Poststeg Passau

Die vielleicht wichtigste städtebauliche Maßnahme der bayrischen Stadt Passau verdankt sich der Deutschen Bundespost. Wie meist bei gelungenem Städtebau ist sie leicht zu übersehen.

In der Bahnhofstraße sieht man nur ein gewöhnliches Bürogebäude, sechs Geschosse hoch, die Schmalseiten aus Beton, die Breitseiten mit Fensterbändern und vertikalen Streben.

PoststegPassauBürogebäude

Heute ist darin nicht einmal mehr eine Postfiliale, aber oben hängt noch wie vergessen das nunmehr so altmodische gelbe Posthorn auf gelbem Grund. In der Grünaustraße sieht man nur den Eingang einer großen und langen Halle, etwas erleuchtet durch Fenster links und Oberlichter zwischen den Streben, die das Dach tragen.

PoststegPassauHalleEingang

Weder das Bürogebäude noch die Halle wären eines zweiten Blicks wert, wenn sie wie unzählige vergleichbare irgendwo in einer westdeutschen Stadt herumständen. Doch das Gebäude steht nahe dem Bahnhof und die Halle spannt sich auf der Höhe des dritten Geschosses über die breiten Gleisanlagen.

PoststegPassauGesamt

Sie steht etwa dort, wo die Bahnsteige enden, auf massiven Betonstützen. Auf der einen, bis auf horizontale Schlitze kahlen Seite, führen einige Treppenhäuser hinab,

PoststegPassauLamellen

während auf der anderen Seite ein Weg, der eigentliche Poststeg, die beiden Seiten der Gleise miteinander verbindet.

Geht man den oft umgebauten Steg entlang, blickt man über die Gleislandschaft und zum Bahnhof.

PoststegPassauBahnhof

Es ist eine Landschaft des Fortschritts. Die Gleise sind wie ein vierter, jedoch menschengemachter Fluß im so sehr von Flüssen geprägten Passau. Doch ihm fehlt, was Flüsse erst menschlich macht: die Brücken. So ist er zugleich eine Wunde in der Stadt. Einzig die aufgestützte Halle mit dem Poststeg überbrückt die Gleise und ist wie ein Pflaster auf dieser Wunde. Wenn sie auch nicht heilt, so zeigt sie doch den Weg zur Heilung auf. Sie schlägt eine Brücke zwischen den Gegenden, die von den Gleisen zertrennt waren, und schafft zusätzlich wertvollen neuen städtischen Raum. Aus ganz banalen Bestandteilen entsteht ein wichtiges städtebauliches Verbindungsglied.

Aufgabe des Bahnhofs und der Stadt als solchen wäre es, ebenfalls über die Gleise zu wachsen, aber sie tun es nicht. Sie bleiben im 19. Jahrhundert. Das 1975 errichtete Bundespostgebäude zu Passau bleibt allein, bleibt Zukunft. Es ist ein Beispiel für eine schlichte, der Stadt unermeßlich viel gebende fortschrittliche Architektur, nicht weniger schön als der barocke Dom, dessen Türme und Kuppel in der Ferne daneben aufragen.

PoststegPassauDom

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