Oberlausitzer Landschaft

Bei vielen spätsommerlichen Gängen durch das Vorland des Zittauer Gebirges, wenn Mähdrescher über die Felder fuhren und in der Ferne die Kühltürme des Kraftwerks Turów zu sehen waren, dachte ich, daß das doch das perfekte Sujet für ein sozialistisch-realistisches Gemälde wäre. An einem Spätsommertag dieses Jahres sah ich dieses Gemälde dann zum ersten Mal. Ich war im Wohngebiet Görlitz-Nord zufällig in die Ausstellung „DDR Kunsterfahrung“ (noch bis zum 2.4.2017) geraten, die ihre Räume in einer den Wohngebäuden vorgesetzten Ladenzeile hat, und da hing das Bild, durch das ich so oft gegangen war.

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Es wurde im schönen Jahre 1975 von Karl-Heinz Völker gemalt. Bloß die Mähdrescher fehlen und das dargestellte Kraftwerk ist nicht das polnische Turów, sondern das weiter nördlich auf der anderen Seite der Grenze gelegene „Völkerfreundschaft“ bei Hagenwerder. Aber sonst ist alles genau, wie ich es gesehen und mir für das Bild vorgestellt hatte. Im Vordergrund üppige Wiesen und goldene Felder, in der Mitte die vielen Kühltürme und Schornsteine, deren Rauch sich mit den Wolken des weiten blauen Himmels mischt, während die Mondlandschaft des Tagebaus nur ungefähr zu erahnen ist. Das ist die vom Sozialismus geschaffene Landschaft.

Heute ist vom Kraftwerk „Völkerfreundschaft“ nur noch die riesige Halle übrig, die wie ein Skelett in der Landschaft steht. Doch aus dem Tagebau wurde der große Berzdorfer See und dank ihm ist die Landschaft noch immer vom Sozialismus geprägt. Sie könnte, wenn Mähdrescher über die Felder fahren und in der Ferne die Kühltürme des Kraftwerks Turów zu sehen sind, andere Künstler inspirieren.

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Ein Gedanke zu „Oberlausitzer Landschaft

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