Ein Sturz im Park Reagana

In Gdańsk gibt es einen Park Prezydenta Ronalda Reagana (Präsident-Ronald-Reagan-Park) und in diesem gibt es ein Kunstwerk, das Ronald Reagan und den Papst zeigt.

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Papież (Papst) ist in Polen ein Synonym für Jan Paweł II. (Johannes Paul II.) und in Kunstwerken wird er tausendfach dargestellt, weshalb es vielleicht zutreffender ist, daß dieses den Papst und Ronald Reagan zeigt, nicht andersherum.

Es handelt sich um überlebensgroße Bronzeplastiken, die ein in Miama im Jahre 1987 entstandenen Pressephoto nachahmen. Papst und Präsident nebeneinander gehend, miteinander sprechend.

Das Kunstwerk steht an einem wichtigen Weg, der von Przymorze und einer Bushaltestelle zum Strand führt. Es steht nicht auf diesem Weg, aber auch nicht von ihm abgetrennt. Die Plastiken gehen ohne Sockel auf demselben Boden wie der Betrachter.

Erst seitlich sind niedrige abgeschrägte Betonmäuerchen mit schlecht lesbaren, weil stark spiegelnden Tafeln aus dunklem Stein. „Wdzięczni za niepodłegłość Polacy” (Die für die Unabhängigkeit dankbaren Polen), steht dort groß und kleiner Hinweise auf das Photo und die Sponsoren des Denkmals.

Hinzu kommen drei Fahnenmasten, an denen zwei polnische Flaggen und eine von Johannes Paul II., aber keine amerikanische hängen.

Denkmalplastiken in realistischen Formen und angeordnet in realistischen Situationen zu zeigen, ist ein typisches Merkmal der reifsten Strömungen des sozialistischen Realismus, von dem auch die zeitgenössische polnische Propagandakunst zehrt. Ein schlechtes Kunstwerk ist diese im Park Reagana, so reaktionär der Inhalt, also nicht.

Was seine Schöpfer aber nicht bedachten, war die enorme Verehrung, die viele Menschen in Polen dem Papst entgegenbringen. Sie wollen ihn, wie groß auch immer, nicht im Gang und im Gespräch mit irgendeinem bloßen Menschen sehen und gewiß nicht auf einer Ebene mit sich selbst. Sie wollen zu ihm aufblicken, ihn anbeten, ihm Opfer bringen. Kein Wunder also, daß jemand Blumenkästen im Halbkreis vor die Plastiken aufstellte, damit ein Ort entstehe, wo Kerzen, Kreuze und Kränze zu ihren Füßen abgelegt werden können.

Das zeigt ein großes Unverständnis, ja, Desinteresse an diesem Kunstwerk, denn es soll ja gerade freistehen, keinen Sockel, keine Barrieren haben. Aber es geht diesen Papstgläubigen eben nicht um Kunst, sondern um den Papst.

Daher sieht es nun im Park Reagana so aus, als seien ein riesiger Papst und ein riesiger Ronald Reagan kurz davor, allerlei Devotionalien zu zertrampeln und dann über Blumenkästen zu stolpern.

Religiöser Eifer veränderte hier staatstragende Propagandakunst so, daß auch der kommunistische Betrachter etwas an ihr finden kann. Alle sind zufrieden, könnte man sagen, aber stimmen würde es natürlich nicht.

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