Erkundungen auf Friedhöfen: Muslimische Gräbervielfalt in Malmö

Zum Malmöer Immigrantenstadtteil Rosengård gehört auch der Östra kyrkogården (Ostfriedhof). Neben einem großen christlichen, das heißt protestantischen, Teil hat er auch einen kleinen jüdischen und einen etwas größeren und wachsenden muslimischen Teil.

Dieser ist der jüngste Teil, die ersten Gräber sind aus den Siebzigern, und wirkt auch unfertiger, provisorischer als anderen. Das liegt wohl daran, daß er nicht wie diese allseits von Bäumen oder Hecken umschlossen ist, sondern zu umliegenden öden Wiesen und der dahinter aufragenden Wohnbebauung geöffnet ist.

Die Gräber sind sehr unterschiedlich. Es gibt bosnische Gräber mit kitschig realistischen eingravierten Porträts,

albanische Gräber in stilisierten Moscheeformen,

türkische Gräber mit türkischen Flaggen

und Gräber mit arabischen oder persischen Aufschriften wie folgendes irakische.

Manche Steine sind nur schwedisch, manche zweisprachig, manche nur in anderen Sprachen beschriftet. Manchen fehlt jeder Hinweis auf Religiöses, manche haben Hinweise auf die erste Sure des Korans الفاتحة/fatiha.

Was hier auffällt, ist, daß es so etwas wie das typische muslimische Grab nicht gibt. Wie auch? Auch ein christliches Grab sieht in Schweden schließlich anders aus als in Deutschland und dort wieder anders als in Polen oder Italien. Bestattungskultur ist regional, bestenfalls national. Religion ist dabei zweitrangig. So sehen die bosnischen Gräber in Malmö den serbischen in Wien sehr ähnlich und deuten auf gesamtjugoslawische Moden hin. Diese Vielfalt hat etwas Beruhigendes. Und sie ist bedroht.

Denn der Friedhof hat auch eine Ecke, wo nur einfache niedrige Holzschilder im Boden stecken oder sogar nur Plastikschilder mit Nummern.

Dort liegen die Extremisten sunnitischer Couleur, die Wahhabiten von der arabischen Halbinsel und die Deobandis vom indischen Subkontinent, denen schon Namen auf Gräbern der Anfang von Heiligen- oder Götzenverehrung ist, die sie hassen. Einzig der schwedischen Ordentlichkeit verdankt es sich, daß man die Gräber überhaupt als solche erkennt. Auf dem Friedhof ist dieser Islam, der zurecht behauptet näher an den Ursprüngen zu sein und regionale Varianten ablehnt, glücklicherweise noch in der Minderheit. Lehrreich wäre ein Besuch dieses Friedhofs daher für all diejenigen, die in mal wohlwollendem, mal übelwollenden Rassismus denken, alle Muslime seien gleich und müßten irgendwelche religiöse Vorschriften beachten. Er zeigt die bedrohte Vielfalt des Islam.

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