Malmöer Wohngebiete: Kulladal

Im südschwedischen Malmö gibt es die Altstadt beim Hafen, die innerhalb des Wassers um die einstigen Festungsanlagen wie auf einer Insel liegt, Vorstädte aus dem 19. Jahrhundert, die im Westen bürgerlicher und im Süden und Osten proletarischer sind, und dann eine weite halbstädtische Landschaft aus Straßen, Einfamilienhäusern und Gewerbeanlagen, in der fortschrittliche Wohngebiete wie Inseln anderer Art liegen.

Malmös Wohngebiete wurden allesamt zwischen den Fünfzigern und Siebzigern gebaut und zeichnen sich meist durch einen Schematismus aus, der überrascht, wenn man mit einigen Beispielen der Stadtplanung anderer europäischer Länder aus derselben Zeit vertraut ist. Immer dreigeschossige Gebäude, die zu Kamm- oder offenen Hofstrukturen angeordnet sind, und acht- bis zehngeschossige Gebäude, die in Zeilenstrukturen aufgereiht sind, immer alle in rechten Winkeln zueinander. Daß die Gebäude selbst sich immer in Details unterscheiden, ist zweitrangig, da es kaum auffällt.

Ein typisches Beispiel ist das Wohngebiet Kulladal im Süden der Stadt. Am nördlichen und am südlichen Ende je drei aufgereihte neungeschossige Gebäude und dazwischen um ein großes Quadrat aus Straßen dreigeschossige Gebäude. Da die Neungeschosser im Süden etwas höher stehen als auf der anderen, ist der Raum dazwischen nach örtlichen Maßstäben tatsächlich ein Tal.

Aus Tidman, Yngve: Bo i gemenskap - HSB Malmö 50 år, Malmö 1975

Aus Tidman, Yngve: Bo i gemenskap – HSB Malmö 50 år, Malmö 1975

Das Quadrat wird von einem zweigeschossigen Parkdeck und einer flachen Ladenzeile eingenommen. Vor dieser ist ein kleiner Platz, der aufwendig und hübsch mit Beeten, Mäuerchen, Hochbeeten und Bänken gestaltet ist, alles so rechtwinklig wie die Bebauung. An diesem Kulladalstorget (Kulladalplatz) hält der Bus und manchmal der Bücherbus. Einziger wirklicher Kontrast zur Regelmäßigkeit sind die Bäume

KulladalMalmöMagnolie

und ein Kunstwerk in der Mitte vor den südlichen zehngeschossigen Gebäuden. Es besteht aus einem schwarzen Sockel und drei Bronzeplatten mit Torsos, die außen von hinten, in der Mitte von vorne zu sehen sind.

Modell aus Tidman, Yngve: Bo i gemenskap - HSB Malmö 50 år, Malmö 1975

Modell aus Tidman, Yngve: Bo i gemenskap – HSB Malmö 50 år, Malmö 1975

Der Name dieses Werks von Barbro Bäckström aus dem Jahre 1975 lautet „I rena glädjen“ (In reiner Freude).

IRenaGlädjeBarbroBackströmKulladalMalmö

Wohngebiete wie Kulladal liegen ohne viel Bezug zueinander oder etwas anderem verstreut, wie es das Privateigentum an Grund und Boden in kapitalistischen Staaten eben bedingt, aber sie sind durch Geh- und Radwege, die meist dank Brücken und vor allem Unterführungen sehr gelungen vom Autoverkehr getrennt sind, gut mit allem verbunden. Geradezu typisch ist eine Situation wie folgende: der Weg senkt sich langsam ab,

WegMunkhättegatanMalmö

führt in einer Unterführung unter der Munkhättegatan (Munkhättestraße) hindurch und bleibt auf der anderen Seite deutlich tiefer als sie.

NettoMunkhättegatanMalmö

Dort folgt ein kleines flaches Ladenzentrum, an dessen langer Wand eine dekorative Gestaltung aus bunten Glassteinen und Bronze auch geradezu im Vorbeigehen wahrgenommen werden will.

KunstNettoMunkhättegatanMalmö

Weit bedeutender für die fortschrittliche Architektur Malmös als die meist langweiligen und schematischen Wohngebiete selbst sind solche Verbindungen, die den großen Wert einer Trennung von Auto- und Fußgängerverkehr zeigen. So werden die Inseln immerhin zu einem Archipel. Besser wäre Festland.

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3 Gedanken zu „Malmöer Wohngebiete: Kulladal

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