Eine Villa für Lachse

Lachstreppe – bei diesem Wort denkt man an irgendwelches Ökozeug, da wird den armen Fischen geholfen, ihren Weg zu finden, wie lieb. Was man sich eher nicht vorstellt, ist die konkrete Architektur einer solchen Treppe. Der Anblick einer echten Laxtrappa (Lachstreppe) in Nyköping zerstört dann rasch alle Ökoromantik und erinnert daran, daß Lachsen den Zugang zu ihren Laichplätzen zu erhalten, keine abstrakt altruistische, sondern eine konkret wirtschaftliche Frage ist, da Lachs gerade in Skandinavien ein wichtiges Lebensmittel ist.

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Weil der Storhusfallet – steile, wasserfallartige Stromschnellen in einer Biegung des Nyköpingsån (Nyköpingflusses) – im Zentrum der Stadt mit Schleußen reguliert ist und den flußaufwärts ziehenden Lachsen also der Weg versperrt, wurde 1984 am Rande diese Lachstreppe gebaut – aus Beton. Zuerst zweigt sie schräg vom Fels der Stromschnellen ab, führt kurz nach hinten hinauf und steigt schließlich entlang dem Ufer nach vorne hin an, um mit einem kleinen Becken in den höheren und sehr stillen weiteren Lauf des Flusses zu münden.

Ganz wie der Name sagt ist diese Konstruktion eine Treppe. Sie hat regelmäßige Stufen und schmale, aber feste Wände aus Beton. Das Wasser schäumt sich in ihr fast noch mehr als über den Steinen daneben, schwappt auch über den Rand des oberen Beckens. Es ist eine Architektur für Lachse, zweckmäßig und schön.

Wie der Beton in den Fels gesetzt ist, seine klaren eckigen Formen auf dessen vom Wasser abgerundeten, dieser Kontrast zwischen Gebautem und Natur, weckt unweigerlich Assoziationen mit kalifornischen Villen der Fünfziger, Sechziger, die man nur aus James-Bond-Filmen kennt und kennen kann. Mitten in der schwedischen Kleinstadt, an ihrer unwahrscheinlichsten Stelle, entstehen so Bilder ganz anderer Welten. Durch ihre Funktion wie durch ihre Schönheit dient auch die Lachstreppe ganz dem Menschen.

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