Tschechoslowakische Bahnhöfe: Lanžhot

Lanžhot ist ein kleiner Ort im äußersten Südwesten Mährens, unweit des neuen Dreiländerecks zwischen Tschechien, der Slowakei und Österreich. Sein abseits gelegener Bahnhof zeigt die übliche schlichte Eleganz der tschechoslowakischen Bahnhofsarchitektur.

NádražíLanžhotGesamt

Links ein dreigeschossiger Bau mit niedrigem Satteldach und vorgesetztem Mittelteil, unten, wo die Betriebsräume sind, mit roten Kacheln verkleidet, oben, wo Wohnungen sind, grau verputzt. Rechts anschließend ein längerer Flachbau, in dem erst ein Warteraum mit Schalter, dann ein breiter Durchgang, zu dem sich von rechts die Gepäckabgabe öffnet, und als Abschluß die Toiletten sind. Vor dieses funktionale Rückgrat ist, mit dem vorgesetzten Teil des dreigeschossigen Baus beginnend, ein Bahnsteigdach gesetzt, das der Funktionalität, die es auch selbst hat, etwas Expressivität hinzufügt.

NádražíLanžhotVordach

Auf runden Stützen mit beiger und brauner Kachelverkleidung ruht ein Balken, von dem das Dach zum Gebäude und zu den Gleisen, aber auch zu den beiden Enden hin ansteigt, so daß sich eine Art umgedrehte geschwungene Walmdachform ergibt. Von der Ortsseite ist die Expressivität sogar noch dezenter: bloß die Vs aus dünnen Stahlrohren, die das leicht ansteigende Vordach des Eingangs zum Wartesaal tragen.

NádražíLanžhotEingang

Als Bahnhof genutzt wird das Gebäude seit Anfang 2015 nicht mehr. Noch sieht es vorzeigbar aus, noch werden die Zimmerpflanzen im Wartesaal gepflegt, noch sind die Wohnungen in den Obergeschossen belegt.

NádražíLanžhotWartesaal

Wichtig ist der Bahnhof nicht, wichtig ist auch Lanžhot nicht, nur alle zwei Stunden halten dort Züge. Sehr wichtig hingegen ist die Strecke, die Tschechien mit der südlichen Slowakei und Ungarn verbindet. Daher die Erneuerung der Trasse im Jahre 2007, der der Bahnhof seine Renovierung und Aufzüge zu den Bahnsteigen verdankt, und die Anbindung an das Zugleitsystem ETCS im Jahre 2014, der der Bahnhof seine Schließung verdankt.

Zwei Tafeln erinnern an diese Ereignisse.

NádražíLanžhotGedenktafel2007 NádražíLanžhotGedenktafel2014

Sie sind in gewisser Weise verwandt mit den in Lanžhot wie in vielen anderen Bahnhöfen zu findenden Gedenktafeln für die Opfer, die die deutsche Besatzung unter den örtlichen Bahnarbeitern forderte.

NádražíLanžhotGedenktafel1945

Sie erzählen vom kommenden Ende des tschechischen Bahnwesens, das bisher in der Zeit stehengeblieben scheint. Da treten noch immer aus jedem Bahnhof rotbemützte Bahnhofsvorsteher, um die Züge abzufertigen. Da sind die Schaffner noch keine Zugbegleiter, sondern die schillerndsten Persönlichkeiten, vom wohlbeleibten Cowboy zwischen Varnsdorf und Liberec bis zum feingliedrigen blonden Transsexuellen hinter Brno. Kurz, da ist noch nichts grundsätzlich anders als in „Ostře sledované vlaky“, dem einzigen tschechoslowakischen Film mit Oscar – 1966 gedreht und Ende des zweiten Weltkriegs spielend. Natürlich ist es bloße Nostalgie, diesen in Deutschland lange abgeschlossenen Prozess zu bedauern. Anders als bei der steinernen Gedenktafel, die auch die revolutionären Tage des Jahres 1945 erwähnt, ist bloß nicht klar, was für Lanžhot und seinen Bahnhof nach diesem Ende je für ein Neuanfang kommen könnte.

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