Klosterkyrkan Lund

Die Reformation ließ im südschwedischen Universitätsstädtchen Lund von zwanzig mittelalterlichen Kirchen genau zwei übrig: die romanische Domkyrkan (Domkirche) und die gotische Klosterkyrkan (Klosterkirche). Beiden könnten schwerlich unterschiedlicher sein. Die Domkyrkan ist ein prächtiger und großer Bau, der mitten im Zentrum das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt ist, während die Klosterkyrkan ein beinahe schlichter und eher kleiner Bau ist, der zwar nicht am Stadtrand, aber jenseits der Gleise liegt und so leicht übersehen werden kann.

KlosterkyrkanLundGleise

Die Domkyrkan ist mit ihrem roten Backstein jedoch weit typischer für die Region als die Domkyrkan mit ihrem grauen Sandstein.

KlosterkyrkanLundVorderseite

Die den Gleisen abgewandte Vorderseite hat drei spitzbögige Fenster und einen einfachen Treppengiebel vorm Satteldach, in dem Spitzbögen und Kreisformen als Ornamente dienen. Links steht der niedrige Turm, der schmale offene Spitzbögen hat und von einem Satteldach zwischen kleinen quergesetzten Treppengiebeln abgeschlossen wird. Ansonsten ist die Kirche regelmäßig von vorgesetzten Pfeilern und spitzbögigen Fenstern gegliedert. An der linken Seite zeigen schlichtere Vorbauten, daß hier einmal das namensgebende Kloster anschloß.

KlosterkyrkanLundLinkeSeite

Rechts der Vorderseite ist ein kleiner Eingang mit einem weiteren Treppengiebel.

KlosterkyrkanLundEingang

Die zu den Gleisen zeigende Seite endet mit dem trapezförmigen Chor. Vor dem Dach ist, schon wieder, ein Treppengiebel, doch außer der Spitzbogen- und Kreisornamentik hat er wenig mit den anderen gemein.

KlosterkyrkanLundGleisseite

Aufgrund des Trapezgrundrisses steigt er zuerst über den schrägen Wänden und dann über der abschließenden Wand auf, wodurch die konventionelle Treppenform etwas unerwartet Dynamisches und Bewegtes bekommt. Statt nur anzusteigen, scheint er sich aufzuschwingen. Indem der typische Giebel den baulichen Gegebenheiten angepaßt wird, verwandelt er sich, wird etwas Neues. Beinahe erinnert dieser Giebel an den Bug eines Schiffs.

KlosterkyrkanLundSchiff

Wie ein gestrandetes Schiff steht die Klosterkyrkan inmitten eines hübschen kleinen Friedhofs, ein katholisches Schiff, das erst vom Protestantismus, der das Kloster zerstörte und die Benediktinerinnen vertrieb, dann vom Kapitalismus, der direkt daneben die Gleise baute, in der Fahrt aufgehalten wurde. So, als Denkmal zwischen Weiden und Magnolien, fast ortlos, fast nicht mehr zu Lund gehörig, ist die Klosterkyrkan vielleicht wertvoller als die mitten in der Stadt, aber an eine eigentümlich unstrukturierten Platzraum stehende Domkyrkan.

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