Congregational Church Kilmainham

Das 1796 errichtete Kilmainham Gaol (Kilmainham-Gefängnis) im Westen Dublins hat eine kalte und feindselige klassizistische Steinfassade. Schon zu Zeiten, als es anderswo noch einen Barock gab, wurden solche Formen in der britischen Architektur für alle öffentlichen Gebäude gerne verwandt, wodurch sie alle etwas wie Gefängnisse aussehen.

Daß es auch anders ging, zeigt ein ein zierlicher Bau, der nur ein Stück entfernt auf der anderen Seite der Inchicore Road steht.

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Hinter einem leicht ansteigenden britisch-südlichen Garten, in dem auch Immergrünes und Palmen nicht fehlen, ein weißes Gebäude mit niedrigem Walmdach und drei rundbögigen Fenstern. Ausgewogen in Höhe und Breite, mit schlichtem hölzernem Maßwerk in den Bögen, sind diese Fenster Beispiele einer gänzlich ungotischen Neogotik, aber dienen doch einfach dazu, Licht in den dahinterliegenden Saal zu lassen. Trotz ihren historistischen Anklängen behaupten sie auch nichts anderes.

Ein Blick auf dieses bescheidene sachliche Versammlungsgebäude genügt, um zu wissen, daß es sich um einen Sakralbau einer nur geduldeten Minderheitsreligion handelt, denn – ob nun eine Mennonitenkirche in Gdańsk oder eine Synagoge in Erfurt – diese gleichen sich immer sehr. In diesem Fall baute ihn sich vermutlich 1815 die Congregational Church, eine protestantische Sekte, die, wie der Name bereits sagt, die selbstverwaltende Rolle der Gemeinde betont. Wie aus ihrer vielleicht einzigen Geschichte hervorgeht, wurde die kleine Kirche am Rande von Dublin von einem englischen Industriellen gegründet und war immer eng mit aus England eingewanderten Arbeitern und in der Gegend stationierten Soldaten verbunden. In ganz Irland stand die Congregational Church im Gegensatz sowohl zur anglikanischen Church of Ireland (Kirche von Irland) als auch zur katholischen Kirche. Heute existiert sie in der Republik Irland nicht mehr, auch das Gebäude hat in den Neunzigern seine religiöse Funktion verloren und war 2012 für 550 000 Euro als Wohnhaus auf dem Markt. Doch selbst wenn es das alte Schild draußen nicht mehr gäbe, bliebe es immer als bescheidener Sakralbau zu erkennen. Wenigstens architektonisch zeigte sich die Congregational Church mit ihrem Kleinod in Kilmainham den beiden größeren Kirchen überlegen.

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