Bahnhof und KFC in Gdańsk

Der Bahnhof von Gdańsk ist ein wilhelminisches Monstrum aus der Zeit, als die Stadt an der polnischen Ostseeküste noch Danzig hieß. Den zweiten Weltkrieg hat er leider ohne erkennbare Zerstörungen überstanden.

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Eine Halle mit Treppengiebel und großem rundbögigen Fenster, links ein hoher Turm, viel roter Backstein, etwas gelb-grauer Sandstein, allerlei Türmchen und Schnörkel, der Stil irgendwie Renaissance, um die wirkliche Renaissance der Stadt und die Architektur überhaupt zu beleidigen. Allerdings : Der schlimmste der deutschen Bahnhöfe der Kaiserzeit ist er nicht. Das ist denn auch alles Positive ist, das man über ihn sagen könnte.

Auch der McDonald’s rettet ihn wider Erwarten nicht.

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Zwar liegt er im niedrigeren rechten Seitenteil, wo der Bahnhof sich bereits ein wenig beruhigt hat und in komplizierten Dachstrukturen ausläuft. Der Bogen, in dem das gelbe M prangt, ist schon durch einen flachen Vorbau abgemildert. Aber nicht direkt hinter dem Glas, sondern rückwärtig befindet sich das Restaurant, zwar zweigeschossig, aber ohne Fenster und so auch tagsüber dunkel.

Doch da ist noch Kentucky Fried Chicken, KFC. Er hat ein zweigeschossiges Gebäude, das rechts quer zum Bahnhof steht und auch baulich schon losgelöst von ihm ist.

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Seine Formen sind nicht anders: zwei Geschosse, roter Backstein, Giebel und große rundbögige Fenster in den Schmalseiten und in der Mitte der zum Bahnhofsvorplatz zeigenden Breitseite, wo noch ein vorgesetzter Eingang mit Balkon ist. Aber im Vergleich zum Bahnhof wirkt all das geradezu zierlich.

Im Inneren ist ein Tonnengewölbe, in das eine Galerie mit großer Treppe eingezogen ist.

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Daß der heutige Aufbau des Innenraums nichts mit dem ursprünglichen zu tun hat, merkt man schon daran, daß der Balkon von nirgendwo erreichbar ist.

Man kann also unten inmitten der vorbeitreibenden Menschenströme sitzen oder aber oben. Zur einen Seite blickt man dort über die vielspurige Straße und das Einkaufszentrum zum Turm des Kościól Św. Katarzyny (Katharinenkirche) oder zu einem braunverkleideten Hochhaus.

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Zur anderen Seite blickt man über einen vom Bahnhof, dem KFC-Gebäude, den Enden der beiden Kopfbahnsteige und den Seiten der drei Durchgangsbahnsteige gebildeten Platz, der bis auf einen runden Kiosk in seiner Mitte völlig leer ist.

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Auf der einen Seite hat man somit die Stadt und den Autoverkehr, auf der anderen den Bahnhofsbetrieb und den Zugverkehr. Zudem gibt es auf dem rückwärtigen flachen Anbau eine große Terrasse, von der man man noch weitere Blicke über beides hat und ganz barierrefrei dem Verkehrsrauschen ausgesetzt ist.

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Daß in dem kleinen Gebäude offenbar einmal Kassen waren, würde man heute nicht mehr erkennen und es ist auch nicht von Belang. Für den KFC nämlich scheint es wie geschaffen. Die beiden verglasten Geschosse vorne, der Küchentrakt hinten, der Balkon – genau so könnte auch ein Standardgebäude für ein Fast-Food-Restaurant aussehen. Genau so könnte es auch an irgendeiner Ausfallstraße stehen. Von der lächerlichen Monumentalität des Bahnhofs sieht man von den besten Plätzen im Inneren auch nichts mehr. Das Schönste in Gdańsk ist KFC.

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2 Gedanken zu „Bahnhof und KFC in Gdańsk

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