Schilder im Gemeindebau

In den Wiener Gemeindebauten der Nachkriegszeit findet man ganze Generationen von Warn- und Verbotsschildern.

SchilderGemeindebauVerschiedene

Die meisten sind eher banal und unauffällig. Die aktuelle Generation folgt einem recht hübschen klaren Design, das sich Wiener Wohnen, die frühere Magistratsabteilung 52 oder Verwaltung der städtischen Wohnhäuser, mit anderen Zweigen der Stadtverwaltung teilt.

SchilderGemeindebauAktuell

Auffällig ist, daß die Formulierungen und Gestaltungen der Verbotsschilder im Laufe der Zeit nicht etwa, wie man erwarten könnte, freundlicher wurden, eher im Gegenteil. Das netteste der Verbotsschilder hat seinen Ursprung vielmehr in den angeblich so autoritären Fünfzigern.

SchilderGemeindebauFußballEmaille

Es zeigt in stilisierten Formen einen Jungen in Sportkleidung, der fröhlich lächelnd einen braunen Lederball in die Luft kickt, und dazu die Worte „…aber nicht in der Wohnhausanlage“, wobei das „nicht“ im Ball steht. Positiver und freundlicher kann man das leidige „Ballspielen verboten“ wohl kaum ausdrücken. Die Originalversion ist aus Emaille, wodurch das „nicht“ durch die leichte Erhebung des Balls noch zusätzlich betont wird, doch es gibt auch eine spätere Version auf Kunststoff, die allerdings wohl bereits in ihrer Zeit veraltet wirkte, da Fußbälle nicht mehr so aussahen.

SchilderGemeindebauFußballPlastik

Wie negativ und unschön dagegen ein Schild, das aus den Achtzigern stammen dürfte:

SchilderGemeindebauFahrrad

unter einem krakeligen „Bitte keine Hunde/Bitte nicht radfahren“ sieht man da einen sein Fahrrad schiebenden Jungen mit umgedrehter Baseballmütze und einen Hund, die auf den Befehl eines blonden Jungen traurig weggehen. Die Darstellungen sind comichaft billig, ohne Gefühl oder Raffinesse. Und warum hält der Blonde einen Ball im Arm? Ob er ihn von Ballspielenden konfisziert hat? Man kann jedenfalls davon ausgehen, daß, wenn sich tatsächlich ein kleiner Spießer fände, der Gleichaltrige mit den Worten des Schilds zurechtweisen wollte, bald eher er der Traurige wäre.

Das beste Warnschild denn kommt ganz mit Schrift aus.

SchilderGemeindebauEis

Es scheint auch nicht mehr als eine schnörkellose Warnung zu sein, wenn man liest: „Warnung! Das Betreten dieses Weges bei Schneelage und Glatteis erfolgt auf eigene Gefahr!“ Doch da ist mehr. Die Worte „auf eigene Gefahr!“ in der letzten Zeile nämlich sind kursiv gesetzt und unterstrichen. So werden sie betont, sicher, aber zugleich ist es auch, als kämen die Buchstaben selbst auf einer Eisfläche ins Rutschen. Die Schrift selbst erzeugt ein Bild. So eine Subtilität nur, eine kleine Idee und aus einem simplen Warnschild wird etwas Besonderes. Das ist wahrhaft großes Design.

So entsprechen die Schilder im Gemeindebau der Nachkriegszeit dessen Architektur, die vom Schlechten über viel Mittelmäßiges bis hin zu Nettem und, manchmal, Großartigem reicht.

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