Erkundungen auf Friedhöfen: Heldentod

Wenn man auf Wiener Friedhöfen das Wort „Heldentod“ liest, kann man meist getrost weitergehen. Steht es auf Gräbern aus dem ersten Weltkrieg, kann man noch das Jahr und den Ort des Todes oder ein etwaiges interessantes Detail lesen. Steht es auf einem Grab aus dem zweiten Weltkrieg, mag man vor dem Weitergehen noch gegen den imaginären Stahlhelm darauf treten. Beim Grab entschiedener Nazis wie Karl und Harry Groschner auf dem Friedhof von Mauer, wo die Eltern sich erdreisteten, ihren „guten und sonnigen Söhnen“ die Inschrift „Wir starben für euch weil wir an die Heimat geglaubt“ zu widmen, kann man sogar gegen einen echten Stahlhelm treten.

GrabGroschnerFriedhofMauerWien

Daß dieser verrostet ist, tröstet kaum, denn die deutsche Geisteshaltung, die er ausdrückt, ist es viel weniger.

Nur ganz selten liest man das Wort „Heldentod“ auf dem Grab eines Menschen, der wirklich und objektiv ein Held war. So auf dem Grab des Herbert Rosenberg auf dem älteren jüdischen Teil des Zentralfriedhofs. Eine ganze jüdische Wiener Familiengeschichte läßt sich auf dem Stein nachverfolgen. Oben „Unserer Mutter Maria Löwi“, dann „Unsere guten Eltern Kom. Rat. Rudolf u. Jella Löwi geb. Glaser starben im K.Z. Theresienstadt 1942“ und unten in anderer Schrift: „Unser einzig geliebtes Kind Herbert Rosenberg fand am 19. Juli 1944 im 22. Lebensjahr in der Engl. Armee bei Caen Normandie den Heldentod“.

GrabLöwiRosenbergZentralfriedhofWien

Im Kampf gegen die Nazis, ob nun bei der verlustreichen britischen Eroberung von Caen oder irgendwoanders auf der Welt, zu sterben, das war der einzige Heldentod, den es im zweiten Weltkrieg gab. Die, die den Grabstein zu formulieren hatten, die Generation zwischen den von den Nazis Ermordeten und dem im Kampf gegen die Nazis Gefallenen, sind schon anderswo begraben. Man könnte gut verstehen, wenn sie nicht einem Land bleiben wollten, wo Gräber wie das in Mauer errichtet und die dazugehörigen Gedanken gedacht werden dürfen. Wie ihr Sohn hatten sie vielleicht begriffen, daß auf die deutschen Verbrechen ein „Schalom“, wie es oben auf Hebräisch steht, nie die hinreichende Antwort ist.

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