Heiliger wider Willen

Wie ist das eigentlich, wenn man ohne es zu erwarten Heiliger wird?

Zwar war man ein guter christlicher Funktionär in Prag (oder auch zwei) und starb eines unangenehmen Märtyrertods im Wasser der Moldau, aber das war auch alles. Dann, nach einigen Jahrhunderten im Himmel, findet man sich plötzlich in neuen modischen Kleidern wieder, aus den Ohren wächst einem ein Heiligenschein, sogar mit Sternen, und ein dicker kleiner Engel mit etwas blödem Gesicht trägt einem die Attribute, Palmblätter und Kruzifix, heran, während ein zweiter zur Erinnerung an die Verschwiegenheit, die man angeblich gezeigt hat, einen Finger vor seinen Mund hält. Klar, daß man da erst einmal überrascht dreinblickt, sich leicht nach hinten wegbeugt und beide Hände in einer fragenden Geste auf die Brust richtet: Ich?

Genau so geschah es Johannes von Nepomuk oder vielmehr: so stellte ein Bildhauer es sich vor und einer Skulptur dar, die in Sievering, einem ehemaligen Dorf im 19. Bezirk, zu sehen ist.

JohannesVonNepomukSievering

Wir wissen, wie die Geschichte weiterging: Johannes von Nepomuk fand sich mit seiner neuen Rolle ab und in tausend anderen Skulpturen wiegt er das Kruzifix schon so verzückt im Arm, als sei es das Jesuskind selbst und er Maria.

Wenn man ohne es zu erwarten Heiliger wird oder sonstwie berühmt, beschwert man sich eben nicht, sondern genießt es, und würde sich wohl auch nicht anders verhalten, wenn man nicht wie Johannes von Nepomuk entweder nie gelebt hätte oder jedenfalls seit Jahrhunderten tot wäre. Es könnte einen bloß mehr stören, daß einige der vielen tausend Skulpturen, die einen zeigen, wirklich schlecht sind, aber solange hin und wieder etwas Interessantes dabei herauskommt, wäre man wohl zufrieden.

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2 Gedanken zu „Heiliger wider Willen

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