Tschechoslowakische Bahnhöfe: Stará Ľubovňa

Stará Ľubovňa, das alte Ľubovňa, ist bereit für die Zukunft. Als der Ort im östlichen Tatravorland im Jahre 1966 an das tschechoslowakische Schienennetz angeschlossen wurde, bekam er auch einen standesgemäßen Bahnhof.

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Den Bahnsteigen wendet das in Hellblau und Weiß gehaltene Gebäude ein auf sichtbaren schrägen Streben weit vorschwebendes Betonvordach zu, hinter dem in der Mitte die blaugefaßten Fenster der Halle sichtbar sind, während ganz rechts, wo es etwas weniger vorsteht, der zweigeschossige Bauteil mit den Betriebsräumen ist. Der Eingang in die Halle ist nur klein, fast unauffällig, aber wenn man über ihn zugeht, schweben die hellblauen Metallbuchstaben des Bahnhofsnamens über einem vorm Himmel.

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Durch einen breiten Gang kommt man die Halle und gegenüber ist eine Wand mit einer Tür nach draußen, die wiederum so klein ist, als wolle sie gar nicht benutzt werden.

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Rings um sie ist eine große, leicht horizontal und vertikal aufgeteilte Glasfläche, durch die man aber nur auf Gewerbeanlagen blickt und das Wohngebiet auf dem Hügel jenseits des Flusses Poprad beinahe übersehen könnte. Der Boden hat ein Quadratmuster aus gelben, weißen und roten Fließen, auf dem einige kleine Pflanzenkübel stehen. An der rechten Seite sind im Hellblau des unteren Teils der Wände zwei schräge Einbuchtungen mit Schaltern, an der linken geht es ins Restaurant. Auf den großen weißen Flächen  im oberen Teil der Wände sind dann Kunstwerke aus dünnen Stahllinien.

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Beide sehr ähnlich, beide Ellipsen und annähernde Kreislinien um eine Kugel, in denen rechts eine kleine Raumkapsel und links ein Sputnik sind. Links kommt dazu weiter unten eine alte Lokomotive oder ein Dampfauto, das heute von einer Palme fast verdeckt ist.

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Kaum mit großer Verspätung im Eisenbahnzeitalter angekommen, will Stará Ľubovňa also, vernünftigerweise und für tschechoslowakische Bahnhöfe nicht ungewöhnlich, in den Weltraum. Die ganze Halle unterstützt diese Symbolik: der Boden in erdigen Tönen und mit Pflanzen steht für die Erde, der blaue Teil des Wände für den Himmel und der weiße Teil für den Weltraum.

Zugleich ist der Bahnhof der Vergangenheit ganz nah. Wenn man unter dem schwebenden Dach steht, meint man jenseits eines nahen Hügels eine kleine Burg zu sehen.

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Tatsächlich ist es nur der höchste Teil der riesigen, das ganze weitere Tal beherrschenden Burg Ľubovňa.

Außer dem Zugbahnhof baute sich Stará Ľubovňa auch noch einen Busbahnhof. Er steht nicht daneben, obwohl dort Platz wäre, sondern etwas weiter entfernt in der Straßenbiegung, von der es weiter in die auf einem anderen Hügel jenseits des Flusses gelegene Altstadt geht. Er besteht aus einem langen Bahnsteig, über dem auf hohen Stützen ein zur einen Seite weniger, zu anderen mehr aufsteigendes wellblechverkleidetes Dach ist, und einem in der Mitte quer dazugesetzten Schalter- und Warteraum mit orangebrauner Verkleidung und schmalen vertikalen Streben.

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Obwohl das völlig schlicht, fast schon provisorisch wirkt, hat es auch etwas von der Form eines auf die Altstadt zusteuernden Doppeldeckers. Der Innenraum ist trotz nach rechts zeigenden Fenstern eher dunkel und auch Kunst mit oder ohne Weltraumbezug fehlt ihm.

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Doch anders als der Bahnhof lebt der Busbahnhof. Außer an Wochenenden ist Stará Ľubovňa Endstation der Züge von Poprad, die junge Bahnlinie, die nach Polen führen könnte, kaum noch genutzt, das Restaurant leerstehend, die Tür nach draußen verschlossen, der Weltraum ferner denn je.

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Der Busbahnhof hingegen ist Zentrum eines offenbar gut funktionierenden ländlichen Nahverkehrssystems. Zu bestimmten Zeiten finden sich hier viele neue grüne Busse ein, um reibungslose Umstiege zu ermöglichen.

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Das ist gut, aber der Bahnhof hatte mehr versprochen. Bereit für die Zukunft ist er noch immer.

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