Papierflieger in Billund

In einem Bogen des Wegs vom Flughafen Billund in den dazugehörigen zentraldänischen Ort steht auf der leicht abfallenden Wiese am Waldrand ein kleines offenes Gebäude, ein Unterstand fast nur. Sein dünnes stählernes Dach ruht auf schmalen Stützen und zeigt mit der gefalteten Pfeilform eines Papierfliegers in Richtung Flughafengelände.

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Dorthin, zu Start- und Landebahn, öffnet sich auch der dreistufige amphitheaterartige Sitzbereich darunter. Die Wände hinter ihm bestehen aus Glas und braunem Stahl, vor dem zwei große vertikale Bildschirme stehen. Auf dem linken werden die Starts und auf dem rechten die Landungen angezeigt, immer mit detaillierten Informationen unter anderem über den Flugzeugtyp.

Das Gebäude bietet also die Möglichkeit, mit Blick auf den Flughafen zu verweilen, den startenden und landenden Flugzeugen zuzuschauen und sich über diese zu informieren. Das ist eine nette Idee in netter Umsetzung. Auf subtile Art wird die dänische Provinz mit der Welt verbunden. Ganz wie für ein Kind mit einem Papierflieger können hier Gedankenflüge beginnen.

Selbstverständlich gäbe es Apps, die dieselben Information und sicher noch viele weitere geben können; die Bildschirme sind ein Luxus. Und gerade darum geht es, genau so soll es sein. Selbstverständlich kann jeder, der das wirklich will, jede Information bekommen, aber entscheidend ist immer, sie allen möglichst einfach zugänglich zu machen. Nicht an Luftverkehrsbegeisterte, sondern an Menschen, die vielleicht nie viel darüber nachgedacht haben, richtet sich das Gebäude, deshalb sind die Bildschirme so wichtig.

Bei diesem dänischen Beispiel handelt es sich gewiß nur um eine Spielerei, um ein Gimmick in einem reichen Ort in einem reichen Land. Zudem ist es immer ein Risiko, die gerade modernste Technik in öffentliche Gebäude einzubauen, und es ist möglich, daß die Bildschirme bald so rührend veraltet wirken wie beispielsweise die Internettelefonzelle auf dem Marktplatz von Velké Meziříčí, die vor nicht langer Zeit Stolz der Stadt war. Aber das ist unvermeidlich und das hier aufgezeigte Prinzip bleibt dennoch auch bei wichtigeren Dingen dasselbe. Es ist etwa möglich, sich individuell per App über die Abfahrtszeiten von Zügen zu informieren, doch ein Luxus ist es, darüber kollektiv auf Anzeigetafeln und mit Durchsagen informiert zu werden. Luxus ist, etwas nicht selbst machen zu müssen, und dieser Luxus ist umso bedrohter je größer die Möglichkeiten, alles selbst zu machen, werden. Daran erinnert das kleine Gebäude am Billunder Flughafen.

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