Das Ende des Dom Technika

Das Dom Technika (Haus des Technikers) ist die Perle der Ulica Rajska (Paradiesstraße) im Zentrum von Gdańsk. Es steht kurz hinter dem Kanał Raduni (Raduni-Kanal), genau dort, wo das alte Gdańsk in das neue übergeht, bescheiden aber unübersehbar

Vier Geschosse, etwa quadratischer Grundriß, backsteinerne Brüstungsbänder, die Fenster zwischen vertikalen Betonstreben leicht zurückgesetzt, auf vorstehenden Betonbalken ruhende vertikal geriffelte Betonbänder oder –geländer um das Dach, um den im ersten Geschoß vorne und rechts umlaufenden Balkon und um eine Terrasse, die an der rechten Seite durch das leicht abfallende Gelände ermöglicht wird. Links zwischen zwei Treppenhäusern eine Backsteinwand mit einem Muster hervorragender kleiner quadratischer Steine. Die beiden Treppenhäuser sind gleich groß, haben den gleichen rechteckigen Grundriß und bei beiden sind die schmalen Seiten backsteinverkleidet, während die breiten Seiten hinter horizontalen Betonlamellen verglast sind.

Da aber das eine parallel vor die Wand gesetzt ist und so nur eine verglaste Wand hat, während das andere quer gesetzt ist und so zwei verglaste Wände hat, wirken sie völlig verschieden.

Der Eingang befindet sich im rechten Teil der Vorderseite und wird bloß durch ein Muster aus kleinen und größeren Kreisen und Kreishälften in der roten Wandverkleidung markiert.

Dieselben Muster finden sich, nun abwechselnd mit heller Holzverkleidung, auch im Inneren. Direkt hinter dem Eingang führt eine Treppe durch alle vier Geschosse nach oben. Ihre Stufen und die Böden sind aus hellem glatten Stein, ihr Geländer und die der größer werdenen Öffnungen sind aus dunklem Stahl und hellem Holz, oben im Dach sind zwei Reihen quadratischer Oberlichter und nach ihrem Abschluß ist eine freistehende Wand mit einem der Wandverkleidung verwandten Glasmuster.

Ohne daß es von außen zu erahnen wäre, wird so ein repräsentativer, aber zugleich funktionaler Aufgang geschaffen. Zugleich setzt die innere Treppe das Spiel der beiden vorgesetzten Treppenhäuser auf andere Weise fort.

Das Dom Technika ist ein Gebäude, daß es schafft, einerseits durch den Backstein Bezug auf das Alte zu nehmen und andererseits in seinen Formen und durch den Beton klar etwas Eigenes zu sein. Zudem steht es frei, weit von der Straße und dem Kanal abgesetzt. Seine Umgebung, die Wiese auf der einen und die Grünanlage auf der anderen Seite, sind so wichtig wie das Gebäude selbst und verbinden es auf vielfältige Art mit weiteren Stadt.

So war das 1973 erbaute Dom Technika nicht nur ein neues Gebäude, sondern ein neuer städtischer Raum.

Bis Ende 2016 blieb auch alles so wie beschrieben und auf der obigen Zeichnung von 1980 zu sehen. Weiterhin sitzen im Dom Technika verschiedene technische Fachverbände, auch wenn die Księgarnia techniczno-naukowa (Technisch-wissenschaftliche Buchhandlung) im Erdgeschoß durch einen Biedronka-Supermarkt ersetzt wurde. Und auch der städtische Raum blieb erhalten, erkennbar jedenfalls, obwohl rechts daneben schon seit längerem eine abgezäunte Baugrube war. Vor wenigen Monaten dann wuchs der Zaun weiter und nahm auch die Wiese vor dem Gebäude ein. Hinzu kam ein großes Schild, das androhte, daß die Ecke auf unendlich banale Weise zugebaut werde. Wie um die Drohung zu unterstreichen, wurden in die Grube zwei kleine Kräne gestellt.

Sobald es warm genug war, kamen richtige Kräne und es wird tatsächlich gebaut.

Das Dom Technika wird in einen Hinterhof verbannt sein.

So geschieht einem der besten Gebäude der Ulica Rajska, was ihrem besten Kunstwerk, dem Heweliusz-Denkmal, bereits geschehen ist. Nichts Besonderes also, typische kapitalistische Zerstörung all dessen, was in der Stadt gut und fortschrittlich war. Man muß wohl froh sein, daß das Dom Technika überhaupt noch fortexistieren wird und, was fast wichtiger ist, auch der Grünbereich mit dem Heweliusz-Denkmal. Zukünftig wird es eine Perle in einer häßlichen und erdrückend engen Schale sei.

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