olivetti

Selbstverständlich ist der Showroom des Schreibmaschinenherstellers Olivetti am Markusplatz in Venedig ein Meisterwerk der Ladenarchitektur. Die großen dunkelgoldgerahmten Fenster mit leicht abgeschrägten Ecken. Das hölzerne Band zwischen den weißen Kapitellen der Procuratie Vecchie, in denen in einfachen Kleinbuchstaben aus blaßgoldenem Metall der Markenname steht.

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Erst recht der leicht erhöhte Innenraum mit Bodenmuster aus kleinen Quadraten, mit einer einst goldenen abstrakten Plastik von Alberto Viani in einem sehr flachen schwarzen Wasserbecken und mit einfachen Holzflächen zur Präsentation der Schreib- und Rechenmaschinen, die durch recht komplizierte Verstrebungen schräg nach unten und durch eine dünne Stange zur Decke so schwebend wirken.

Für olivetti, eine der berühmtesten italienischen Firmen ihrer Zeit, gab es gar keine andere Möglichkeit, als hier, an einem der berühmtesten Orte der Welt, ein Meisterwerk zu schaffen.

Seit 1958, als der Raum gestaltet wurde, scheint sich nichts verändert zu haben, aber das liegt daran, daß er später, als er musealer Ausstellungsraum für Design statt kommerzieller Verkaufsraum für Produkte wurde, behutsam zum Originalzustand  zurückgeführt wurde.

Doch fast noch besser als die transparente Ecke, die man sieht, wenn vom Platz unter die Arkaden getreten ist, ist die Wand, die sich einem als erstes darbietet, wenn man aus dem Gassengewirr der Stadt durch den eher dunklen Gang des Sotoportego del Cavalleto kommt. Hier nimmt die schlichte helle Steinverkleidung gar keine Rücksicht mehr auf die Gesimse und Pilaster des alten Gebäudes. Auf dem rauhen Stein rechts steht ein weiteres Mal der Markenname und daneben ist im glatten Stein und halb in einer um Unsichtbarkeit bemühten oder diese Bemühung behauptenden steinverkleideten Tür das Logo.

Es ist eine Art eckige Spirale, die links unten beginnt und deren Strich von der Mitte waagerecht wieder nach rechts hinausführt. Das Logo findet sich auch rechts des Schaufensters in der Wand des zurückgesetzten Eingangs, dort sogar aus dunkelgoldenem Metall und von hinten beleuchtet, doch bei der versteckten Tür, wo seine Reliefform mit abblätternder goldener Farbe gefüllt ist,  wirkt es eigentümlicherweise noch wirkungsvoller. Seine quadratische Form scheint sich hier auf das Quadrat des zugemauerten eckigen Bogens darüber zu beziehen. Aus der eckigen Spirale des Logos scheint die eher zufällige Form darüber zu erwachsen und auch der ebenfalls zugemauerte Rundbogen rechts scheint von einem Überbleibsel eines älteren Ladenraums zu einem gewollten geometrischen Element des neuen olivetti-Showrooms zu werden. Hier, wo es vom Neuen völlig überdeckt scheint, ist das Alte auf subtilere Art aufgehoben als vorne, wo die Kapitelle und Gesimse eher unbeholfen um das Holzband verbleiben. Hier, wo er eigentlich nur seine Hintertür hat, ist der Raum auch nach außen hin ganz er selbst.

Anders kann das bei einem Meisterwerk nicht sein.

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