„Nauwelijks te lessen de dorst naar nieuwe oevers“

Im südniederländischen Eindhoven steht auf dem Boden vor der Einfahrt zum Wasserwerk in der Anton Coolenlaan (Anton-Coolen-Straße): „Nauwelijks te lessen de dorst naar nieuwe oevers“ (Kaum zu löschen der Durst nach neuen Ufern“).

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Das sind die richtigen Worte an der richtigen Stelle und darin, diese Worte an diese Stelle zu bringen, liegt die Kunst. Daß das 1987 geschaffene Kunstprojekt „Vijf situaties in Eindhoven“ (Fünf Situationen in Eindhoven) der Künstlerin Marjan Barnier noch andere Teile und vielleicht tiefere Bedeutungen hat, kann man dabei getrost ignorieren.

Der konkrete Nutzen der technischen Einrichtung wird durch die Worte mit einer abstrakten Sehnsucht verbunden, das durstlöschende Wasser mit dem kaum löschbaren Durst nach dem Neuen. Das Wasserwerk selbst ist ein Ausdruck dieses Dursts. Seinem sichtbarsten Gebäude auf dem großen Gelände, einer langgestreckten Halle mit Seiten aus dunklem Backstein, verglaster Front, überstehendem Dach, zwei vertikalen blauen Rohrenpaaren davor, sähe man es vielleicht nicht an, seinem 1970 errichteten Turm aber sofort.

Ganz in Weiß erhebt er sich hinter den Bäumen weiter rechts. Drei hohe Rohre, in denen oben auf jeweils verschiedenen Höhen drei große Kugeln so sitzen, daß jeweils ein mehr oder weniger langes Stück Rohr übersteht.

Sie stehen im Dreieck zueinander und zwischen ihnen ist ein dreieckiges dünnes Stahlgerüst. In ihm führen Leitern nach oben zu Plattformen, von denen die Kugeln jeweils auf ihrer halben Höhe, bei ihrer Äquatorlinie sozusagen, zu erreichen sind. Das Gerüst ist außerdem durch verschiedene gerade und schräge Streben mit den dreieckigen Stützkonstruktionen um jedes der Rohre verbunden.

All das ist zweifelsohne völlig funktional und eben dadurch von großer Schönheit. Die runden und dreieckigen Formen, die massiven Kugeln im filigranen Gerüst verbinden sich zu einem unverkennbaren Gebäude, Eindhovens Wasserturm. Man könnte seine Wirkung in der Stadt skulptural nennen, aber das wäre kein Lob, denn jede abstrakte Skulptur müßte sich angesichts dieser funktionalen Konstruktion, die nur nebenbei schön und doch schöner als alle von ihnen ist, schamvoll verstecken. Dieser Wasserturm löscht so nicht nur den konkreten, sondern auch ein wenig des abstrakten Dursts. Im Süden der Niederlande, weit vom Meer, können die neuen Ufer in der Höhe liegen.

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