede, Fähren in nahe Orte oder aber nach Skandinavien, im Sommer Segel- und Motorboote aller Art. Immer wird man so daran erinnert, daß der Strand sich zwischen zwei Hafenstädten und entlang von ehemaligen Fischerdörfern erstreckt.

Man könnte sagen: Dieser lange Strand ist die Trójmiasto. Er ist vielleicht der Orte, wo man all das, was ihre einzelnen Teile miteinander verbindet und voneinander trennt, am besten erleben kann.

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