Beton im Park

Elbląg ist, wenn ihm auch einiges fehlen mag, mit mehreren schönen Parks gesegnet und der schönste von ihnen ist der Park Dolinka. Dolinka heißt kleines Tal und wenn man den Park an seinem Ende, in der Kościuszki (Kościuszko-Straße), betritt, ist es, als fließe man mit dem Bach Kumiela durch ein kleines Tal in die Stadt hinein.

Der Park ist dabei ganz und gar Produkt des polnischen Sozialismus. Die erste Maßnahme war es, einen neuen Wasserfall zu bauen. Er führt ein ganzes Stück vom alten entfernt direkt durch den Beginn des Tals.

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Sein Betonkanal beschreibt erst einen weiten Schwung mit dem sanften Gefälle, um das Wasser hinabzuleiten. Dann fließt er über drei kleine Stufen in einen geraden Kanal, den bei seinem Ende eine stählernen Brücke überspannt. Nun folgt die höchste Stufe des neuen Wasserfalls.

Während das Wasser über die Kante fließt und sie rund wirken läßt, öffnen sich die Betonwände nach außen und wirken dabei umso eckiger. Der folgende breite, aber kurze Kanal wird bei seinem Ende durch schräg vom Rand zur Mitte ragende Betonelemente wieder verengt. Noch ein Stück stürzt das Wasser herab, womit der Wasserfall endet.

Der alte Wasserfall ist rechts davon am Hang. Einst floß das Wasser aus dem Stausee, der auch später noch ein Freibad war, unter einer Brücke hindurch und stürzte die breite steingefaßte Fläche steil ins Tal hinab.

Trocken, die Brücke mit Erde unterfüllt, teils mit Bäumen bewachsen, ist es kaum mehr als solcher oder als irgendetwas zu erkennen.

Bloß eine morastige Fläche ein Stück davor wirkt, als erinnerte sich der Bach an seinen alten künstlichen Lauf.

Die beieinanderliegenden Wasserfälle stehen für zwei verschiedene Herangehensweisen an die Gestaltung der Natur. Der alte versucht mit Steinen natürliche Gegebenheiten, die hier nicht bestehen, nachzuahmen – er lügt. Der neue schafft für das Wasser einen Betonlauf, der mit Natürlichem offenkundig nichts zu tun hat – er ist ehrlich. Wiewohl die vielfältigen und spannungsvollen Wechsel von Geschwungenem und Geradem, Fallendem und Flachem, Breitem und Engem sicher praktischen Erfordernissen geschuldet sind, wirkt der neue Wasserfall doch auch wie eine abstrakte Skulptur, in der sich Beton und Wasser verbinden. Er ist jedenfalls mit den daneben verlaufenden Treppen und Wegen und der an wohlgewählter Stelle hinüberführenden Brücke so gestaltet, daß er vom Menschen erlebt werden kann. Da ist es nur eine schöne Bestätigung, wenn auf der Betonschräge im Frühling Jugendliche lagern.

Weiter fließt der Bach gerade durch das enge Tal. Rechts führen Wege zwischen alten Bäumen hinauf, während links steiler Hang ist. Ein letztes Mal stürzt das Wasser hier zwischen schrägen Betonelementen herab. Wo der Bach einen Bogen macht, öffnet sich das Tal und der Park. Links vor dem Hang sind weite Wiesen, auf denen auch eine Skulptur steht, die eine typische abstrakte Elbląger Raumform aus den Sechzigern sein könnte, aber erst 2012 entstand. Den hufeisenförmigen Bogen des Bachs kann man entweder auf dem Weg rechts gehen oder über zwei Brücken, die ihn gerade durchschneiden, abkürzen.

Rechts ist oberhalb der Bachbiegung eine Freilichtbühne mit Amphitheater in den Hang gesetzt. Zwischen zwei Treppen steigen Beete in vorgewölbten Terrassenstufen zu ihm hinauf an.

Ihre Mauern sind aus kleinen horizontalen Steinplättchen, was dann bei den Stufen des Amphitheaters wieder aufgenommen ist. Die eigentliche Bühne ist eine kreisrunde niedrige Betonfläche, die aber zu schweben scheint.

In ihrem hinteren Teil, zum Park hin, steht ein Dach aus höher geführten Stützen und leicht schräg ansteigende Streben aus gelbem Stahl. Daneben ragen zu beiden Seiten zwei große grüne Stahlelemente auf, die schmal beginnen, langsam breiter werden und sich nach einem Knick im unteren Viertel leicht über das Dach lehnen. Ist das Dach einfach und funktional, so könnten die grünen Keile wiederum Skulpturen sein. Auch im heutigen Zustand größten Verfalls zeigt die Freilichtbühne noch seine architektonische Brillanz.

Sie steht an einem Scharnierpunkt des Parks und man könnte sie seinen Höhepunkt nennen, wenn sie nicht so sehr Teil eines Ganzen wäre, daß das Wort sinnlos wird. Neben ihr führt ein Weg hinauf in Wohngegenden, dann folgt ein Rodelhang. Das ist immer ein beliebtes Gestaltungselement in Parks, aber dieser ist gleichsam die Deluxeversion mit Treppe und weitem Schwung ins Tal, beinahe der Ansatz einer Bobbahn.

Im weiteren Verlauf des Tals trennen sich der nunmehr naturähnlich geschlängelte Bach und der Weg. Es gibt weitere Wiesen, Brücken, Skulpturen. In einer anderen Biegung nähert sich der Friedhof, der oberhalb des Hangs links lag, dem Bach.

Der Park endet mit einem großen Spielplatz. Von hier sieht man schon eine städtische Silhouette aus Wohnhochhäusern und Zikkurat.

Elbląg zeigt sich dem Park von seiner schönsten Seite.

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