Eine Kirche für die Ewigkeit

Auf der Insel Krk an der kroatischen Adriaküste, an der größten und deshalb in der Saison sehr stark befahrenen Straße, unweit des Orts Punat, zwischen Beachbars, Melonenständen und Leuten, die Zimmer vermieten wollen, steht ein eigentümliches kleines Bauwerk. Sieht man es im Vorbeifahren, weiß man nicht zu sagen, ob es neu oder alt, aus Beton oder Stein, ein Bunker oder eine Star-Wars-Kulisse ist. Alles scheint möglich, nichts würde einen auf dem Balkan überraschen. Beim Näherkommen erst sieht man: es ist eine Kirche aus dem elften Jahrhundert, die Crkva svetog Dunata (Kirche des heiligen Donatus).

KirchePunatVorne1

Sie ist ein winziger und eigentlich ganz simpler Bau: ein Teil mit Tonnendach, der von einem zweiten gequert wird, so daß eine Kreuzform entsteht. Keine Öffnungen außer der Tür und einer Art Schießscharte, die zum Meer zeigt.

KirchePunatHinten

Aber markant ist die Kuppel, die in der Mitte aufragt. Statt der ordentlich behauenen Quader des unteren Teils sind hier rohe, spitz herausragende Steine aneinandergefügt, so daß die resultierende Form an eine Ferrero-Rocher-Praline oder das Dach der Sezession in Wien erinnert, bloß mit einem runden Fenster, das ihr zusätzlich etwas von einem riesigen zyklopischen Auge gibt.

KirchePunatVorne2

Die Kirche wirkt dadurch roh und archaisch, obwohl der Bau dieser Kuppel eigentlich eine große architektonische Leistung war. So verloren und unbeachtet sie heute dasteht, so stolz waren ihre Erbauer vor vielen Jahrhunderten sicher auf sie. Sie ist das einzige, was aus dieser Zeit blieb, stabil, einfach und raffiniert wie eh. Sie ist wie aus der Natur der kargen felsigen Insel, auf der es außer Steinen nicht viel gibt, herausgewachsen. Aber die sonst überall bloß herumliegenden Steine bekommen in ihr einen Sinn, sie ist die Überhöhung der Natur der Insel.

Während diese Kirche mit Krk verwachsen ist und doch darüber hinausweist, steht der nächstgelegene Sakralbau, das Kloster Košljun, in einer anderen Welt. Es ist nur weniger hundert Meter entfernt, aber losgelöst vom steinigen Krk auf einer idyllisch bewaldeten Insel in der Bucht von Punat, wie ein Atlantis, das in bessere Gefilde fortschwimmen möchte.

PunatKlosterKošljun

Vielleicht aber ist alles, was man über die kleine Kirche denkt, auch nur romantische Täuschung. Vielleicht war sie einst außen mit teurerem Stein verkleidet und hatte im heute kahlen Inneren prächtige Mosaike.

KirchePunatInnen

Vielleicht ist ihre heutige Gestalt das Ergebnis der Renovierungen vieler Jahrhunderte, die in ihr schon den naturverwachsenen schlichten Bau sehen wollen und sie erst zu einem solchen machten. Aber wenn man sie heute sieht, hat man doch das Gefühl, sie werde dort auch noch stehen, wenn es keine Straße und keinen Tourismus mehr gibt, ob das nun etwas Gutes oder Schlechtes ist.

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