Wiener Fernsehtürme

Das Wort Fernsehturm hat eine leicht zu übersehende Doppelbedeutung: zum einen sind es Türme, in denen technische Einrichtungen zur Ausstrahlung von Fernsehprogrammen untergebracht sind, zum anderen haben diese Türme gewöhnlich Räumlichkeiten, die es Besuchern ermöglichen, in die Ferne zu sehen. In den meisten Städten ist die Doppelbedeutung auch egal, weil ihre Fernsehtürme beide Funktionen zugleich erfüllen oder wenigstens erfüllten. Nicht so in Wien.

Donauturm

Der bekanntere der Wiener Fernsehtürme, der Donauturm, ist ein solcher nur im zweiten Sinne. Er bietet Besuchern eine Aussicht, hat aber keinerlei technische Funktion.

DonauturmOben

Mit dem runden Betonschaft, der dreieckigen, seitlich leicht geschwungenen Plattform, dem schmalen Glaszylinder, dem breiteren silbern verkleideten und von Fensterbändern umlaufenen Zylinder der Restaurant- und Aussichtsgeschosse und der darüber aufragenden rot-weißen Spitze war er Anfang der Sechziger zwar ein Symbol des Fortschritts, hatte aber in seiner Funktion mehr mit den Aussichtstürmen, die ab dem späten 19. Jahrhundert so gerne errichtet wurden, gemeinsam, mit all den österreichischen Kaiser-Franz-Joseph-Warten und preußischen Bismarcktürmen.

PaulinenwarteTürkenschanzpark

Wie ein solcher historistischer Backsteinturm, die Paulinenwarte, im 1888 eröffneten Türkenschanzpark steht, steht der Donauturm im 1964 eröffneten Donaupark. Für die Stadtlandschaft ist der Donauturm damit so wichtig, wie alles jenseits der Donau – ziemlich wenig. Heute ist er, wiewohl etwas abseits stehend, Teil einer mediokren Wiener Skyline.

WienerSkylineDonau

Der weniger bekannte der Wiener Fernsehtürme, der Funkturm Arsenal, ist ein solcher nur im ersten Sinne.

FernsehturmArsenal

Er trägt vielerlei Sendeanlagen, ist aber für Besucher nicht zugänglich. Alles an ihm ist denn auch völlig unprätentiöse Funktionalität. Auf dem runden Betonschaft ein diskusförmiges Geschoss mit silberner Verkleidung und umlaufendem Fensterband, darüber und darunter jeweils erst eine etwas kleinere, dann eine deutlich kleinere runde Betonplattform mit den technischen Anlagen. Die offene Spindelform, die sich so ergibt, ist vielleicht nicht aus sich selbst heraus markant, aber sie wird es, weil dieser zweite Fernsehturm von wichtigen Punkten der Stadt zu sehen ist. Während ein Tourist Wien besuchen kann, ohne den Donauturm zu sehen, wird ihm der Funkturm Arsenal höchstwahrscheinlich nicht entgehen.

Er ist nicht hoch, deutlich niedriger als der Donauturm. Er steht nicht in einem Park, sondern im zwischen Bahnlinien und großen Straßen eingezwängten ehemaligen Kasernengelände des Arsenals, einem Nichtort. Aber er steht an einem erhöhten Punkt, wie es für seine Funktion nötig ist. Und so schiebt er sich nonchalant in mehr oder weniger beliebte und bekannte Wiener Panoramen.

Wie zu Hause ist er an der abendlichen Gleislandschaft beim S-Bahnhof Grillgasse.

FernsehturmArsenalGrillgasse

Gut paßt er an einem nebligen Tag zum grauen Dach des neuen Hauptbahnhofs.

FernsehturmArsenalHauptbahnhof

Ein Fremdkörper ist er im Park des Belvedere, wenn neben dem bewegten Baukörper des Oberen Belvedere ruhig seine Plattformen schweben.

FernsehturmArsenalBelvedere

Gerade hier aber, gerade als außerirdischer oder wenigstens außerbarocker Fremdkörper, ist er am wertvollsten, hier bereichert er die selbstbewußte Barocklandschaft mit seiner selbstbewußten Funktionalität. Man könnte sagen, daß das Belvedere so sehr sein Park ist wie der Donaupark der des Donauturms. Doch der Funkturm Arsenal hat wichtigeres zu tun.

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Ein Gedanke zu „Wiener Fernsehtürme

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