Malmö Roddklubb

Es gibt Gebäude, die so perfekt an ihren Ort passen, daß man sie sich gar nirgends anders vorstellen kann. Der Sitz des Malmö Roddklubb (Ruderklub Malmö), errichtet 1942, als in anderen Teilen Europas dergleiche Baumaßnahmen eher keine Priorität genossen, ist ein solches Gebäude.

Wie eingezwängt steht er auf einem schmalen Grundstück zwischen dem Gleisgelände vorm Hauptbahnhof und einer großen Straße. Man kann ihn dort leicht übersehen, er bemüht sich auch nicht, auf sich aufmerksam zu machen, sogar die Reklame für den Kaffeehersteller Zoegas auf dem Dach verblasst schon.

MalmöRoddklubbGesamt

Er hat zwei Geschosse aus vom Verkehr angedunkeltem gelben Backstein. Zur Straße im Erdgeschoß kleine runde Fenster, im Obergeschoß in der rechten Hälfte unter einem leicht aufsteigenden Pultdach größere rechteckige Fenster und in der linken Hälfte eine große Terrasse mit einem Geländer aus glattem dunklen Holz. Der Übergang vom Obergeschoß zur Terrasse ist markiert durch ein größeres Fensterband bei der Ecke. An der rechten Schmalseite ist ein öffnungsloser halbrunder Teil, im Erdgeschoß ein Eingang und Fenster und im Obergeschoß ein kleiner Stahlgitterbalkon und Öffnungen mit Glasbausteinen.

MalmöRoddklubbEcke

Die Gleisseite entspricht fast der Straßenseite, doch sowohl die runden Fenster unten als auch die eckigen oben beginnen später und das Fensterband fehlt, während eine Treppe mit dunklem Holzgeländer am Erdgeschoß entlang auf die Terrasse führt. Die andere Schmalseite ist die schlichteste: im Obergeschoß eine Fahnenstange zwischen den Fenstern und Glastüren zur Terrasse, deren Geländer leicht abgeschrägt endet, im Erdgeschoß drei blaue Tore, die wie Garagentore aussehen.

MalmöRoddklubbWasser

Doch diese Seite öffnet sich zum Wasser. Von der Betonfläche vorm Gebäude führt ein Holzsteg hinab und bis weit aufs Wasser hinaus.  Hinter den Garagentoren ist die Halle mit den Booten, das Herz des Ruderklubs.

Das Gebäude muß an diesem Ort sein und es muß das Gebäude eines Ruderklubs sein. Entsprechend ist es architektonisch am schwächsten, wo es vom Wasser wegweist. Der halbrunde Teil ist noch durch ein Treppenhaus motiviert, aber der Balkon daneben ist nur noch bauhausstiliges Gimmick. Auch die Metallbuchstaben mit dem Namen, die unter dem Fensterband sind, passen zwar,

MalmöRoddklubbSchrift

aber sie wirken zu gesucht, zu kompliziert. Ihnen fehlt die ruhige Eleganz des ähnlichen und doch ganz verschiedenen Schriftzugs des Malmö Elverk (Elektrizitätswerk Malmö), der auf vielen roten Umspannungshäuschen prangt.

MalmöElverk

Doch wo das Gebäude auf das Wasser ausgerichtet ist, stimmt alles. Die Terrasse öffnet den Blick darauf, die Tore öffnen den Zugang dazu. Während es links unter einer Brücke hindurchgeht, verbreitert sich die Wasserfläche nach vorne langsam.

MalmöRoddklubbUmgebung

Offenes Wasser, das Meer gar, ist noch fern. Aufgrund seiner zentralen Lage in der nordöstlichen Ecke des Kanalsystems um den Stadtkern, ist es eher so, als sei das ganze Gebäude ein Tor zum Wasser und zugleich zu einem zweiten, vom Wasser statt von Straßen erlebten Malmö. Zur einfachen Brillianz des Gebäudes gehört es, daß es seine Verbindung zum Wasser nicht zuerst durch maritime Symbolik, obwohl man die finden könnte, sondern durch Funktionalität zeigt. Es zeigt außerdem, wie die Enge und ungünstige Lage eines Grundstücks durch die richtige Architektur nicht nur ausgeglichen, sondern zu einem Vorteil werden kann.

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