Dubliner Wellen

Am Rande des People’s Gardens (Volksgartens) im Westen der irischen Hauptstadt Dublin steht ein kleines offenes Betonschalengebäude. Nicht mehr als ein dünnes Betondach, das beidseits leicht schräg vom Boden aufsteigt und sich zweifach wellt, eine Rückwand aus unregelmäßigem grauen Natursein, die eine mittige Stütze versteckt, und rechteckige Bodenplatten.

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Zwischen hohen mediterranen Nadelbäumen scheinen so die sanften menschengemachten Wellen des Parks in die sanften menschengemachten Wellen des Betons gegossen.

Die Verbindung von gewelltem Betondach und Naturstein läßt an James-Bond-Villen denken, an exotischere, elegantere Häuser, wie es sie in Dublin, das von typisch britischen Reihenhäusern geprägt ist, einfach nicht gibt. Es ist, als habe hier ein Architekt ein architektonisches Element, für das in seiner Baupraxis kein Platz war, in mehr oder weniger zweckfreier Weise ausprobieren dürfen. Denn obwohl an den drei Seiten innen Sitzflächen sind, ist die praktische Funktion des Gebäudes marginal, da es als reiner Unterstand eher zu groß und dunkel ist.

Sitzt man darin, hat man einen guten Blick auf den riesigen Obelisken des Wellington-Denkmals, den höchsten Obelisken Europas. Das menschliche Maß der Betonschale um einen mindert dessen auch aus der Ferne unmenschliche Größe ein wenig, was denn, ob beabsichtigt oder nicht, zumindest ein schöner Nutzen des Gebäudes ist.

Werbeanzeigen