Architektur an der Zaan

Die Gegend an der Zaan (Zaanstreek) nordwestlich von Amsterdam zeichnet sich durch einen spezifischen und sehr markanten Haustyp aus.

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Er unterscheidet sich von anderer dörflichen Architektur der Niederlande dadurch, daß er ganz oder zumindest an der Schauseite aus glattem Holz in einem satten Dunkelgrün besteht. Die Bretter sind im Erdgeschoß horizontal und im Giebel vor dem Satteldach vertikal angebracht. Im Kontrast zum Dunkelgrün steht das Weiß der Fensterrahmen und der Verzierung des Giebels. Bei den einfachsten der Häuschen ist der Giebel nur ein Dreieck, dessen Ränder einfache Muster bilden, während in der Mitte eine Spitze aufragt.

Oft aber haben die Giebel aufwendige barocke oder klassizistische Ornamente.

Sie sind dann große Flächen, die mit dem eigentlichen Abschluß des Dachs nichts mehr zu tun haben. Voluten, Pilaster, kleine Tempelgiebel schmücken sie.

Die Holzbauweise ist eng mit der Geschichte der Gegend verbunden. Die Zaan war das Zentrum des Schiffsbaus in Holland. Die Handels- und Kriegsflotten, mit denen die Niederlande zur Weltmacht wurden und Kolonien in allen Weltteilen eroberten, sie hatten ihren Ursprung hier. Holz, importiert aus Skandinavien oder Deutschland, gab es daher immer mehr als genug, mit Holz arbeiteten viele, die hier lebten, und es war nur naheliegend, daß sie auch ihre Häuser aus Holz bauten, zumal der Boden für Steinbauten ungünstig ist. Die Holzhäuser an der Zaan sind letztlich Neben-, um nicht zu sagen Abfallprodukte des Niederländischen Imperialismus.

Da die Giebel nicht aus einem wenigstens scheinbar soliden Material wie Stein sind, sondern aus einem so brüchigen wie Holz wirkt dieses Bauen immer etwas rührend und unbeholfen. Es erinnert an Filmkulissen, die niemanden täuschen; ein Blick hinter die dünne Holzfläche offenbar immer das bescheidene Häuschen.

In der Tat ist die Architektur der Zaanstreek eine potemkinsche. Aber in ihr drückt sich das Bemühen der Zaaner Handwerker und Kleinbürger aus, die Formen der Bürgerhäuser in den Städten, insbesondere im nahen Amsterdam, nachzuahmen. Auch diese sind ja potemkinsch, wenn sie je nach Mode verschiedene Giebel bekommen, sie verdanken es bloß dem Material, daß man es nicht sofort merkt. Die bloß dekorativen Formen werden durch ihre ländliche Verwandlung in Holz und Dunkelgrün-Weiß vielleicht entlarvt, aber auch zu etwas Eigenem und Neuen.

In den verschiedenen Orten von an der Zaan, Wormsermeer, Koog an de Zaan, Zaandam, die administrativ, aber nicht urbanistisch zu Zaanstad zusammengefaßt sind, findet man noch einige solcher Häuschen. Zugleich sieht man hier auch, wie sie mit dem 19. Jahrhundert an Popularität verloren. Ein bezeichnendes frühes Beispiel sieht man in Zaandam an der Westzijde (Westseite), wie die an der Westseite der Zaan verlaufende Straße bloß heißen muß . Dort steht ein Doppelhaus von geradezu englischer klassizistischer Eleganz. Ein Geschoß und ein hohes Walmdach, die Türen in der Mitte nebeneinander, weiter große Fenster. Der langgestrecke Baukörper parallel zur Straße und noch hinter einem Vorgarten zurückgesetzt.

Wie veraltet nimmt sich neben dieser schnörkellosen und großzügigen Architektur das kleine traditionelle Zaaner Haus aus, das rechts so nah daneben steht, daß sein dunkelgrüner Giebel fast gegen die Schmalseite stößt und halb verdeckt ist. Doch die Vergangenheit ist noch näher: die hinteren Teile des Doppelhauses, mit denen es bis zum Wasser reicht, sind ebenfalls in zaantypischem grünen Holz errichtet.

Die volkstümliche Architektur war den Erbauern offenkundig schon peinlich. Anderswo wurde aus demselben Grund eine steinerne Fassade vor ein nur eingeschossiges grünes Holzhaus gesetzt.

Das setzte sich im weiteren 19. Jahrhundert fort. An die Stelle des Schiffsbaus trat Industrie, etwa die Verkade-Schokoladenfabrik in Zaandam, und es entstand dazu historistische Architektur, wie es sie ähnlich überall in den Niederlanden gibt. So kann man an der Zaan heute Zaaner Architektur finden, aber sie genausogut übersehen.

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Ein Gedanke zu „Architektur an der Zaan

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