Eine Treppe in Lębork

Manche Städte sind für ihre Treppen berühmt, Odessa etwa oder Rom, aber Lębork gehört nicht zu ihnen und warum auch? Man kann Lębork besuchen, ohne auch nur zu merken, daß es an einem Hügel liegt, genauso wie man seinen Fluß Łeba übersehen kann. Nicht anders ist es mit seiner Treppe. Sie ist nicht berühmt, aber sie zeigt, was für nützliche und schöne Orte wohlgestaltete Treppen sein können.

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Der Nutzen ist offenkundig: sie führt den recht steilen Hang zwischen Wita Stwosza (Wit-Stwosz-Straße) und Władysława Syrokomli (Władysław-Syrokomla-Straße)  hinauf. Während unten die Altstadt nah ist, endet Lębork oben bald mit einigen vorstädtischen Straßen. Daß das letzte Haus rechts am Fuße der Treppe ein Nazibau ist, würde man vielleicht nicht beachten, wenn es nicht zum Backstein und zum hohen Satteldach noch einen grausteinernen Eingang, über dem „H.H. 1938“ steht, hätte. So verführt es dazu, der Treppe mehr antifaschistische Bedeutung beizumessen als eigentlich nötig, denn nützlich und schön zu sein genügt ja.

Die Schönheit besteht darin, wie sie eine mächtige Buche, die auf halber Höhe des Hangs wächst, in sich aufnimmt.

Sie macht dafür keine Kompromisse, sondern führt schnurgerade nach oben und links am grauen Stamm vorbei. Doch unterhalb und oberhalb des Baums führen kurze Treppen und Flächen nach rechts und jenseits von ihm eine verbindende Treppe nach oben.

Die Buche und ein großzügig bemessener Teil ihrer Umgebung sind so in ein von der Treppe umgebendes Beet gesetzt. Sie sind in der Treppe aufgehoben. Die Natur bekommt innerhalb des Menschengemachten einen Ehrenplatz und wird erst dadurch schön. Entsprechend sind in den Rändern dieses Beets Bänke, damit man dort im Schatten des Baums verweilen kann. Man ist hier mitten in der Treppe, kann in die Blätter über sich oder zurück auf die Backsteintürme der Altstadt blicken.

Oder man kann die Treppe selbst bewundern, ihren ausgewogenen Wechseln zwischen Stufen und ebenen Flächen oder ihr Geländer aus runden Stahlelementen. Auf den grünen Pfosten ist oben ein gelber Handlauf und in der Mitte leicht vorgesetzt eine zweite horizontale Stange in Gelb.

Doch die ist keine Dekoration, auch keine Absperrung, sondern ein zweiter Handlauf für Kinder. Es ist gleichsam, als wollten die Erbauer der Treppe damit jegliche Zweifel an ihrer Brillanz ausräumen. Während die Sitzmöglichkeiten auf halber Höhe der Treppe besonders alten Menschen nützen, dient der zweite Handlauf den Kindern.

Berühmt muß Lębork für diese seine Treppe nicht sein, Berühmtheit ist ohnedies kein Wert für sich, aber lernen kann man von ihr so viel wie von ihren Schwestern in Rom oder Odessa.

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