Československý rozhlas Bratislava

Das Gebäude des Československý rozhlas (Tschechoslowakischer Rundfunk, heute Slovenský rozhlas, Slowakischer Rundfunk) in Bratislava ist eines von jenen, die man nie mehr vergißt, auch wenn man sie nur einmal gesehen hat.

Aus Československo, Praha/Bratislava 1988

Aus Československo, Praha/Bratislava 1988

Es ist einfach zu markant: eine riesige umgedrehte Pyramide, sechs Geschosse hoch, vor den Fensterbändern ein Rautenraster aus Stahlstreben. Bei diesem ersten Eindruck könnte es bleiben, beim Stauen darüber, daß es solch ein Bauwerk gibt, vielleicht bei der Bewunderung für die tschechoslowakische Architektur, die es noch 1985 fertigzustellen verstand.

Doch das genügt nicht. Daß das Gebäude des Československý rozhlas eine auffällige Pyramidenform hat, ist sicherlich wichtig. Sie erlaubte es, die Büroräume außen anzuordnen und das Innere für technische Anlagen und den großen Konzertsaal zu verwenden.

Aus Vyskočil, Kamil: Bratislava, Bratislava 1989

Aus Vyskočil, Kamil: Bratislava, Bratislava 1989

Wichtiger jedoch ist der Bereich um diese Pyramide und unter ihr. Der Sockelbau, bis zu drei Geschosse hoch, ist im Kontrast bewußt schlicht gehalten.

Aus Vyskočil, Kamil: Bratislava, Bratislava 1989

Aus Vyskočil, Kamil: Bratislava, Bratislava 1989

Klare rechteckige Formen, horizontale rotbraune Kachelverkleidung, über den oft die Ecken umlaufenden Fenstern beige gemaserter Stein. Und von der Ecke der Straße Mýtna, direkt neben dem Eingang ins Gebäude, führt eine große Treppe aufs Dach. Auf dieser zweiebigen Dachterrasse, nein, in dieser Dachlandschaft, nein: auf diesem Platz erst steht die umgedrehte Pyramide.

ČeskoslovenskýRrozhlasBratislavaPlatz

Hier noch mehr als von unten wirkt sie schwerelos leicht, fast schwebend nur auf dem quadratischen Mittelteil und acht Stahlstützen. Aber nicht um schwerelos zu wirken, sondern um möglichst viel Platz um sich zu lassen, berührt sie den Boden so wenig. Erst durch den Platz, den öffentlichen Raum, den sie schafft, bekommt die Pyramidenform recht eigentlich einen Sinn, wird zu mehr als nur effektheischerischer Spielerei.

Der Gebäudekomplex des Československý rozhlas will gerade kein selbstgenügsames Kleinod in spektakulärer Form sein, sondern sucht den Kontakt zur Stadt. Es findet ihn nur teilweise. Von der Straße führt die Treppe immerhin auf den Platz unter der Pyramide und dort beginnt ein Weg. Er führt in Höhe des dritten Geschosses über den Sockelbau, über eine verglaste Brücke

ČeskoslovenskýRrozhlasBratislavaBrücke

und über die Terrasse eines weiteren entsprechenden Baus, in dem ein Restaurant und vielleicht auch Läden waren,

ČeskoslovenskýRrozhlasBratislavaWeg

bis zur nächsten Straße, der Žilinská. Sogar diese scheint er noch überbrücken zu wollen.

ČeskoslovenskýRrozhlasBratislavaEnde

Aber auf der anderen Seite stehen Wohngebäude aus den Neunzigern. Ohnedies ist der Weg heute nicht zugänglich und der Platz nur manchmal.

Man spürt noch, wie sehr der Československý rozhlas Teil von etwas Größeren sein wollte, einer wichtigen Achse nämlich, die vom Hauptbahnhof über den Medická záhrada (Medizinischen Garten), einen wichtigen Park, bis zu einem geplanten neuen Kulturzentrum am Donauufer hätte führen sollen. Diese Pläne wurden nie umgesetzt und hinzu kamen spätere Zerstörungen. So steht der Československý rozhlas heute allein. Insbesondere fehlt ihm eine klare Beziehung zum nahen Námestie Klementa Gottwalda (Klement-Gottwald-Platz, heute Námestie slobody, Freiheitsplatz) und es ist schwer vorstellbar, wie die hätte verbessert werden können, ohne einen großen Verwaltungsbau aus den späten Vierzigern abzureißen. So bleibt dieses erstaunliche Gebäude ein Ansatz, aber auch mehr und auf andere Art gelungen, als es im ersten Moment schien.

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