Humenné – Nördlicher Teil

Das nordostslowakische Humenné ist eine geteilte Stadt. Der eine Teil liegt nördlich von Fernverkehrsstraße und Eisenbahnstrecke, der andere südlich, und dazu kommt noch anderes, was zu keinem so ganz gehört und Möglichkeiten böte, die Teilung aufzuheben.

Der nördliche Teil erstreckt sich entlang der Gottwaldova (Gottwald-Straße), die heute vom Verkehr befreit Námestie Slobody (Platz der Freiheit) heißt. Er beginnt mit einem Halbkreis aus viergeschossigen, teils satteldächigen Gebäuden, in dem rechts der überdachte Marktplatz und links einige ältere Häuser sind. In der Mitte öffnet sich, flankiert wie von einem Tor durch siebengeschossige Gebäude mit flügelartigen Dachaufbauten, die Straße/der Platz.

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Bis zur nächsten Querstraße bildet diese Bebauung viergeschossig und an den Ecken fünfgeschossig mit Flügelaufbauten die Seiten der Straße/des Platzes. An der Querstraße weist eine Ladenzeile mit ihren vertikalen Linien, die in komplizierten kubischen Formen enden, nach links, ein schönes Beispiel des Humenné-Stils.

ladenzeilehumennegesamt

In der Mitte erstrecken sich Grünanlagen, in denen auch eine wenig alte Skulptur des Johannes von Nepomuk steht.

nepomukhumenne

Nach einem Springbrunnen wird der Platz/die Straße noch etwas breiter.

brunnenhumenne

Die Bebauung bleibt geschlossen, wird aber weniger einheitlich, es gibt eine Post links und ein langes Wohngebäude mit Satteldach rechts.

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Man würde nicht ahnen, daß man nur durch letzteres treten muß, um mitten in einem Wohngebiet zu sein. Es besteht aus viergeschossigen Walmdachgebäuden um offene Höfe mit großen Bäumen, am nördlichen Rand an der Ulica Osvoboditeľov (Straße der Befreier) reihen sich achtgeschossige Punkthäuser. Im weiteren Verlauf werden die Dächer der Häuser flach und es gibt einige kleine Zentren mit Läden.

Erst gegen Ende des Platzes/der Straße und auf der linken Seite stehen wieder einige ältere Gebäude. Am auffälligsten von diesen ist eines von 1936, auf dem das löwengehaltene Stadtwappen prangt. Aber als Gegengewicht gibt es sogleich Gebäude aus sozialistischer Zeit: gegenüber ein Kaufhaus  und direkt angrenzend eine Ladenzeile entlang der nächsten Querstraße.

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Sie besteht aus zwei parallel verlaufenden zweigeschossigen Gebäuden, die aber etwas versetzt stehen, so daß vor den Eingängen kleine Grünbereiche sein können. Die Läden öffnen sich zum ebenerdigen Bereich und zu auf runden Stützen ruhenden Flächen im zweiten Geschoß, die durch mehrere Brücken verbunden sind. Treppen führen teils innen zu diesen Brücken, teils von außen durch die Gebäude hindurch auf die Terrassenebenen.

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Das ist eine ungewöhnliche Lösung, fast weniger Lijnbaan als Passage des 19. Jahrhunderts, weshalb es nur paßt, daß sie heute ein transparentes Dach hat. Anders als leider viele solcher Ladenzeilen wirkt sie auch nicht heruntergekommen oder von improvisierten Billigläden geprägt. Sie ist, könnte man sagen und sogar zu ihrer Lage paßt es, das Nordwestzentrum von Humenné.

Aber wenn man so weit gekommen ist und wohl schon vorher, beachtet man zuerst die beiden bestimmenden Gebäude, mit denen der Platz/die Straße endet: das Schloß links und das Dom Kultúry (Haus der Kultur) seitlich rechts.

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Das Schloß ist ein vielfach veränderter vierflügliger Renaissancebau, auf den man zwischen den Plastiken einer Löwin und eines Löwen zugeht. Sie sind auch viel markanter als das Gebäude selbst.

schlosshumenne

Das Dom Kultúry hat eine langgestreckte zweigeschossige Fassade aus blaugefaßtem Glas, die von den weißen Linien der Seitenwände und des Dachs gerahmt ist. Inmitten der Glasfläche ist bei den Eingängen rechts eine weiße Wand, während  hinten links der niedrigere blaue und der höhere weiße Teil des Saals aufragen.

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Alt und Neu stehen so beieinander, ohne das zu sagen wäre, welches davon für den Abschluß des Platzes wichtiger wäre. Im Mittelpunkt der Straßenachse steht keines von beiden und auch der dazwischen angeordnete Pamätník Vďaky (Denkmal des Danks) nicht.

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Auf einem langen leicht abgeschrägten niedrigen Sockel aus rotem Stein stehen links Flammenschale und rechts eine überlebensgroße Bronzeplastik: in der Mitte ein Mädchen mit Blume, rechts ein Arbeiter mit geschultertem Gewehr und links ein sowjetischer Soldat mit gesenkter Maschinenpistole und nach links hin hochgehaltener Fahne, deren Fläche bis nach rechts reicht und eine Art Hintergrund für die Figuren bildet. Die Inschrift auf dem Sockel lautet: „Sloboda prinesená je vzácna, ale sloboda vybojovaná je oveľa drahšia“  (Gebrachte Freiheit ist wertvoll, aber erkämpfte Freiheit ist viel wertvoller). Dieses schöne unbezeichnete Zitat von Gustáv Husák impliziert SNP, Dukla, den ganzen Erinnerungsmythus, und die sowjetisch-tschechoslowakische Freundschaft, ohne sie nennen zu müssen.

Schloß, Denkmal, Dom Kultúry bilden gemeinsam den Abschluß der Straße/des Platzes, denn diese/dieser ist keine Achse. Daß sie nicht direkt auf das Schloß zuführen, wie es die alte Stadt sicher stärker tat, ist kein Zufall, doch noch die Torgebäude scheinen eine konventionelle Achse vorzubereiten. Dank dem Fortschritt im Städtebau entstand diese nie und der Platz fließt stattdessen zwischen Schloß und Dom Kultúry, um das Denkmal herum, in den Park hinein, der einst Schloßpark war und nun im schönsten Sinne aufgehoben ist. Das Schloß ist darin beinahe genauso ein Ausstellungsstück wie die regionalen Holzbauten im Freilichtmuseum weiter oben am Hang. Sogar das Denkmal will nicht nur von vorne, sondern auch von seiner Rückseite betrachtet werden, wo zwischen den Falten der Fahne ein liegender Helm, ein Stein (Grabstein?) und ein Baum zu sehen sind.

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Mit den bronzenen Figuren blickt man dann die Gottwaldova/den Námestie Slobody entlang, die schon so vielfältig und spannungsreich sind und doch nur das Zentrum des nördlichen Teils von Humenné.

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