Zeitreise mit polferries

Man kann auch heute noch mit einer polferries-Fähre von Gdańsk nach Stockholm (polnisch phonetisch Sztokholm) fahren, aber seit 2015 nicht mehr vom Terminal in Nowy Port, sondern von einem neueren am gegenüberliegenden Ufer auf der Westerplatte. Das alte Terminal steht aber weiterhin und wird wohl noch lange unberührt in dieser stillen Ecke zwischen Hafenanlagen, Wasser und dem Rand der Bebauung des Stadtteils Nowy Port stehen.

Rechts ist zuerst die Einfahrt für Autos, ein hochaufgestütztes grünes Stahldach und kleine Abfertigungshäuschen.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Links beginnt schon davor eine ovale Grünanlage mit Sträuchern und hohen Pappeln, durch die ein gerade Weg führt, während um sie Autos und ein Bus fahren und Reisende anliefern konnten.

An ihrem Ende steht das eigentliche Terminalgebäude, ein einfacher eckiger Bau, der sich auf rechteckigem Grundriß zum Ufer erstreckt.

Es hat nur im Erdgeschoß Fenster, obwohl es höher ist, und zur Grünanlage hin Eingänge unter einem freischwebenden grauen Vordach, doch vor allem ist es seine dunkelblaue, leicht ins Türkise gehende glatte Kunststoffverkleidung und das weiße polferries-Logo über der Eingangsseite.

Das Logo verwandelt seine Buchstaben durch einen vom leicht schrägen p bis zum s reichenden Unterstrich in ein stilisiertes Schiff, das durch das höhergeführte l und den waagerecht nach hinten verlängerten oberen Strich des f auch Schornsteine und Dampf bekommt. Wie markant und schön dieses Logo ist, merkt man auch, wenn man seine neuere, rundere Version auf einem blauen Schiff oder klein weiß auf blau neben den Schildern für Autos und LKWs/Busse an der Einfahrt des Terminals sieht.

Aber auf das türkisblaue Terminalgebäude, da gehört es wirklich hin. Große weiße Buchstaben in einer einfachen Konstruktion aus dünnen Stahlstreben, die heute offenliegt, da das o fehlt. Hier wird das Logo erst wirklich zum Schiff und das Gebäude unter ihm wird zum Meer. Die Reise mit polferries, die den Ankommenden erwartet, ist schon architektonisch vorweggenommen.

Das Terminalgebäude ist ein Beispiel maritimer Architektur, die nicht versucht, wie ein Schiff auszusehen, was immer etwas lächerlich wirkt, sondern auf viel subtilere, sogar leicht zu übersehende Weise, aufs Meer Bezug nimmt. Für sich genommen könnte das wohl in den Sechzigern errichtete Gebäude überall stehen und so muß es sein. Es erfüllt seine Funktion tadellos und ist im Inneren daher nicht mehr als eine hohe Halle, an deren Seite Schalter und anderes sind, während sie im hinteren Teil von den Zollanlagen gekreuzt wird.

Kein polferries-Schiff wird mehr dort anlegen, keine Reisenden mehr achtlos hindurchgehen. Die einzigen Reisen, die hier noch beginnen, sind Zeitreisen. Eine bessere Lage dafür könnte das Terminal auch kaum haben. Direkt auf der anderen Flußseite ist das Westerplatte-Denkmal, das man von hier vielleicht besser sieht als von irgendwo anders.

Erreichen allerdings kann man es normalerweise weder von hier noch von sonst irgendwo in Nowy Port, da die einzige Fähre wahnwitzigerweise stillgelegt wurde. Weiter links steht ein backsteinerner Leuchtturm in historistischen Formen, der heute eine kleinere Touristenattraktion ist.

Dort hält in den warmen Monaten auch ein paar Mal täglich ein sogenanntes Wassertaxi, mit dem man ins Stadtzentrum und, wenn man will, sogar zur Westerplatte kommt.

Aber eigentlich reicht auch das blaue Gebäude mit dem Logo. Vom Zweckbau wurde es zum zweckfreien Kunstwerk, zum Denkmal für eine frühere Epoche von polferries. Der englische Name, der einst die Verbindung zur weiten Welt ausdrücken sollte, wirkt heute schon provinziell, denn wie weit fahren schon Fähren. Dennoch ist Sztokholm weit, aber polferries dafür näher als auf der Fähre selbst.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Zeitreise mit polferries

  1. Pingback: Der Strand der Trójmiasto | In alten und neuen Städten

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.