Erdfunkstelle

Erdfunkstelle – was für ein Wort! Man hört geradezu, wie in einem deutschen Raumschiff oder in einem Raumschiff der deutschen Science Fiction, „Perry Rhodan“ vielleicht, der Satz fällt: „Haben wir schon die Landeerlaubnis von der Erdfunkstelle?“

Erdfunkstelle – was für ein Bild aber auch! Unzählige Satellitenschüsseln, manche riesig, manche nur klein, im weitem Tal der Fränkischen Saale bei Hammelburg. Alles hier ist idyllischste deutsche Provinz, die Stadt mit gotischer Kirche und Fachwerkhäusern, die Weinberge, das Schloß Saaleck, die Felder, die verstreuten Dörfer – und mittendrin die Erdfunkstelle.

Das wäre das Setting für eine Mysteryserie. Nicht schwer, sich vorzustellen, wie im Vorspann die Kamera vom properen, etwas biederen Wohn-/Eßzimmer eines typischen westdeutschen Einfamilienhauses zum Fenster führe, wo die Landschaft mit Satellitenschüsseln auftauchte.

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Dann vielleicht ein Schnitt zu den gespenstischen weißen Formen der Satellitenschüsseln vor dem Nachthimmel. Die Geschichte wäre naheliegend: die Erdfunkstelle in der Provinz, betrieben von einer geheimnisvollen Firma mit nichtssagendem Namen, etwas wie Intelsat vielleicht, Gerüchte um CIA, NSA, BND, die Hasen und Rehe meiden die Umgebung, Haustiere verhalten sich komisch, das Nebeneinander von Idylle und Bedrohlichkeit, ein unterfränkisches Twin Peaks. Dann verschwinden Jugendliche, vielleicht, weil sie in einer Sommernacht statt wie üblich über den Freibadzaun über den der Erdfunkstelle kletterten? Unwahrscheinlicher Held wird ein Sohn polnischer Migranten, der das Wachsen der Erdfunkstelle von seinem Jugendzimmer aus miterlebt hatte und gerade arbeitslos bei seinen Eltern herumhängt, und zur Unterstützung holt er sich eine zusammengewürfelte Grupe von Freunden, die er beim Studium in einer Provinz anderer Art kennengelernt hatte.

Diese Serie wird es nie geben, aber es gibt die Erdfunkstelle als Wort wie als Bild und das ist für Hammelburg und Umgebung ja auch schon etwas.

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