Johannes von Nepomuk in Hammelburg

Man merkt schon, daß Johannes von Nepomuk im Städtchen Hammelburg in Unterfranken nicht ganz zu Hause ist. Zwar ist Hammelburg, ist auch die weitere Umgebung katholisch, aber es ist nicht mehr weit in protestantische Gegenden oder gar in solche mit religiöser Toleranz. Die Länder der Gegenreformation jedenfalls, Böhmen, Österreich, aus denen Nepomuk stammt, sind fern und so unterscheidet sich seine Hammelburger Darstellung in manchem von den dortigen Konventionen.

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Auf einem Volutensockel steht er wenig verrenkt, die Hände hat er zum Gebet gefaltet, was seinen Umhang besonders frei hinter ihm hängen läßt, ein Birett ist nirgends zu sehen und um den Hals hat er einen hochgeschlossenen, irgendwie protestantisch wirkenden Kragen, ein sogenanntes Beffchen. Insbesondere hat er statt des ihm, nur ihm gebührenden fünfsternigen Heiligenscheins einen typischen helikopterähnlichen Strahlenkranz, wie ihn jeder x-beliebige andere Heilige auch haben könnte. Das kleine, offenkundig viel neuere Metallkruzifix ist zusammenhangslos in seinen Arm gesteckt, als habe ein Reisender aus Böhmen die Kunde mitgebracht, daß ein echter Johannes von Nepomuk das haben müsse. Was der Hammelburger Bildhauer Johan Jakob Faulstig hier 1756 im Auftrag des Landesherrn, dem Bischof von Fulda, schuf, ist kein Spiel mit den Konventionen, sondern verrät eine Unkenntnis der Konventionen.

Erst durch die Umgebung der Skulptur kann man ganz sicher sein, daß dies wirklich Johannes von Nepomuk ist. Die beiden Tafeln am Sockel bestätigen es, einmal deutsch und einmal lateinisch.

Den wichtigsten Hinweis jedoch findet man auf der Rückseite der Skulptur, die heute nur umständlich zu betrachten ist.

Dort sitzt ein Engel mit auf dem Mund gelegtem Finger und verschlossenem Buch als Symbolen der nepomukschen Verschwiegenheit So versteckt hinter dem Rücken des Heiligen scheint er aber eher den Betrachter aufzufordern, ihm nicht zu verraten, wie wenig er von vorne als Johannes von Nepomuk zu erkennen ist.

Ursprünglich stand  Johannes von Nepomuk mitten auf dem Marktplatz. Er stand mit dem Rücken zum zurecht berühmteren Renaissancebrunnen und war sich dessen, wie der Engel zeigt, auch bewußt. Erst in den dreißiger Jahren wurde er an den Rande eines kleineren Platzes in der Nähe gesetzt. Es ist, als sollte er damit noch etwas erniedrigt werden, als sollte noch weiter betont werden, wie sehr er in Hammelburg in der Fremde ist, denn nunmehr steht er am – Viehmarkt.

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