Vom Beckenrand springen im Schafbergbad

Jedes Freibad ist ein Spaßbad, ob es das nun zugibt oder nicht. Zwar mag es dort die geben, denen es um sportliches Bahnenschwimmen geht, aber für die meisten gibt es dort nur Abkühlung und Spaß im Wasser. Dennoch verbieten alle Freibäder das Springen vom Beckenrand und die Durchsetzung dieses Verbots gehört zu den Hauptaufgaben der Bademeister.

Aber es geht auch anders, wie das Schafbergbad zeigt.

SchafbergbadGesamt

Es ist ein Sommerbad der Stadt Wien auf einem Hügel hoch über der Stadt und auch seine Architektur ist eine Architektur ganz für den Sommer.

SchafbergbadEingang

Der Eingangsbau und alle folgenden sind nicht mehr als runde Betonstützen, die mit runden, schraubenmutternähnlichen Betonelementen an horizontale, oben von gelbem Kunststoff umhüllte Streben anschließen, welche wiederum die Betonplatten oder Plexiglaskuppeln des Dachs und manchmal Wände aus gelben Kunststoffwabenelementen oder Glas tragen.

SchafbergbadAussicht

Wie sich diese Dächer, unter denen die Kabinen völlig frei angeordnet sind, offen und durchlässig den sanften Hang hinaufziehen, erinnert an eine römische Tempellandschaft, doch ohne jedes historistische Moment.

SchafbergbadKabinen

Zur anderen Seite wird der Boden zur Terrasse, unter der weitläufige, aber zugleich offene Bereiche mit weiteren Kabinen und Schränken und später die Zugänge zu den technischen Räumen angeordnet sind.

SchafbergbadTerrasse

Vom Eingangsbereich kommt man direkt auf die Becken zu. So wie sie in die Liegewiesen am vielfach terrassierten Hang angeordnet sind, bilden sie auch selbst Terrassen. Drei quadratische Nichtschwimmerbecken steigen nach links den Hang an, die Geländer und Außenränder gelb, orange, rot.

SchafbergbadKleinereBecken

Zwischen den unteren öffnet sich nach vorne das größere Becken, blau gefaßt, Herzstück des Schwimmbads, noch klassisch groß und geformt, aber kaum auch nur noch vortäuschend, daß es dem Sport diene. Rechts ein Seitenbecken für die hohe Rutsche, links am Ende zwei Sprungbretter, unter denen der mit bunten Kacheln eingelegte Beton der Beckenränder zu horizontal verschobenen Scheiben zerfließt.

Ebenfalls links, noch davor und von den oberen Becken, die teils darüber aufgestützt sind, umgrenzt, ein weiteres Nichtschwimmerbecken. Mitten in ihm stehen zwei Betonpodeste mit weißen und orangenen Kacheln, die in viel vielfach versetzten und unterschiedlich hohen dreieckigen Flächen enden, wie die Andeutung eines zerklüfteten Felsen.

SchafbergbadBeckenSpringen

Diese Podeste haben nur einen Zweck: das Kinder von ihnen ins Wasser springen können. Nicht mit Verboten wird im Schafbergbad das Springen vom Beckenrand verhindert, sondern dadurch, daß die Kinder eine viel bessere Stelle zum Springen ins Wasser zur Verfügung haben, durch die Architektur.

Und genau das ist es, was Architektur soll: Lösungen für Probleme finden. Architektonischer Fortschritt wäre es, wenn diese Lösungen sich durchsetzten und weiterentwickelt würden. Stattdessen beschäftigt sich die Schwimmbadarchitektur wie alle andere mit Dekoration. Aber das Schafbergbad zeigt die ganze arkadische Schönheit des Funktionalen.

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